Welche Entscheidung Sie auch treffen , theure Gräfin , denken Sie , daß meine sorglichsten Wünsche , meine Gebete für Ihre Erleuchtung und für Ihren Frieden Sie immer und überall begleiten . « Und er sagt mir nicht , wohin er geht ! rief sie , während die lange zurückgehaltenen Thränen ihr über die Wangen rollten . Er sagt mir nicht , wohin er geht ! wiederholte sie im Tone des bittersten Schmerzes , und ohne auf Renatus noch zu achten , verließ sie mit raschem Schritte das Gemach . Vierzehntes Capitel Vierundzwanzig Stunden nach dieser Unterredung waren die großen äußeren Thüren des herzoglichen Palastes , die gastlich offen standen , wenn die Herrschaft anwesend war , geschlossen . Die Dienerschaft zog an den Fenstern , welche nach dem vorderen Hofe gelegen und zum Theil in den oberen Stockwerken von der Straße aus sichtbar waren , die Gardinen zu und ließ die hölzernen Vorhänge herunter . In dem stillen , nach dem Garten hinaussehenden Schlafzimmer der Herzogin wachte man an dem Lager der Greisin , deren feste Natur diesem Stoße sich doch nicht gewachsen gezeigt hatte . Der Arzt , den man herbeigerufen , als die Herzogin vom Hofe gekommen war , hatte ihren Anfall für einen Herzkrampf , ihren Zustand bei ihren hohen Jahren für sehr bedenklich erklärt . Es konnte von ihrer Abreise die Rede nicht sein , obschon sie darauf bestand , dem Könige auch in dem Befehle , den er ihr im Zorne gegeben hatte , pünktlich zu gehorsamen . Man mußte also auf ihre Anordnung dem Palais wenigstens das Ansehen geben , als habe sie es verlassen , und selbst ihrem alten Freunde und dem Prinzen , die gekommen waren , nach ihr zu fragen , verweigerte man auf ihren ausdrücklichen Befehl den Zutritt zu ihr . Sie mochte sich in der Ungnade , die sie getroffen hatte , von Niemandem sehen , von Niemandem beklagen lassen . Sie versagte Anfangs sogar , Arzenei und Speise zu nehmen ; man war übel mit ihr daran . Eleonore war mit Tagesanbruch abgereist . Sie hatte noch an dem verwichenen Abende einen Paß für sich und ihre Bedienung gefordert , und da der englische Gesandte , ein Freund ihrer verstorbenen Mutter , von dem Vorgange im Schlosse Zeuge gewesen war , hatte er sich selbst noch zu ihr begeben und ihr seine Dienste angeboten , falls sie irgend eines Rathes oder Schutzes bedürftig sei . Er hatte sich bei der Gelegenheit die Frage erlaubt , ob ihr Verlobter ihr bald nach England folgen werde , ob sie ihn später nach Deutschland zu begleiten gedenke , und gleich unfähig , sich der Unwahrheit anzuklagen , wie eine Aeußerung zu thun , die ein falsches Licht auf Renatus werfen konnte , hatte sie dem Gesandten ohne alle Erläuterung erklärt , daß von einer Verbindung zwischen ihr und dem Freiherrn nicht mehr die Rede sei . Das hatte ihre Lage noch verschlimmert , und nicht nur in den Sälen des Faubourg Saint Germain , sondern auch in den Kreisen , die dem Hofe nahe standen , boten die Ungnade , in welche die Herzogin von Duras gefallen war , und die Verweisung der bis dahin so gefeierten Gräfin Haughton in den nächsten Tagen und Wochen den Gegenstand der Unterhaltung , den Stoff für die abenteuerlichsten Vermuthungen dar . Renatus spielte in denselben bald diese , bald jene Rolle . Die Einen behaupteten , die Gräfin habe in Bezug auf ihn Entdeckungen gemacht , die ihm zur Unehre gereicht und sie bewogen hätten , ihre Verlobung mit ihm zu lösen ; Andere wollten wissen , daß der Freiherr hinter einen Liebeshandel der Gräfin gekommen sei , dem er habe zum Deckmantel dienen sollen , und die Zahl derjenigen , welche diese Meinung aufrecht erhielten , wuchs mit jedem Tage . Man sprach davon , daß sie seit ihrer Kindheit einen Sohn ihrer Amme , dem man eine gewisse Erziehung gegeben hatte , zu ihrem Diener gehabt habe . Man erinnerte sich , daß derselbe ein schöner Mensch gewesen sei , daß die Gräfin ihn immer mit Auszeichnung behandelt und ihn auch jetzt wieder mit sich genommen habe , obschon eben in diesem Augenblicke ein älterer Diener eine passendere Begleitung für sie gewesen sein würde . Wenn gegen solche Gerüchte sich auch die Stimme der Personen , die Eleonoren nahe gestanden hatten , mit Entschiedenheit und mit Entrüstung auflehnte , so gingen doch manche üble Andeutungen über sie durch die Presse in die Oeffentlichkeit über , und es waren , sonderbar genug , gerade die frömmsten Matronen , die vornehmen Frauen , welche denselben geistlichen Berather mit der Herzogin hatten , von denen jene böswilligen Gerüchte ihren Ausgang hatten und ihre Bestätigung erhielten . Der Abbé von Montmerie ward bei diesem Anlasse nur in so fern genannt , als man sich wunderte , wie ein Mann von seiner Menschenkenntniß sich über den wahren Werth und über die Bedeutung eines jungen Frauenzimmers wie die Gräfin so völlig habe täuschen können . Als man des Ereignisses einmal zufällig selbst vor dem Erzbischof erwähnte , meinte derselbe , daß gerade der hohe und nur auf das Große gerichtete Sinn des Abbé ' s das Geringe am leichtesten habe übersehen können und daß eine so erhabene Seele wie die seinige am wenigsten dazu geneigt gewesen sei , das Unedle in Anderen vorauszusetzen . Er beklagte den Abbé wegen dieser übeln Erfahrung , freute sich , daß derselbe eben jetzt zufällig von Paris entfernt sei und daß es ihm also erspart werde , ein ohnmächtiger Zuschauer bei so schmerzlichen Ereignissen in dem ihm eng befreundeten Hause zu werden , und als die Anwesenden dem Herrn Erzbischof in dem günstigen Urtheile über den Abbé von Herzen beistimmten , als die Frauen sich sammt und sonders mit tugendhafter Entrüstung gegen Eleonore erhoben , forderte das milde Herz des Kirchenfürsten Nachsicht auch für die Verirrte . Er gab es zu bedenken , daß die Gräfin in einem unruhigen Reiseleben erzogen