allem Irdischen mich abwendend , nur auf das Heil meiner unsterblichen Seele bedacht sein . Von dem Tage ab , an welchem man die Wappen des Hauses Lauzun-Duras auf meiner Ruhestätte in der Kirche zu Vaudricourt , an der Seite meines vielgeliebten Gatten , des verstorbenen Herrn Herzogs Moriz Alibert Chlodwig von Duras , befestigen wird , sollen , sofern die Gräfin Haughton die Hand des Fürsten Polydor nicht annimmt , die frommen Väter des Jesuiten-Klosters zu Malanche die alleinigen Erben meines ganzen Vermögens und Besitzes werden , damit mein Andenken in Liebe und Verehrung auf der Erde erhalten bleibe und meiner armen Seele die Gebete und die erlösenden Fürbitten nicht fehlen mögen , auf welche ich in dem Falle von meiner Nichte , der Gräfin Haughton , nicht zu rechnen haben würde . « Der Notar hielt inne . Er las danach den Schluß des Formulars , man reichte der Herzogin die Feder hin , hielt einen Leuchter so in die Höhe , daß sie sehen und schreiben konnte , ohne von dem Lichte geblendet zu werden , und erwartete , daß sie jetzt unterzeichnen würde . Aber sie zögerte , es zu thun . Langsam und prüfend blickte sie den Prinzen , blickte sie den Fürsten noch einmal an . Keiner von beiden , man konnte es in ihren Mienen lesen , hatte diesen Schluß des Testaments erwartet . Auch der Beichtvater der Herzogin zeigte sich überrascht ; auf eine Wendung des Testamentes , die Alles von der Entscheidung der Gräfin abhängig werden ließ , hatte er nicht gerechnet . Es war todtenstill im Zimmer . Renatus , der auf der linken Seite des Lagers der Herzogin zunächst stand , meinte in ihren erstarrenden Zügen plötzlich noch einmal jenes überlegene sarkastische Lächeln zu gewahren , vor dem er als Knabe Scheu getragen hatte und das ihm immer unheimlich geblieben war . Die Herzogin athmete immer schwerer . Wie betrübt sie sind ! sagte sie kaum hörbar . Wie betrübt sie Alle sind ! Mein Tod macht Niemanden froh , und sie werden Alle , Alle lange an mich denken ! - Die Feder , die Feder ! - Licht , schnell das Licht ! rief sie mit letzter , plötzlicher Kraftanstrengung , und die Hand mit Gewalt fest auf das Papier auflegend , daß sich ihre Schwäche nicht verrieth , unterzeichnete sie mit klaren Buchstaben ihren vollen Namen . Dann ließ sie die Feder fallen , ihr Haupt sank ihr zurück , und ehe noch die Zeugen ihre Namen unter das Testament geschrieben hatten , war die Herzogin gestorben . Jeder von ihnen hatte seine besonderen Rückerinnerungen bei dem Tode dieser Frau . Eine halbe Stunde später war das Zimmer verlassen . Der Notar traf die nöthigen gerichtlichen Maßregeln , die herrenlose Dienerschaft ging ihrem Belieben nach . Am Hofe vernahm man die Kunde von dem Tode der Herzogin ohne besondere Theilnahme und ohne irgend ein Erstaunen . Man fand es natürlich , daß des Königs Ungnade ihr das Herz gebrochen hatte . Als aber der Monarch , im Angedenken alter Freundschaft , den Befehl gab , daß sein Wagen den Leichenzug der Herzogin eröffnen solle , folgten der Hof und die zu ihm gehörende Gesellschaft dieser Anweisung , und die Herzogin wurde mit allen Ehren ihres Standes zur Ruhe bestattet . Fünfzehntes Capitel Niedergeschlagen wie Einer , den ein schweres Unglück betroffen hat , saß Renatus in dem Reisewagen , der ihn von Paris entfernte . Als er vor vier Jahren inmitten eines begeisterten Heeres , von Gefecht zu Gefecht , von Schlacht zu Schlacht siegreich fortschreitend , durch diese Gegenden zog , war ihm anders zu Sinne gewesen . Aus der Fremde nach der Heimath gehend , kam er sich wie ein Verbannter , wie ein Flüchtling vor . Er war ohne jede bestimmte Hoffnung und völlig unentschlossen , wie er seine Zukunft zu gestalten habe . Er war unzufrieden mit sich , unzufrieden mit seinen Verhältnissen , unsicher in seinen Ueberzeugungen , und sein Gewissen war beschwert . Wenn er sich vorhielt , daß er nach Hause zurückkehre , um sein Wort gegen Hildegard zu lösen , schien es ihm unnatürlich , daß er zu dieser ging , die seiner nicht bedurfte , statt Eleonoren nachzueilen , die ihn , oder doch in jedem Falle den Beistand eines Freundes nöthig haben mußte . Wenn er sich sagte , daß es Zeit sei , sich an die Ordnung seiner Vermögensverhältnisse zu machen , wozu Paul ihn immer dringender ermahnte , überkam ihn die drückende Einsicht , wie er von diesen Dingen nichts verstehe , und die Abneigung gegen den persönlichen Verkehr mit Paul verminderte dieses Unbehagen nicht . Wohin er seine Gedanken richtete , überall stieß er auf Dinge , die ihn beunruhigten . Der Aufenthalt in Paris war ihm verleidet und peinlich geworden , in Berlin erwarteten ihn lästige Erörterungen und Geschäfte , denen er sich nicht gewachsen wußte , während ihm die Möglichkeit vorschwebte , daß die Gerüchte , welche auf seine Kosten in Paris in Umlauf gewesen waren , ebenso nach Berlin gelangt sein konnten ; und die Mißverständnisse und Zerwürfnisse zwischen seiner Braut und seiner Stiefmutter , mit deren Schilderung man ihn aus der Ferne schon behelligt hatte , versprachen auch nicht , ihm den Aufenthalt in Richten zu erleichtern oder zu verschönern . Wenn er sich das alles aber bis zur Ermüdung vorgehalten hatte , dann bemächtigte sich seiner immer wieder die Erinnerung an Eleonore , um ihn vollends unglücklich zu machen . In dieser Verfassung langte er an einem der letzten Tage des Februar in der Hauptstadt seines Vaterlandes an . Es war gegen den Abend hin und noch sehr kalt . Bis man seinen Wagen abpackte , seine Koffer öffnete , verging eine geraume Zeit , und als er eine Mahlzeit eingenommen und sich umgekleidet hatte , war es vollends spät geworden . Nahezu sechs Jahre waren vergangen , seit er Berlin verlassen hatte . Damals war die Stadt