recht berichtet , war das Terrain zwischen dem Amtshof und der Insel mehr Sumpf als See , so daß ein Steindamm , eine Art Mole , existierte , die hinüberführte ; der Paarsteiner See aber , im Gegensatz zu anderen Gewässern der Mark , wuchs konstant an Wassermenge , so daß allmählich der Sumpf in der wachsenden Wassermenge ertrank und mit dem Sumpf natürlich auch der Steindamm . Die Tradition hat nichts Unwahrscheinliches ; auch erkennt man noch jetzt , bei klarem Wasser , lange Steinfundamente , die in gerader Linie vom Ufer zur Insel führen . Die Insel selbst , an deren Südwestseite man landet , hat die Form eines verschobenen Vierecks , dessen vier Spitzen ziemlich genau die vier Himmelsgegenden bezeichnen . Der Umfang der Insel mag einige Morgen betragen . An der Landungsstelle , in ziemlicher Ausdehnung , erhebt sich eine aus mächtigen Blöcken aufgetürmte Wand : Roll- und Feldsteine , von denen es schwer zu sagen ist , ob die Fluten hier vor Jahrtausenden sie ablagerten oder ob erst unsere Freunde , die Mönche , sie zu Schutz und Trutz hier aufschichteten . Die Insel zeigt im übrigen auf den ersten Blick nichts Besonderes ; sie macht den Eindruck eines vernachlässigten Parks , in dem die Natur längst wieder über die Kunst hinausgewachsen ist . Es vergeht eine Zeit , ehe man die Trümmer entdeckt und überhaupt in dem bunten Durcheinander sich zurechtfindet ; dann aber wirkt alles mit einem immer wachsenden Reiz . Die Überreste des Klosters liegen nach Osten zu , fast entgegengesetzt der Stelle , wo man landet . Was noch vorhanden ist , ragt etwa zwei Fuß hoch über den Boden und reicht in seinen charakteristischen Formen völlig aus , einem ein Bild des Baues zu geben , der hier stand . 11 An der Profilierung der Steine erkennen wir , daß wir es mit einem romanischen Bau zu tun haben , der wahrscheinlich drei Schiffe ( eher schmal als breit ) hatte ; an einzelnen Stellen glaubt man noch ein Pfeilerfundament des Mittelschiffs zu erkennen . Weitere Nachgrabungen würden gewiß mancherlei Auskunft Gebendes zutage fördern , wobei bemerkt werden mag , daß auch das , was jetzt dem Auge sich bietet , erst infolge von Erdarbeiten , die der Pehlitzer Amtmann anordnete , vor kurzer Zeit zutage getreten ist . Was die Trümmer selbst angeht , so gehören sie sehr wahrscheinlich der Ostseite der ehemaligen Klosterkirche an , woraus sich ergeben würde , daß das Längsschiff derselben sich nicht parallel mit dem Ufer , sondern senkrecht auf dasselbe , also inseleinwärts hingezogen haben muß . In dieser Richtung hätten also auch weitere Nachgrabungen zu erfolgen . Wie die eigentlichen Klostergebäude , die Mönchswohnungen , zu dieser Klosterkirche standen , wird um so schwerer nachzuweisen sein , als die ganze Anlage nur von bescheidenen Dimensionen war , einzelnes auch leicht möglicherweise in dem heraufsteigenden See versunken ist . Zwischen diesem und der Klosterkirche bemerken wir noch ein niedriges Feldsteinfundament , über dessen Zugehörigkeit und frühere Bestimmung die Ansichten abweichen . Ich bin indes der Meinung , daß alle diese außerhalb und doch zugleich in nächster Nähe gelegenen , dabei durch eine eigentümliche Schrägstellung markierten Feldsteinbauten nichts anderes waren als die Siechenhäuser , in denen die Mönche den Hospitaldienst übten . In der Mitte der Insel erhebt sich der sogenannte Mühlberg , der beste Punkt , um einen Überblick zu gewinnen . Wir erkennen von hier aus unter den Zweigen der Bäume hindurch die Kirchenstelle und die Hospitalstelle , wir sehen die prächtige alte Lindenallee , die am Nordufer der Insel entlang den dahinter liegenden breiten Schilfgürtel halb verdeckt , und sehen durch die offenen Stellen hindurch die blaue Fläche des Sees , die sich wie ein Haff jenseits des Schilfgürtels dehnt . Dieser weitgedehnte See , überall eingefaßt durch prächtig geschwungene Uferlinien , gewährt ein Landschaftsbild voll imponierender Schönheit ; aber dieser Schönheit vermählt sich eine Sterilität , wie sie an märkischen Seen nur selten getroffen wird . Die Ufer , wenn sie Basalt wären , könnten nicht unfruchtbarer sein . Keine Spur von Grün bedeckt die sandgelben , in ihren Formen nicht unmalerischen Abhänge , kein Saatfeld läuft wie ein grünes Band von den Hügeln zum See hernieder , kein Laubholz , kein Tannicht , keine Decke grünen Mooses . Diese absolute Öde , nur einmal zur Rechten durch eine Turmspitze unterbrochen , ist an sich nicht ohne einen gewissen Zauber , aber das Gefühl , daß hier die Grundelemente zu einem märkischen Landschaftsbilde ersten Ranges nur geboten wurden , um von seiten der Kultur unbenutzt zu bleiben , verkümmert die Freude an dem , was wirklich vorhanden ist . Freilich , ständen diese Ufer auch in Grün und lachten auch die Wohnungen der Menschen daraus hervor , hier rote Dächer mit Tauben auf dem First , dort Wassermühlen , von niederstürzenden Gewässern getrieben – doch würde niemand da sein , um sich von dieser Inselstelle aus des schönen Landschaftsbildes zu freuen . Der » Pehlitzer Werder « ( Insula caprarum ) , einst in regem Verkehr mit den Bewohnern dieser Landesteile , eine Zufluchtsstätte für Verfolgte , eine Pflegestätte für Kranke und Verwundete , ist jetzt nichts mehr als Koppel- und Grasplatz für den Amtshof . Im Monat Mai schwingen sich Knechte und Hütejungen auf die Rücken der Pferde , und wie zur Tränke reitend , schwimmen sie mit ihnen zur Insel hinüber . Diese gehört nun sommerlang den Pferden und Füllen . Am Ufer hin , in der alten Lindenallee grasen sie auf und ab und horchen nur auf , wenn bei untergehender Sonne drüben der Paarsteiner Kirchturm zu Abend läutet . Eines der halbwachsenen Füllen tritt dann auch wohl in das Klostergemäuer , um die Disteln abzugrasen , die über dem alten Mönchsgrabe stehen ; aber plötzlich , als sei eine Flamme aus der Erde gefahren , dreht sich das Jungtier im Kreise herum und starrt und prustet , und mit Schüttelmähne und gehobenem Schweif flieht es die