schauderhaften Tänzen zu nahe gelebt haben , mit denen die Heiden ihre Götzen , die Venus , den Jupiter , die Minerva und ähnliche Affenschande verehrt haben . Aber glaubt ihr denn nicht , daß unter dem Unkraut in den Herzen der jetzigen Jugend , unter der Spreu auf der Tenne noch so viel edler Weizen liegt , daß man ein solches Frauenzimmer - oder - nehmt ' s mir nicht übel - euere eigenen Weiber und Töchter , in aller Güte nehmen und ihr sagen kann : Kind , ein Wort im Vertrauen ! Sieh Griete , Anne Marie , so ein Bursch wie der Siebdrat oder der Heikerling oder wie die Schlingel heißen , die kürzlich ihre drei Jahre abgedient haben und immer noch mit dem rothen Streifen an ihren Mützen hier herumlaufen und selbst so in die Kirche kommen , in die Kirche , wo nur Eine Cocarde und Eine wahre Landesfarbe herrschen soll , das durchstochene Herz und das Blut unsers gnadenreichsten Erlösers Jesu Christi ! - ich sage , wenn ihr sagen wolltet : Griete , Anne Marie , - Gott , Gott , diese heiligen Taufnamen ! - wenn dir nun so ein Schlingel im Felde begegnete , in dem hochwallenden Gotteskorn oder im heiligen Walde - nein , den hauen uns die Lutheraner hier nächstens auch noch ab ! - oder hinterm Gartenzaun und wollte dich nur so um die Hüfte fassen , wie er ' s auf dem Tanzboden thut - Mädchen , könntest du das denn leiden ? Würdest du nicht über den Buben außer dir sein ? Würdest du nicht über die Schlenker , die man machen muß beim » Pfaffen von Ystrup « Brust an Brust und Mund an Mund - in den Boden versinken vor Scham ? Und würdest du diesen Schlingeln mit den rothen Streifen an den Mützen nicht hinter die Ohren schlagen , daß ihnen Hören und Sehen vergeht ? Nun sieh , würd ' ich als Vater sagen , dergleichen duldest du nun alle Sonntage ! Marie Anna , Magdalena , du , die niemand zweideutig ansehen darf , wenn sie im Felde schanzt und züchtig sich schon die Kleider hält , nur wenn der Wind geht , du mein holdseliges Kindlein , du putzest dich Sonntags , behängst dich mit Ketten und Schaustücken , setzest dich in den Finkenhof auf die Bank und lungerst mit gierigem Blick , ob dich denn nicht auch jemand nehmen mag oder ob du wol gar sitzen bleibest und das Blut , hui ! das spritzt dir förmlich vor Ungeduld aus den Wangen , wenn immer mehr antreten und du noch vacant bist ! Gott , bei deinen hochheiligen Wunden , würd ' ich doch so ein geliebtes theures Kind , die Freude einer Mutter , das Nestküchlein eines Vaters , so ein Bild der Unschuld und holdlieblichen Sitte , beschwören , daß sie sich vergleichen möchte , wie sie daheim sitzen könnte am Spinnrad , eine züchtigliche Maid , sanft und lieblich und unschuldsvoll wie eine Taube ... Und , mit dem Bilde vergleicht dann diese Ländler und diese Schottischen ! Wie die Röcke fliegen ! Wie der Boden kracht ! O Familienväter ! Schildert ihnen doch das um des enthaupteten Johannes , um dieses ersten Pfarrers auch in einer Wüste , willen ! Schildert den Eindruck , wenn nun später die Bursche anfangen von Bier und Taback und Branntewein zu glühen und die süße Unschuld des Herzens , der zarte jungfräuliche Leib euerer liebsüßen Mägdelein , deren Kindeslallen euch ach ! so inniglich erquickte , in die Arme solcher Buben sinkt ! Schildert ihnen , was diese beweinenswerthen Lümmel nun die Dreistigkeit haben in ihr keusches Ohr für Gift zu träufeln ! Wie sie sich hinsetzen , euern Töchtern das klebrige Glas vollschenken lassen und Hand in Hand sie auffordern , mit ihnen erst durch Redensarten hindurchzuwaten , durch den Pfuhl der Erinnerungen und Erfahrungen , die sie aus ihren gottesvergessenen lutherischen Garnisonen mit heimgebracht haben , aus der Plage der allgemeinen Militärpflicht , die ihr schon so oft zu allen drei Teufeln , wo sie herstammt , hingewünscht habt ! Unsere Bursche sind schön , herrlich gewachsen , wie ihr selber noch die strammsten Männer seid ! O , so kommt es , sie standen fast alle bei der Garde ! Nun kehren sie wieder aus der Residenz selbst , wo diese Unglücklichen leben müssen ohne die trauliche Verbindung mit unserer gnadenreichen Mutter , wo sie nur dürftig genießen die heilige Zehrung , die Herzenserleichterung am Ohr eines geweihten Priesters , ja wo eine jammervolle Veranstaltung unserer Neunmalweisen sogar möglich gemacht hat , daß diese armen Tröpfe , diese guten lieben Kerle , euere Söhne , euere Neffen , euere jüngern Brüder , wol gar in die Kirchen der Ketzer commandirt werden und ihr treues Herze , ihr manchmal doch noch reines , unverdorbenes Gemüthe die Weisheit solcher Geistlichen von einer Kanzel herab hören müssen , deren wir ja sogar jetzt einen in Witoborn haben - Gott im Himmel erbarme dich ! einen » Priester « mit sieben lebendigen Kindern ! ... O , ich beschwöre euch , Familienväter , thut das Eurige , euere Kinder und Kindeskinder , an die ihr mit Stolz denken könnt , nicht zu verkaufen an den , der ausgeht , sie zu verschlingen ! Uebernehmt , obschon nicht geweiht , das Amt des Priesters ! Sprecht am brennenden Kienspan in jeder Hütte von der Sünde , die ja schon darin liegt , nur etwas zu wagen , was möglicherweise Sünde werden könnte ! Grabt es ihnen im Bilde vor , das Grab der Unschuld und Tugend ! Sagt ihnen : Wandle , Mensch - Mensch , wandle dort , wo du wünschen möchtest einst dein Sterbebett hingestellt zu haben ! Kannst du , o Jungfrau , o Jüngling , dir unter Gefahr einer Todsünde nur vorstellen , daß der Tanzboden dein Sterbebett wäre ? Kannst du dir denken , daß