der Macht « finden . Hielt die Macht aus , so hielt Chorin auch aus , schwankte die Macht , so schwankte auch Chorin . In zweifelhaften Fällen hielt sich ' s zurück und wartete ab . Wenn dies » Diplomatie « ist , so ist nichts billiger als die diplomatische Kunst . Von 1319 – 1323 waren für die Mark drei Prätendenten da : Herzog Rudolf von Sachsen , Herzog Heinrich von Mecklenburg und Herzog Wratislaw von Pommern-Wolgast . Die besten Ansprüche hatte unbedingt Rudolf von Sachsen ; das Kloster sagte sich aber : » Herzog Heinrich und Herzog Wratislaw sind uns näher und weil sie uns näher sind , sind sie wichtiger für uns . « Diese Erwägung genügte , um sich – im Gegensatze zur Mittelmark , die nach Sachsen hinneigte – auf die Seite von Pommern und Mecklenburg zu stellen . So lagen die Sachen noch im Juni 1320 . Aber das Ansehen Rudolfs von Sachsen wuchs ; zu seinem größeren Rechte gesellte sich mehr und mehr auch die größere Macht , und sobald das Kloster diese Wahrnehmung machte , war es rasch zu einer Wandlung entschlossen . Im November 1320 begegnen wir bereits einer Urkunde , worin » Herzog Rudolf das Kloster Chorin in seinen Schutz nimmt , ihm seine Ungnade erläßt « und dabei natürlich seinen Besitz ihm bestätigt . Wir sehen , das Kloster hatte es für gut befunden , seine erste Schwenkung zu machen . Indessen die Dinge gingen nicht lange so . Kaiser Ludwig hielt es um diese Zeit für angetan , die Mark als ein verwaistes Reichslehn einzuziehen und seinen ältesten Sohn damit zu begnaden . Dieser kam als Markgraf ins Land . Die Rechnung , die von seiten Chorins nunmehr angestellt wurde , war einfach die folgende : » Rudolf von Sachsen ist stärker gewesen als Mecklenburg oder Pommern , Kaiser Ludwig aber ist wiederum stärker als der Sachsenherzog . « So wurde unser Kloster denn , nachdem es drei oder vier Jahre lang sächsisch gewesen war , ohne Zögern bayrisch . Dies war die zweite Schwenkung . Aber noch andere standen bevor . 1345 tauchte der sogenannte » falsche Waldemar « auf ; wir lassen dahingestellt sein , ob er der falsche oder der echte war . Sein Anhang mehrte sich , aber die größere Macht stand zunächst noch auf bayrischer Seite . Was tat nun Chorin ? Es hielt aus bei den Bayern , solange Bayern der stärkere Teil war , und dies Ausharren führte den besten Beweis , daß man dem Kloster viel zuviel Ehre antut , wenn man ihm , wie geschehen ist , nachredet , daß es all die Zeit über ( von 1319 bis 1345 ) gut askanisch gewesen wäre oder gar an der Rückkehr und Restituierung Waldemars , nötigenfalls irgendeines Waldemars , gearbeitet habe . Nichts davon . Das Kloster Chorin hatte weder die Treue , auf die Wiedereinsetzung eines » echten Waldemar « , wenn es an einen solchen glaubte , zu dringen , noch hatte es andererseits den Mut einer politisch-patriotischen Intrige , d.h. den Mut , nötigenfalls auf jede Gefahr hin und bloß dem askanischen Namen zuliebe , den unechten Waldemar zu einem echten zu machen . Chorin tat nichts , es wartete ab . Waldemar , gleichviel ob der falsche oder der richtige , zog schon zwei Jahre durchs Land , und die Uckermark , darin unser Kloster gelegen war , hatte ihn bereits anerkannt ; nur gerade Abt und Konvent von Chorin zögerten immer noch , ein Wort zu sprechen und die alten askanischen Sympathien zu bezeigen . Warum ? Die bayrische Herrschaft , wenn auch mannigfach bedroht , erschien noch unerschüttert , jedenfalls dem Eindringling überlegen . Chorin blieb also gut bayrisch , solange es das Klügste war , gut bayrisch zu sein . Aber der Herbst 1348 änderte plötzlich die Machtstellung der Parteien , und mit der veränderten Machtstellung änderte sich natürlich auch die Stellung Chorins . Kaiser Karl IV. , der Luxemburger , der dem bayrischen Kaiser , dem Vater des bayrischen Markgrafen von Brandenburg , auf den Kaiserthron gefolgt war , trat auf die Seite des falschen Waldemar und ließ ihn für echt erklären . Jetzt wäre die Stunde für Chorin dagewesen , endlich Treue zu zeigen , wenn auch nur Treue gegen Bayern ; aber es kannte nichts als Unterwerfung unter die Macht . Mit dieser Anerkennung des falschen Waldemar durch den Kaiser war der bayrische Markgraf von Brandenburg auf einen Schlag der schwächere Teil geworden ; die natürliche Folge davon war , daß Chorin aufhörte , bayrisch zu sein , um sofort kaiserlich und Waldemarisch zu werden . 13 Dies war ein böser Fleck , eine häßliche Wandlung ; aber das Häßlichere kam noch nach . Die Sache währte nicht lange ; der Kaiser dachte bald anders und ließ Waldemar im Frühjahr 1350 ebenso leicht wieder fallen , wie er ihn achtzehn Monate früher erhoben hatte . Die Häuser Luxemburg und Bayern söhnten sich aus . Waldemar war nun wieder nichts oder doch nicht viel ; nur die askanische Partei stand noch zu ihm . Einzelne treue unter den Städten suchten ihn auch jetzt noch zu halten , nur nicht Chorin . Die Machthaber hatten ihn fallen lassen , und das Kloster tat selbstverständlich dasselbe . Von einem Einstehen , einem Zeugnisablegen , von dem , was wir heute Charakter und Gesinnung nennen würden , keine Spur . Nach halbjähriger Teilnahme an der Waldemarkomödie war Chorin wieder so gut bayrisch , wie es vorher gewesen war . Die bayrischen Markgrafen ihrerseits waren auch zufrieden damit und machten aus dem flüchtigen Abfall nicht allzuviel . Sie drückten zwar in einer Urkunde ihren Unmut und ihre Trauer darüber aus , das Kloster nicht fest befunden zu haben ; aber das war wenig mehr als eine Formalität , die Sache war beigelegt und Chorin wieder angesehen , vielleicht angesehener als zuvor . Es hielt nun auch aus , solange die Bayern im Lande waren