so vergällt worden , müsse eine Stütze für sein Alter haben . Heinrich würde dann seinen Ernst beweisen können . Nähme er seinen Abschied , käme er nach dem Ullagrunde , der nur zwei Stunden vom Forsthause läge und halte er dann noch um die Franziska an , so würde sich das Übrige finden . Dann wollte er schon , wenn entweder auch noch die Ursula Marzahn um ihn herumspuke oder schon jenseits wirthschafte , sich allein zurechtfinden , wisse er doch , im Ullagrunde bei dem reichen Bauer Sandrart wohne ein Paar , das ihn lieb hätte und wo er öfter verweilen würde als auf dem Gelben Hirsch , ginge auch der Weg nach dem Ullagrunde über einen Ort vorbei , den er gern miede , über das Kreuz am Strudel und die Sägemühle . Fränzchen hatte , selbst wenn ihr nicht Louis Armand im Sinne gelegen wäre , ein Grauen vor dem Forsthause . Sie war in ihrer Kindheit , als ihre Ältern , die sie mit den Wandstabler ' s verwandt machten , gestorben waren , einige Wochen beim Onkel Heunisch , bei ihrem Vaterbruder , gewesen ( ihre Mutter war eine Schwester des Wachtmeisters und Haushofmeisters Wandstabler ) ; allein die Ursula Marzahn hatte diesen Besuch offenbar mit scheelem Auge angesehen und hinter zuthunliche Freundlichkeiten manche schlimme Absicht versteckt . Wie oft hatte sie nicht das kleine Mädchen an einen mit schönen gelben Blumen überwucherten Sumpf geführt und ihr gesagt : Hol ' einmal ein Büschel Blumen , Fränzchen , ich weiß ein Kunststück und sage dir , wer dein Mann wird ! War das kleine Kind dann in den Sumpf bis an die Knie gesunken , so lachte sie und wollte sie nicht wieder herausziehen . Weinte sie dann über ihre beschmuzten Strümpfe , so bot ihr die Alte zwar große Brotschnitte mit Zwetschenmuß und ganz feinem weißen Zucker aus ihrem Geheimschranke darauf , aber einmal , daß sie davon gegessen hatte , war sie so elend krank geworden , daß sie die Schnitte mit dem Zwetschenmuß und dem weißen Zucker aus ihrem Geheimschranke nicht wieder nehmen wollte . Heunisch , der sich überzeugte , daß das Kind in seinem Walde nicht viel lernen und unter der Wunderlichkeit der damals noch rüstigen Ursula leiden würde , nahm sie damals fort und gab sie in die Stadt zu den Wandstabler ' s , die es freilich so arg mit dem jetzt herangewachsenen Mädchen vorhatten , daß es eines Tages aus dem Pavillon , wo der alte Fürst badete , mit Schaudern entfloh und sich bei den Tischlermeisters Märtens , die ihre Ältern gekannt hatten , einmiethete , um hinfort von ihrer Hände Arbeit zu leben . Heunisch sagte nun zwar , die Ursula wäre alt und zahm und ganz kindisch , aber es graute ihr doch vor dem Gedanken in das Forsthaus zurückzukehren , und als der Onkel gar hören mußte : In deinem Walde , Onkel , sterb ' ich ! da brach er lieber vorläufig von seinen Vorstellungen ab und beschloß betrübten Herzens und unverrichteter Sache , aber mit Hoffnung auf den Sergeanten nach Hause wieder heimzukehren . Den Hochmuthsteufel , sagte er sich zum Trost , hab ' ich ihr doch vertrieben ! Dies Zeugniß , das er sich als Belohnung für seine Reise geben zu dürfen glaubte , bezog sich auf den Fortunaball , über den sich Fränzchen , ihrer Freundin Louise Eisold wegen , nicht völlig zu rechtfertigen wagte und es nun auch nicht mehr nöthig hatte , da Heinrich Sandrart sie eben dort kennen lernte . Noch mehr Hochmuthsteufel lag Heunischen in einem Luxus , der in seinen Augen sehr überflüssig war , in der Erlernung der französischen Sprache . Am Tage nach dem Fortunaball nämlich , wo sie im Gewühl , das nach der gewaltthätigen Scene im Garten entstand , mit Heinrich Sandrart wieder zusammengerieth und endlich nach vier Uhr erst , als Louise den Nachtwandler auffing , mit dieser in einem Wagen nach Hause entkam , den Sandrart bezahlte , war jener Franzose , dessen grüne Brille , großer Schnurrbart , lästiger Husten , auf dem Fortunaballe allgemein aufgefallen war , in ihre Wohnung gekommen und hatte sich als einen Professor Monsieur Sylvester zu erkennen gegeben . Dieser alte Geck war anfangs von einer so auffallenden Zudringlichkeit , daß das junge Mädchen ihm verbot , sich wieder bei ihr sehen zu lassen und Madame Märtens unterstützte diese Weisung ihrerseits mit feinstylisirten Drohungen , die er in seinem gebrochenen Deutsch vergebens zu beschwichtigen suchte . Monsieur Sylvester war bejahrt , verbarg diese Thatsache aber durch Perrücke und mancherlei nur in der Nähe sichtbare Toilettenkünste . Er hatte eine sehr glatte , aber fast leblose Haut . Wenn er mit den scharfen grauen Augen blinzelte , sah man an den Schläfen hundert Falten , die sich bis an die Augenwinkel zogen . Die hervorstehenden Zähne waren offenbar nicht ächt . Seine feine Kleidung verrieth den Mann von Welt und an einschmeichelnden , gewandten Manieren fehlte es ihm sowenig , daß er es wiederholt wagte , sich bei dem jungen hübschen Mädchen , das inzwischen schon von Heinrich Sandrart die ersten Huldigungen empfing , dennoch einzuführen . Er gab vor , eine Bestellung für den Vergolder Louis Armand zu haben und ließ genau von Franziska , die vor ihm zitterte wie vor einem giftigen Basilisken , seine Adresse aufschreiben : Monsieur Sylvester , Königsstraße Nr. 13 im dritten Stock . Er behauptete , bei Armand Aufträge für eine große Herrschaft zu haben . Franziska mochte ihn nicht ansehen , wandte ihm selbst den Rücken , aber sie wurde roth , als Herr Sylvester anfing von Louis Armand zu sprechen und einen langen forschenden Blick auf sie richtete . Ja als er sogar von Armand ' s Äußerm , seinen Verdiensten und Vorzügen sprach , sogar behauptete , ihn von Ansehen zu kennen und Fränzchens Verlegenheit wuchs , hätte sie im Spiegel bemerken können , daß er eine eigenthümlich überraschte pfiffige Miene