man ohne ihre Zustimmung über sie hatte entscheiden wollen , hatte sie in Bezug auf den Freiherrn das Nämliche gethan , und ihre Worte machten das Uebel ärger . Renatus war einen Augenblick ohne jede Fassung . Es war ihm , als würde er auf einem Rade wild umher getrieben , daß er nicht wußte , was er erlebte , was er dachte . Das schönste Weib , welches seine Augen je gesehen , eine Frau , um deren Gunst die ausgezeichnetsten Männer sich bis jetzt vergebens beworben hatten , trug sich ihm an . Er brauchte nur Ein Wort zu sprechen , und er nannte Eleonoren mit ihrem ganzen fürstlichen Besitze sein . Indeß sein Mannesgefühl lehnte sich gegen ihre Gewaltsamkeit auf . Er konnte es ihr nicht vergeben , daß sie ihn vor dem Könige und vor dem Hofe in eine Angelegenheit verwickelt hatte , in der er sie bloßzustellen , oder sich einer übelwilligen Beurtheilung Preis zu geben gezwungen war , und wie unheilvoll ihre Lage , wie beklagenswerth sie ihn auch dünkte , konnte er doch nichts thun , sie aus dem Wirrsale zu befreien , in das ihre vorschnelle Entschlossenheit sie gestürzt hatte . So verging eine ganze Zeit . Immer noch stand er sprachlos vor ihr , aber jede Secunde längeren Schweigens änderte sein Empfinden und seine Gedanken . Was ihn zuerst als eine Gewaltthätigkeit bedünkt , gegen die er sich zu wahren hatte , erschien ihm bald darauf als ein Zeichen des Vertrauens , auf das er stolz sein müsse und dem von seiner Seite bisher nicht entsprochen zu haben er sich bitter vorwarf . Wie hatte die Gräfin ahnen können , daß er gebunden war ? Wie anders würde diese Stunde für ihn geschlagen haben , wäre er frei gewesen , hätte er Eleonoren zu Füßen sinken und ihr danken dürfen , daß sie ihm vertraute ! Eben erst hatte er ihr zürnen zu müssen geglaubt , nun sagte er sich , daß sie Grund habe , ihm zu zürnen , und wie er in ihr schönes , bleiches Antlitz sah , dessen mächtige Augen mit angstvoller Frage an ihm hingen , da hielt er sich nicht länger , und von einem Schmerze überwältigt , den er sich nicht zu erklären wagte , rief er : Eleonore , Sie und mich habe ich betrogen und elend gemacht ! Aber ich bin elender , als Sie - denn ich verliere Sie , und Sie werden mich verachten ! Ihre Arme sanken schlaff herab . Sie sind vermählt ? sprach sie klanglos . Er schüttelte verneinend das Haupt . Nein , nein ! rief er , aber ich habe mich seit Jahren meiner Jugendgespielin , der Gräfin Rhoden , anverlobt ! Ihr Blick blieb lange auf ihm haften , als wolle sie zu verstehen suchen , wie eben er sie habe täuschen können . Gebrochen , wie sie sich fühlte , fühlte auch Renatus sich . Sie schwiegen beide , bis Eleonore endlich fast tonlos die Frage hinwarf : Ich habe Sie seit zwei Jahren meinen Freund genannt - was bewog Sie , mir Ihre Verlobung zu verschweigen ? Es lag etwas Furchtbares in der Ruhe , mit welcher sie zu ihm redete . Er hörte es an ihrem Tone , er las es in ihren Mienen , daß sie mit ihrem ganzen Schicksal abgeschlossen habe , daß sie nur noch zu verstehen trachte , wie Alles eben so gekommen sei , und weil er sich ihre offenbare Verzweiflung nicht anders zu erklären wußte , drängte sich ihm der Glaube auf , Eleonore liebe ihn , um seinetwillen habe sie die Hand des Prinzen ausgeschlagen , und sein Geständniß sei es , das sie also beuge . Das überwältigte ihn , und als zerrisse ein Schleier vor seinen Augen , als sähe er sich zum ersten Male im vollen Lichte der Wahrheit , so daß es ihn zwinge , auch völlig wahr gegen sich und Andere zu sein , flehte er : Hören Sie mich , Eleonore ! Sie sollen Alles wissen - alles , alles , was ich mir selber nicht einzugestehen wagte . Ja , ich bin verlobt - aber diese Verlobung war eine Uebereilung , war ein Irrthum , den ich oft bereute ! Ich war kaum aus dem Vaterhause , kaum aus der Aufsicht meines Erziehers gekommen , ich kannte die Welt , mich selbst noch nicht ! Je älter ich wurde , je länger ich von meiner Braut entfernt war , je mehr erblaßte ihr Bild in meiner Erinnerung , und seit ich Sie sah , Eleonore , seit ich Sie kennen lernte .... Er brach plötzlich ab , überwand sich aber und sagte nach kurzem Schweigen : Meine Braut ahnte , fühlte , daß ich für sie erkaltet war , ihre Briefe peinigten mich , ich suchte sie zu vergessen , um nicht in dem Glücke gestört zu werden , das ich in Ihrer Nähe fand und das , wie ich meinte , nicht lange dauern konnte . Ihnen , der Selbstgewissen , hätte ich es am wenigsten gestehen mögen , daß ich leichtsinnig über mein Leben entschieden hatte ! Ich schämte mich vor Ihnen meiner Unbesonnenheit , so oft ich Ihnen davon sprechen wollte , ja selbst wenn je zuweilen der Gedanke in mir rege wurde , jenes Band zu lösen und an Ihr Urtheil mich zu wenden , ob ich es lösen dürfe , sagte ich mir , daß Sie den Mann nicht achten könnten , der erst von Ihnen sich sagen lassen müsse , ob er verpflichtet sei , das Wort zu halten , mit welchem er eines edlen Mädchens Leben an sich gekettet , mit dem er ihm seine Zukunft verpfändet habe ! Eleonore setzte sich nieder und stützte ihre Stirn gegen die zusammengeballte Hand . Renatus stand vor ihr und sah mit unbeschreiblichem Schmerze auf sie nieder . Da sie sich nicht regte , fing er noch einmal zu sprechen an . Er