zu veranlassen ; aber wider sein Erwarten stieß er auf ein Widerstreben bei der Herzogin . Ihr Beichtvater , welcher auf den Wunsch ihres alten Freundes mit ihr zuerst von dieser Angelegenheit gesprochen , hatte eben dadurch ihr Mißtrauen erregt , und es hatte kaum einer Mühe für den Abbé bedurft , um die Herzogin zur Mittheilung ihrer Sorgen und Bedenken zu veranlassen . Sie nannte es eine unbegreifliche Härte , daß man von ihr mit der Erbeinsetzung des Prinzen Polydor ein Zugeständniß fordere , welches sie zu machen durch ihr ganzes Leben vorsichtig vermieden habe . Da mir das Loos gefallen ist , mit meines Königs Ungnade belastet von der Welt zu scheiden , sagte sie , wäre es ein Verbrechen gegen mich selbst , wenn ich meine Hand in meinen letzten Stunden noch selbstmörderisch an meinen Ruf und an meine Ehre legen sollte ! - Und der Abbé bestärkte sie in dieser Ansicht . Er behauptete gegen den alten Fürsten wie gegen den Prinzen Polydor , in deren engstes Vertrauen er sich auf diese Weise plötzlich gezogen fand , daß man die Empfindungen der Sterbenden zu ehren und zu schonen habe , und als des Hin- und Herredens und des Verhandelns kein Ende werden wollte , that er endlich einen Vorschlag , auf den Niemand zuvor verfallen war . Er schilderte dem Prinzen die üble Lage , in welche die Gräfin sich versetzt hatte , spielte darauf an , daß in dem Wappen der Fürsten von Chimay sich ein gefesseltes Weib befinde , weil der erste Chimay seinen Adel durch eine an einer Jungfrau geübte großmüthige That errungen habe , und er rieth dem Prinzen , dem Beispiele seines Ahnherrn Folge zu leisten . Glück und Unglück haben verschiedene Maßstäbe , erzeugen verschiedene Ansichten , sagte er . Was man in der Fülle des Glückes , in voller , freier Sicherheit zurückweist , das ersehnt man in der Stunde der Gefahr . Er behauptete zu wissen , daß nicht wirkliche Abneigung gegen den Prinzen , sondern nur die eigensinnige Auflehnung der Gräfin gegen das , was sie als eine List der Herzogin bezeichnete , den ganzen beklagenswerthen Vorfall veranlaßt habe . Er sprach den Glauben aus , daß es eben jetzt in der Macht des Prinzen stehe , von der Dankbarkeit und Achtung der Gräfin zu erlangen , was seine Liebe bisher vergebens von ihr erbeten hatte . Er schlug dem Prinzen vor , sich schriftlich gegen die Herzogin zu Eleonorens Gunsten auszusprechen , ihr zu erklären , wie er an dem Charakteradel und der hohen Sinnesreinheit Eleonorens keinen Zweifel hege , und wie er es beklage , wenn seine liebende Ungeduld vielleicht mit dazu beigetragen haben sollte , die unheilvolle Vermittlung Seiner Majestät heraufzubeschwören . Schließlich aber gab der Abbé den beiden Fürsten zu bedenken , daß es eine große , eine schöne Handlung sei , wenn ein Mann mit dem Schilde seiner unbefleckten Ehre sich eines Mädchens wie die Gräfin annehme , und wie es völlig unmöglich sei , daß ein solches Mädchen der Großmuth des sie beschützenden Mannes dauernd widerstehen könne . Er kam immer darauf zurück , daß für den Prinzen Alles zu gewinnen oder Alles zu verlieren sei , und daß derselbe der Herzogin seine Anhänglichkeit besser nicht beweisen könne , als indem er , gleichviel , ob auf geradem Wege oder auf einem Umwege , ihr zur Verwirklichung ihrer Absichten und Wünsche behülflich werde . Darüber verlief eine Reihe von Tagen , und Renatus hatte gerade sein Urlaubspatent erhalten , als man ihn in der Nacht weckte , weil die Herzogin zu sterben glaube und ihr Testament zu machen vorhabe , bei dem sie der Zeugen nicht entbehren könne . Es war eine große Aufregung im Hause ; man hatte in den Corridoren und auf der Treppe die Lampen in Eile angezündet , das Portal war offen . Fast gleichzeitig fuhren die beiden Wagen der Herzogin in dasselbe ein . Sie hatte die Prinzen von Chimay , Vater und Sohn , und ihren Beichtiger zu sehen verlangt , und man hatte sich beeilt , sie herbeizuholen . Der Notar und der Arzt waren schon vor ihnen angelangt ; Renatus fand sie alle um die Sterbende versammelt . Die Herzogin saß , von ihren Frauen unterstützt , trotz ihrer Schwäche hochaufgerichtet auf ihrem Lager . Obschon das Haupt ihr müde herabsank , sahen doch ihre scharfen Augen noch fest umher , und sie hatte für Jeden ein Wort , ein Zeichen des Bemerkens , wie in ihren guten Tagen . Als sie alle diejenigen beisammen fand , die sie hatte rufen lassen , ersuchte sie den Notar , den Anwesenden das Testament vorzulesen , wie er es nach ihren Anordnungen niedergeschrieben hatte . Sie hörte , weil die Brust ihr sehr gepreßt war , nur wenig danach hin , während er das Formular vorlas , aber sie richtete mit Anstrengung ihr Haupt in die Höhe , und ihr Auge ging von dem greisen Fürsten zu dem Prinzen und von diesem zu dessen Vater zurück , als der Notar die Worte aussprach : » Auf den Wunsch und die Fürbitte meiner beiden werthen Freunde , des Fürsten August Philipp von Chimay und seines Sohnes , des Prinzen Philipp Polydor von Chimay , vermache ich meinen ganzen Besitz , er mag Namen haben , welchen er wolle , an meine Nichte , Eleonore Corinna Marquise von Lauzun , Gräfin von Haughton , unter der Voraussicht , daß sie sich meinem Wunsche und dem Befehle Seiner Majestät des Königs in Gehorsam fügen und den Prinzen Polydor , nachdem sie ihren Irrglauben abgeschworen und sich dem alleinseligmachenden Glauben überantwortet hat , in Anerkennung seines verzeihenden Herzens und seiner großmüthigen und edelmännischen Gesinnung , zu ihrem Gatten wählen werde . Sollte sie sich dessen weigern , sollte sie mir die Genugthuung versagen , die ich von ihr zu erwarten berechtigt bin und welche die letzte ist , die ich noch hienieden erhoffen kann , so will ich ,