oder Jenen mit einem gnädigen Worte zu beglücken . Vergeblich hatte der Baron Brand den Versuch gemacht , die junge Dame , welche er führte , zu überreden , mit ihm in eins der leereren Zimmer zu treten , um , wie er sagte , die langweilige Polonaise mit süßem Geplauder zu vertauschen ; - es war ihm unangenehm , ja ihm bangte ordentlich davor , durch den Thronsaal zu gehen . Auguste dagegen hätte um Vieles ihren Platz nicht verlassen . Sie hörte gern das Flüstern um sich her und vernahm es mit Stolz , wenn man sich über ihren seltsam , aber elegant kostümirten Begleiter in allerlei Muthmaßungen erging . Der Baron mußte vorwärts und da es nun einmal nicht zu ändern war , so hob er den Kopf leicht empor und schritt dahin , als sei ihm Alles daran gelegen , die Aufmerksamkeit der Anwesenden auf sich zu ziehen . Der ganze Hof war versammelt ; Ihre Majestät im geschmackvollen Kostüme einer reichen Burgfrau saß da , von Ihrem ritterlichen Gefolge umgeben . Aus diesem hervor machten sich besonders vier schöne Stallmeisterinnen bemerkbar , welche sie zunächst umstanden . Eine derselben war Eugenie v. S. , und sobald der Baron den Saal betrat , konnte er es begreiflicherweise nicht unterlassen , mit seinem scharfen Auge sogleich dieses reizende Mädchen aufzusuchen . Da stand sie , die prächtige , schlanke Gestalt , zunächst am Sessel Ihrer Majestät , auf dessen Lehne sie eine Hand aufgestützt hatte . Sie trug das eng anliegende dunkelblaue Reitkleid , welches ihre schönen Körperformen wunderbar hervorhob . - Weßhalb es ihn schmerzlich berührte , wußte der Baron selbst nicht , aber als er von ihrer Schulter die bekannten Achselbänder in Blau , Grün mit Silber herabflattern sah , verursachte ihm das ein widriges Gefühl . Dazu war das Gesicht des schönen Mädchens von einer erschrecklichen Blässe und ihre Augen waren geröthet , als habe sie geweint ; ja zuweilen zuckten ihre bleichen Lippen und es war , als müsse sie sich alle Gewalt anthun , um ihre Thränen zurückzuhalten . - Wo aber war der Herzog ? - Richtig , dort stand er hinter ihr und hatte dieselben Farben , welche Eugenie trug , an seinem Anzuge nicht gespart . Zuweilen beugte er sich angelegentlich und auffallend zu ihr hinüber und flüsterte ihr lächelnd einige Worte zu , welche sie ja nicht unfreundlich erwidern durfte . Doch sah das Lächeln , welches alsdann über ihr Gesicht flog , so eisig , ja unheimlich aus , daß es dem Baron ordentlich davor graute . Er verwünschte den Dienst , den er dem Herzog geleistet , und hätte sich vielleicht noch größere Vorwürfe darüber gemacht , wenn seine Gedanken heute Abend nicht mit Wichtigerem beschäftigt gewesen wären . - Warum hatte er dem Herzog dergleichen Dienste geleistet ? Um ihn seinerseits ebenfalls gebrauchen zu können und eine innige Verbindung mit ihm anzuknüpfen , die ihm später vielleicht von Nutzen sein konnte . Und dieses später - o es kam vielleicht nie , denn der Baron fühlte schmerzlich , daß der Zeiger seiner Lebensuhr eine Stunde anzeigte , so spät , daß mit dem Schlage derselben die Uhr gänzlich abgelaufen sein mochte ! Und doch - wenn es irgend möglich war , sollte dem Herzog nichts geschenkt sein . Unter diesen Gedanken durchschritt er den Saal , stolz , mit hoch erhobenem Kopfe , die erstaunten Blicke zurückgebend , die sich gegen ihn richteten . Es mußte etwas Eigenthümliches in seiner Erscheinung liegen , denn wo er vorbei kam , bewegten sich flüsternd die Lippen gegen den Nachbar , und selbst Eugenie erhob ihren Blick und heftete die dunkeln , schwermüthigen Augen eine Sekunde lang fest auf ihn . Vor Etwas bangte übrigens dem Baron : vor dem Anblick des jungen Grafen Fohrbach , den er lieb gewonnen und der auch ihm stets mit gleicher Freundlichkeit entgegen gekommen war . Wahrhaftig , ihn reute die Geschichte mit den Achselbändern und er hätte Gott weiß was darum gegeben , wenn er sie hätte ungeschehen machen können . - Ach , wie so Vieles ! - Dort stand der Graf in einem sehr geschmackvollen Anzuge von violettem Sammet mit Silberstickerei ; dort stand er , und als er jetzt den Baron erblickte , schien etwas Furchtbares in seinem Herzen vorzugehen . Seine Hände ballten sich zusammen , sein Auge flammte einen Moment , dann aber spiegelte sich etwas wie Bestürzung und Schrecken in demselben . Daß diese Aufregung des jungen Mannes ihm gelte , fühlte der Baron wohl , doch war sie ihm unerklärlich , denn erstens erkannte er ihn gewiß nicht und dann konnte er ja auch keine Ahnung davon haben , daß er , der Baron Brand , bei jener Geschichte mit Eugenie und dem Herzog die Hand im Spiele habe . Daß aber Graf Fohrbach bei seinem Anblick auf ' s Höchste erschreckt geschienen , ja , daß sein Auge zornig gefunkelt , war nicht zu leugnen ; hatte er doch deutlich dessen Bewegung gesehen , als wenn er vorstürzen wolle , und hatte bemerkt , daß ihn der alte Leibarzt ironisch lachend bei dem Arm ergriff und zurückzog . Auch folgte er ihm mit den Blicken , und als der Baron schon das Ende des Thronsaales erreicht hatte und nochmals rückwärts schaute , sah er , wie ihm der Graf noch immer mit vorgestrecktem Halse und starren Augen nachblickte . Die Polonaise ging bald darauf zu Ende , der Baron brachte seine Tänzerin nach mühsamem Umhersuchen endlich glücklich zu ihrer Mutter und wollte sich nun so schnell als möglich zurückziehen . Doch ließ ihn die Präsidentin nicht so wohlfeilen Kaufes davon ; er mußte sich den Polizeirath vorstellen lassen und die kluge Frau benützte hiezu den Augenblick , als er gerade Arm in Arm mit der Tochter vor sie hintrat . Es war diese Vorstellung gewissermaßen eine Lehre für den Polizeirath , denn vor einem Jahre hatte man ihm zu verstehen gegeben , daß