nich ? Eenen eenzigen Blick - und ob Sie zehn Schleiers hätten , ick kenne meine Leute wieder . « Die Geängstigte stammelte : » Was wollen Sie von mir ? - gehen Sie ! « » Aha ! « schluchzte das Weib , die in ihrem Rausch jetzt anfing , die Gekränkte zu spielen ; » sehen Sie , nu kommt man die Erinnerung . Der arme Wurm , ick hatte ihn so lieb und hätt ' ihn niemals nich von mir jejeben , wenn mir nich der Neid anjeschwärzt bei die Polizei von wejen die Jöhre mit die Masern , Sie wissen ' s schon , da im Korbe , und der Kummissarius mich die Kinder verboten hätte . Aber ich habe noch eene Rechnung für Extra-Milch und Medicin - die Zeiten sind schlecht - Drei Thaler und zehn - nee , zwanzig Iroschens - Ihr Amant war mir wegjeblieben und ick halte mir an Sie ! « Die Dame war mehr todt wie lebendig , fliegende Röthe und Blässe wechselte mit Gedankenschnelle auf ihrem schönen Gesicht , während ihr Auge ängstlich in der Ferne suchte . » Um Gotteswillen , Frau - ich habe kein Geld bei mir - Sie sollen mehr als das haben , nur machen Sie jetzt kein Aufsehen . « » Nee , ick kenne die Vornehmen - daruf läßt sich die Müllendorfern nich fangen . « » Heute Abend - 10 Uhr , am potsdamer Thor links - ich komme bestimmt . « In dem Augenblick drängte sich der Journalist durch einige Neugierige , die sich bereits um die Scene sammelten , deren Schauplatz zum Glück etwas abseits und durch einen Vorsprung vom Menschenstrom gesondert war . » Gnädige Gräfin , ich bitte , meinen Schutz zu genehmigen . « » Befreien Sie mich von dieser Frau , mein Herr - um Gotteswillen - beruhigen , befriedigen Sie sie , oder ich bin verloren ! Mein Gemahl kommt ... « Der Journalist winkte dem Freunde . » Geben Sie schnell dieser Frau das Geld , was sie verlangt , lieber Koch . « Er bot der Dame den Arm und führte sie dem herbeikommenden Grafen entgegen . Dieser war eine große , hagere Gestalt , schon über die Mitte des Lebens hinaus - ein kaltes graues Auge - ein hochmüthiges , etwas abgespanntes Gesicht . » Was hatten Sie da , meine Liebe ? ich sah Sie von Leuten umringt und beeilte mich - dieser Herr ... « » Dieser Herr , « sagte die Gräfin mit gewaltsamer Fassung , » hat mich aus einer großen Verlegenheit befreit , in die Sie mich durch Ihr Alleinlassen gebracht . Eine unverschämte Bettlerin belästigte und insultirte mich . « Der Graf verbeugte sich mit süßlich kaltem Lächeln gegen den Zurückgetretenen und griff nach seiner Börse . » Ich bin Ihnen sehr verbunden - Sie haben für meine Gemahlin eine Auslage gemacht - darf ich bitten - « Die Gräfin legte erröthend rasch die Hand auf den Arm ihres Gemahls und der Schriftsteller , dem bereits eine spitzige Antwort auf der Zunge saß , hörte , wie sie ihm das Wort : » die Karte ! « zuflüsterte . » - um Ihren Namen ? « beendete der vornehme Herr seine Rede . Jener nahm schweigend die Karte aus dem Portefeuille und übergab sie mit einer kalten Verbeugung . Der Graf hielt die Lorgnette an ' s Auge und las den Namen . » Ah ! Herr Walther , es freut mich , bei der Gelegenheit Sie kennen zu lernen , habe von dem Namen viel gehört ; gehören ja gewissermaßen zu uns . Ich hoffe , Sie bei mir zu sehen . Leben Sie wohl indeß , mein Lieber . « Die Gräfin saß bereits in der glänzenden Equipage - ein flehender dankender Blick der schönen Frau traf ihn , während ihr Gemahl einstieg , und deutete dann rasch nach der Gegend , wo sie jenes drohende Weib verlassen hatte . Der Journalist verstand , seine Augen senkten sich zusagend , eine wiederholte Verbeugung und dahin rollte der Wagen . Als er zurückkam zu der Gruppe um den Marketenderkarren , sah er voll Verdruß und Besorgniß , daß der Winkelconsulent mit dem bleigrauen Gesicht sich herangemacht hatte und mit dem Weibsbild eine Unterhaltung pflog . Sein Hinzutreten scheuchte Jenen zwar hinweg , aber er bemerkte wohl , wie er fortfuhr , sie aus der Ferne zu beobachten , und von dem Freunde erfuhr er , daß der Bleifarbene , während jener dem Weibe fünf Thaler gab , auf die sie ihre offenbar aus der Luft gegriffenen Ansprüche steigerte , unter dem Vorwande , einen Kümmel zu trinken , hinzugetreten war und allerlei neugierige Fragen über ihr Gespräch mit der Dame an sie gerichtet hatte . » Seine Schurkenseele , « sagte verstimmt der Journalist , » wittert ein Geheimniß , durch dessen Kenntniß er eine Familie bedrohen und im Trüben fischen zu können hofft . Es muß hintertrieben werden . « » Ich stelle mich gern zu Ihrer Disposition . Die arme Frau that mir in der Seele leid . « » Gut , so nehme ich Ihre Güte für einen Weg zu Fuß in Anspruch , statt daß wir fahren . Ich kenne zufällig Einiges aus dem Leben jener vornehmen Dame , und dies giebt mir ein trauriges Licht zu der erlebten Scene . « » Darf ich das Einige wissen ? « » Warum nicht ? Sie sind ja fremd hier und vergraben morgen schon die kurze Mittheilung in die weiten Steppen Rußlands . Die Dame ist die Tochter einer unserer ältesten Familien , ihr Vater war ein vielgenannter Staatsmann , aber die Lenkung der öffentlichen Angelegenheiten ließ ihm wenig Zeit , sich um das Vertrauen seines einzigen Kindes zu kümmern . Stolz und Koketterie ließen ihn und die Tochter in der Jugend manche Partie ausschlagen , vielleicht suchte sie auch Besseres , als eine Convenienz-Heirath . Die Jahre vergingen - sie