denkt noch schlimmer darüber , indem er sie geradezu für Teufelswerk ausgibt ; hält sie aber andererseits für eine wirkliche , wenn auch diabolische Prophezeiung . » Diese hundert Verse « , so sagt er , » sind als eine echte Prophezeiung anzusehen , aber zugleich wegen des darin waltenden unevangelischen Geistes als das Werk des Lügengeistes zu verwerfen . « Von Trahndorff zu Meinhold , dem Verfasser der » Bernsteinhexe « , ist nur noch ein Schritt . Wenn jener die wirkliche Prophezeiung zugegeben hat , so fragt es sich nur noch , ob nicht der Lügengeist , den der eine darin findet , durch den andern ohne viele Mühe in einen Geist der Wahrheit verkehrt werden kann . Meinhold vollzieht denn auch diese Umwandlung und versichert , » daß er beim Lesen dieser Lehninschen Weissagung die Schauer der Ewigkeit gefühlt habe « . So weichen selbst protestantische Beurteiler im einzelnen und gelegentlich auch im ganzen voneinander ab . Es wird also schwerlich jemals glücken , aus dem Geist und Inhalt der Prophezeiung , wie so vielfach versucht worden ist , ihre Unechtheit zu beweisen . Diese Dinge appellieren an das Gefühl , und bei dem poetischen Geschick , das aus dem Vaticinium unverkennbar spricht , empfängt dieser Appell keine ungünstige Antwort . Es ist nicht zu leugnen , daß , wenn man Geist und Ton der Dichtung durchaus betonen will , beide mehr für die Echtheit als gegen dieselbe sprechen . Beispielsweise die Schlußzeilen : Endlich führet das Szepter , der der Letzte seines Stammes sein wird , Israel wagt eine unnennbare , nur durch den Tod zu sühnende Tat , Und der Hirt empfängt die Herde , Deutschland einen König wieder . Die Mark vergißt gänzlich aller ihrer Leiden Und wagt die Ihrigen allein zu hegen , und kein Fremdling darf mehr frohlocken , Und die alten Mauern von Lehnin und Chorin werden wieder erstehn , Und die Geistlichkeit steht wieder da nach alter Weise in Ehren , Und kein Wolf stellt mehr dem edlen Schafstalle nach . Selbst diese matte Übersetzung der volltönenden Verse des Originals hat noch etwas von prophetischem Klang . Die Frage wird nicht aus dem Inhalt , sondern umgekehrt einzig und allein aus der Form und aus äußerlich Einzelnem heraus entschieden werden . Guhrauer hat zuerst darauf aufmerksam gemacht , daß sich in der Weissagung ( Zeile 63 ) das Wort » Jehova « vorfinde , und hat daran die Bemerkung geknüpft , daß dieser Ausdruck » Jehova « anstelle des bis dahin üblichen » Adonai « überhaupt erst zu Anfang des sechzehnten Jahrhunderts gebräuchlich geworden sei . Bis dahin habe man den Ausdruck oder die Lesart » Jehova « gar nicht gekannt . Ist diese Bemerkung richtig , so ist sie mehr wert als alle andern Halbbeweise zusammengenommen . Gleichviel indes , ob richtig oder nicht , der Weg , der in dieser Guhrauerschen Bemerkung vorgezeichnet liegt , ist der einzige , der zum Ziele führen kann . Nur Sprachforscher , Philologen , die , ausgerüstet mit einer gründlichen Kenntnis aller Nuancen mittelalterlichen Lateins , nachzuweisen imstande sind : » dies Wort , diese Wendung waren im dreizehnten Jahrhundert unmöglich « , nur sie allein werden den Streit endgültig entscheiden . Das Resultat einer solchen Untersuchung , wenn sie stattfände , würde lauten : » unecht « . Darüber unterhalte ich , so wenig ich mich mit den bisherigen Verwerfungsbeweisen habe befreunden können , nicht den geringsten Zweifel . Aber auch der gegenteilige Beweis würde das alte Interesse an dieser Streitfrage nicht wiederbeleben können . Denn die Ereignisse haben mittlerweile die Prophezeiung überholt . Seit der Thronbesteigung Friedrich Wilhelms IV. ist sie falsch geworden , gleichviel ob sie echt ist oder nicht . Diesen Unterschied zwischen » unecht « und » falsch « ziemt es sich durchaus zu betonen . Schon Guhrauer hat sehr richtig darauf aufmerksam gemacht , daß der Text der Prophezeiung echt und die Prophezeiung selber doch eine falsche , d.h. eine unerfüllt gebliebene sein könne . » Eine unerfüllt gebliebene – so fügt er hinzu – gleich so vielen anderen falschen Prophezeiungen , deren Authentizität von niemand bezweifelt worden ist . « Friedrich Wilhelm III. war bereits der elfte Hohenzoller nach Joachim I. ; der Zeiger an der Uhr ist über die verhängnisvolle Stunde ruhig hinweggegangen , die Hohenzollern leben und nur die Weissagung , echt oder nicht , ist tot . Spandau und Umgebung Kloster Chorin Kloster Mariensee Kloster Mariensee Kloster Chorin trat nicht gleich als es selbst ins Dasein , sondern ging vielmehr aus einer früheren , an anderem Orte gelegenen Anlage hervor . Es scheint geboten , auch bei dieser Vorgeschichte , die wenig bekannt ist , zu verweilen . Kloster Chorin , ehe es diesen seinen Namen annahm , war Kloster Mariensee . Die Stelle , wo letzteres stand , war lange zweifelhaft . Die Urkunden sagten freilich deutlich genug : » auf der Ziegeninsel im Paarsteiner See « ; aber der Paarsteiner See hatte zwei Inseln , von denen – wenigstens in den Nachschlagebüchern – keine mehr den Namen » Ziegeninsel « führte . Die eine hieß , in eben diesen Büchern , der » Paarsteiner Werder « , die andere der » Pehlitzer Werder « . Nachfragen am Paarsteiner See selbst indes , die ich anstellen durfte , haben die Streitfrage schnell entschieden . Der » Pehlitzer Werder « heißt im Volksmund an Ort und Stelle noch immer die Ziegeninsel , und wenn dennoch ein leiser Zweifel bliebe , so würde derselbe durch die Kirchentrümmer beseitigt werden , die , unverkennbar auf eine Klosteranlage deutend , bis diesen Augenblick noch auf dem » Pehlitzer Werder « – in alten Urkunden Insula Caprarum – angetroffen werden . Diese Ziegeninsel liegt am Südende des Sees und ist Privateigentum , etwa wie ein eingezäuntes Stück Grasland , weshalb man auch nur vom gegenüberliegenden Amtshof aus die Überfahrt nach derselben bewerkstelligen kann . Die Erlaubnis dazu wird gern gewährt . Früher , wenn die Tradition