lauteres Lesen und trug vor : - - » Und da wir Leute von Westerhof doch wenigstens bei unserer gnädigsten Gutsherrschaft verbleiben werden und keine Gefahr ist , bei der großen und bevorstehenden Umänderung der Verhältnisse mit den andern Gütern an die fremde Linie zu kommen , so stehen wir auch für unsere Rechte und Pflichten ein . Wenn auch hochgräfliche Gnaden sollten den Schleier nehmen und ihr gottseliges , wunderbares Leben im Kloster zu beschließen wünschen , so hat uns Herr von Hülleshoven doch versichert , daß er die Verwaltung wie bisher fortführen und sorgen würde , daß rechtgläubige Seelen hier an ihrem ewigen Heil keinen Schaden nehmen . ( So ? - unterbrach sich der Lesende - dafür kann der Herr von Hülleshoven sorgen ? ) Auch hat der Herr Referendar Benno von Asselyn alles geordnet , was bei diesen Aenderungen sowol der Landschaft wie der Kirche an Rechten vorbehalten bleiben muß , selbst bis auf das Waldleseholz in dem von Herrn Thiebold de Jonge verkauften Walde , wo Herr von Terschka sich bereit fanden zur Abkaufung mit einer namhaften Summe ein für allemal , die nun unsern Armenkassen zugute kommt . Herr von Asselyn hat im Namen des Herrn Oberprocurators Nück nicht nachgelassen , daß der Finkenhof nach wie vor 47 Thaler 20 Groschen 7 Pfennige jährlich an das Rochusspital in Witoborn zu entrichten hat , was Finkenmüller nicht auftreiben kann , wenn ihm der Tanz abgesagt wird - « Aha ! Da platzt die Bombe ! schloß vorläufig der Pfarrer und stocherte die Zähne . Ja , das kann ich nicht ! polterte der Finkenmüller seine so lange verhaltene Stimmung rundweg und bestimmt heraus ... Müllenhoff las wieder für sich und langsamer . Er stopfte sich dabei in aller Gemüthlichkeit eine Pfeife , während der Bogen auf dem Tische lag und von seinen feurig lebendigen Augen in weitester Distanz gelesen wurde ... » Fünftens , begann er dann wieder , ist der Pfaffe von Ystrup ein Lieblingstanz der Leute , der seit hundert Jahren hier zu Land getanzt wird . Sechstens sind die Jünglings- und Jungfrauenbündnisse schon deshalb eine reine Unmöglichkeit , weil jedes Gemeindeglied nicht blos einer , sondern schon mehreren Bruderschaften angehört und - mit der größten Ruhe zog Müllenhoff schon den Rauch seiner Pfeife an - der Fleiß und die Arbeit schon genug darunter leiden . Siebentens wollen die Musikanten auch leben und fallen sie , wenn sie nahrungslos sind , der Gemeinde zur Last . Achtens bitten wir , den buckeligen Stammer vom Kirchenbann zu befreien , damit - wieder that er einige Züge - der Krüppel sich sein Brot verdienen kann , seitdem er von Schloß Neuhof weggejagt und nun eigentlich hierher gehört , wo er geboren ist . Neuntens bitten wir , nicht immer die Frau Schmeling ungebührlich auf der Kanzel zu nennen ( jetzt stellte Müllenhoff die Pfeife als verstopft hinweg : diese Hebamme reizte ihn am meisten ) , da die Frau ehrlich ist und alle , die hier leben , durch sie in die Welt gekommen sind ! Zehntens ersuchen wir den Herrn Pfarrer , unter allen Umständen auch ins Rügengericht und den Kirchenconvent zu treten , damit wir von dieser ganzen neuen Reformation nicht den Aerger allein haben . « Ist das nun alles ? sagte Müllenhoff und holte sich aufs neue die Pfeife , die er wieder anzündete . Ja ! war die einstimmige Antwort der Männer ... Sie lautete fest , aber doch treuherzig . Und durcheinander gingen die Versicherungen der sich Erhebenden , daß sie alle in Güte und in bester Hoffnung auf ein schönes Zusammenwirken und kräftiges Zusammenleben hierher gekommen wären ... Ruhe ! sprach Müllenhoff mit aller Fassung , machte sich einen Fidibus , zündete wieder an und fuhr dann in den Intervallen des Rauchens fort : Daß ich mich nur nicht vergriffen habe und da euere Staatsschrift nahm - ? Nein ! Gott sei Dank ! Na , setzt euch jetzt wieder ! Also das ist denn nun auch etwas , dergleichen zu erleben in einer Zeit , wo die Gesalbten des Herrn in Kerkern schmachten , der Heilige Vater in Rom auf die Treue seiner Kinder zählt und diese Herrschaften hier in die Hände der Ungläubigen kommen sollen ! Nicht Westerhof ! - fiel man einstimmig auf den sich fast für überwunden gebenden Ton des Pfarrers ein ... So ! entgegnete Müllenhoff und zog den Brand seiner Pfeife an . Männer , ihr redet , wie ihr ' s versteht ! Geht die Comtesse ins Kloster , wie lange macht denn der Herr von Hülleshoven noch , der - für euere Seelen gutsagen will ? Wird ihn nicht der Aerger um seinen Bruder und die Schwägerin , die hierher ziehen und sich gegenseitig zum Tort leben wollen , schon unters Grab bringen ? Wer bürgt uns , daß sich die Zustände hier über Nacht nicht sämmtlich ändern ! Leute , Leute , nehmt ein Beispiel - an den Vornehmen selbst ! Wißt ihr ' s denn nicht schon ? Vierundzwanzig steinreiche Herren und Damen wollen sich jetzt einschließen und vierzehn Tage lang nichts thun , als hier fasten und beten ! Herr Pfarrer , die , die nicht zu arbeiten brauchen , die können das - wollte der Moorbauer einschalten und that es auch halb ... Bitte - ! unterbrach Müllenhoff , als wenn er denn doch allein jetzt das Wort hätte ... Der Moorbauer schwieg und blickte scheu zu Boden ... Vom Tanz - fuhr Müllenhoff fort mit wechselnden Zügen aus der Pfeife - vom Tanz kommt alles Elend der Gemeinden her ! Herr Gott im Himmel , sollte man glauben , daß in einem Lande wie dem unserigen , wo die Schüler der Apostel selber gewandelt sind und wo wir bis auf den heutigen Tag den Ruhm behauptet haben , uns Gottes Augapfel nennen zu dürfen von wegen unsers Zusammenhaltens gegen Ketzer und Ketzergenossen , doch das tollste und lustigste Leben sich erhält und die Schenken nicht