ich sei zu jeder wilden Polterabendstimmung gut genug ? « Sie stampfte mit dem Fuß und schüttelte die geballten Hände in der Luft hin und her , während ein Weinen wie ein langer Wehlaut aus ihrer Kehle drang . » Um Gottes willen , Mädchen ! « sagte Fritz leise und zornig , » gebärde dich doch nicht so ! Ich habe dir doch in frühern Zeiten manchen Kuß gegeben . Warum hast du dich nicht gewehrt , wenn es dir nicht recht war ? « Sie flüchtete in den Schatten eines Baumes und drückte den Kopf gegen seine kühle Rinde . » Ich bin ja unsinnig , ich weiß es ja , « stieß sie leidenschaftlich hervor . » Ich bin einmal ein unglückliches Geschöpf . Nimm mich nur , wenn du mich nehmen willst , ich wehre mich ja nicht . – Siehst du , da bin ich ! « Sie wendete sich mit einem hastigen Ruck zu ihm , streckte ihm die Hände entgegen und zeigte ihm ihr blasses , tränenbetropftes und in Verzweiflung verzerrtes Gesicht . » Da bin ich , « flüsterte sie heiser , heiß und feindlich , » die Beute für einen jeden , der mich will . Hörst du denn nicht ? « Mit zusammengebissenen Zähnen , von denen die roten Lippen sich zurückgeschoben hatten , starrte sie ihn atemlos an . Fritz , plötzlich wieder ernst und ernüchtert , griff nach ihrem Handgelenk , schüttelte es derb , ohne jede Zärtlichkeit . » Bitte , komm zu dir , Hilde , aber schnell , hörst du ? Ich habe kein Wort verstanden von dem , was du redest ! Das laß dir gesagt sein . Für morgen ! « Sie stand , den Kopf tief gesenkt , wie ein gebändigtes armes Tier unter seiner scharfen Berührung . » Fritz , « klagte sie leise , » kannst du dir nicht denken , wie es in mir aussieht ? « » Nein , « sagte er hart . » Wie soll ich mich in eure hysterischen Schmerzen versetzen können ? Ich habe dich für ein verständiges Mädchen gehalten , und wenn ich dich nicht gern hätte , würde ich dich wohl auch nicht geküßt haben . Im übrigen sollst du in Zukunft nicht mehr über mich zu klagen haben . « Er verbeugte sich kurz und wies ihr mit einer Handbewegung den Vortritt , indem er zugleich andeutete , daß er sie durch seine Begleitung nicht belästigen werde . » Mama erwartet dich oben im gelben Salon . « Während Hilde , sich die Augen trocknend , unter den bunten , im Nachtwind schaukelnden japanischen Laternen dahineilte , war es ihr , als ob diese letzte Bemerkung ihres Vetters wie ein Befehl geklungen habe . ... Auch ihm bin ich weiter nichts als die arme Verwandte , die zu jedem Dienst bereit sein muß und sich noch freuen darf , eine gelegentliche Zärtlichkeit des jungen Herrn in Empfang zu nehmen , dachte sie in verzweifelter Verbitterung , und der nahe Abschied von Rauschenrode und von all den Menschen , die sie bisher geliebt hatte , dünkte ihr nun eine Erlösung aus unerträglicher Qual . Zwischen August und Debberitz bahnte sich allmählich eine große Verständigung an , die ihre Spitze gegen den Amerikaner richtete . So nannten sie Fritz unter sich . Die beiden hatten ihre Arbeitsgebiete getrennt und kamen dadurch naturgemäß weniger in Kollision , und seit August als Kapitalist durch das Vermögen seiner Frau an dem Unternehmen beteiligt war , begegnete ihm Debberitz einerseits mit größerer Hochachtung , anderseits kamen ihre Interessen sich dadurch in Wahrheit näher . Fritz hatte kein bestimmtes Feld der Tätigkeit . Er war überall und nirgends – aneifernd , treibend , auf Schäden und Schwierigkeiten hinweisend . So machte er sich oft genug bei beiden mißliebig . Alles ging ihm zu langsam , alle Berechnungen wurden ihm zu kleinlich und knauserig ausgeführt . All die tausend Rücksichten , die von den beiden andern genommen wurden , um wichtige Persönlichkeiten nicht zu verletzen , verhöhnte er als übertrieben und lächerlich . Ja , es war nicht zu leugnen , ein gewisses großsprecherisches Amerikanertum trat neuerdings in seinem Wesen mehr in den Vordergrund , ärgerte seine Familie und ließ die überschwengliche Dankbarkeit , mit der man ihn nach seinem ersten tatkräftigen Eingreifen überhäuft hatte , in den Hintergrund treten . Endlich kam es zwischen ihm , Debberitz und August zu einer heftigen Auseinandersetzung . Er forderte eine deutliche und klar abgegrenzte Stellung als dritter Leiter des Unternehmens . Er forderte ein bestimmtes hohes Gehalt und bedeutende Tantiemen . Das zu bewilligen war beiden Herren unbequem . Sie erklärten , daß die aus dem Unternehmen zu ziehenden Gewinne durchaus noch nicht so sicher seien , daß man außer den Dividenden , die man den Aktionären zu zahlen haben werde , sich auf ein hohes Gehalt für einen dritten Direktor einlassen könne . In der ersten Generalversammlung der Gesellschaft , die Anfang Oktober stattfand , unterstützten sie Fritz in seinen Forderungen keineswegs mit der Energie , die er erwartet hatte . Und so bewilligte man ihm denn nur die knappe Hälfte dessen , was er wünschte . Debberitz fügte dem mit ihm aufzusetzenden Kontrakt noch einen Paragraphen bei , in dem es der Gesellschaft gestattet war , ihn nach halbjährlicher Kündigung entlassen zu können . Fritz erklärte rundweg , auf diesen Kontrakt nicht eingehen zu können . Er stellte der Gesellschaft anheim , in einem halben Jahr , wenn die Sachen sich mehr geklärt haben würden , auf seine Ansprüche zurückzugreifen und sie in der nächsten Versammlung nachträglich zu bewilligen . Sonst würde er sich sofort von dem Unternehmen zurückziehen . Man nahm diesen Ausweg an , weil man allgemein die Empfindung hatte , daß man seine Tatkraft und seine Geschäftskenntnis jetzt nicht entbehren könne . Es wurden auch Stimmen laut , er werde wohl seine Ansprüche mit der Zeit noch herabschrauben und später besser mit sich reden lassen .