es zu wünschen scheint . “ „ Meinst Du , ich ließe mich so gänzlich von ihren Launen beherrschen ? “ In Reinhold ’ s Ton verrieth sich eine auflodernde Empfindlichkeit . „ Ich werde Dir wohl beweisen müssen , daß ich noch einen Entschluß ohne ihre Genehmigung fassen kann . Wir kommen , Cesario . Im nächsten Monate schon , ich verspreche es Ihnen . “ Ein Ausdruck heller Freude überflog das Gesicht des jungen Mannes bei dieser rasch und heftig gegebenen Zusage ; er wandte sich verbindlich zu dem Capitain . „ Rinaldo kennt mein Mirando hinreichend und hat es stets bevorzugt ; ich hoffe auch Ihnen , Signor , den Aufenthalt angenehm machen zu können . Die Villa liegt sehr schön , dicht am Meeresstrande – “ „ Und einsam , “ sagte Reinhold mit einem eigenthümlichen Gemisch von Schwermuth und Sehnsucht . „ Man kann da einmal wieder aufathmen , wenn man nahe daran ist , zu ersticken in der Salonatmosphäre . Die Gesellschaft geht zu Tisch , “ sagte er , dem Gespräch eine andere Wendung gebend , mit einem Blicke nach der Terrasse hinauf . „ Wir werden uns wohl den Uebrigen anschließen müssen . Willst Du Beatrice zur Tafel führen , Hugo ? “ „ Ich danke , “ lehnte der Capitain kühl ab . „ Das ist doch wohl Dein ausschließliches Recht . Ich möchte es Dir nicht streitig machen . “ „ Deine Unterhaltung mit ihr war ja auffallend kurz , so viel ich bemerken konnte , “ warf Reinhold hin , während sie zusammen die Treppe zur Terrasse emporstiegen . „ Was gab es denn zwischen Euch ? “ „ Nichts von Bedeutung . Ein kleines Vorpostengefecht , weiter nichts . Signora und ich haben gleich von vorn herein Stellung zueinander genommen . Du hast doch hoffentlich nichts dagegen ? “ Er erhielt keine Antwort , denn das Seidenkleid Signora Biancona ’ s rauschte bereits dicht neben ihnen , und in der nächsten Minute stand sie zwischen den Brüdern . Der Capitain verbeugte sich mit vollendeter Ritterlichkeit vor der schönen Frau . Es wäre in der That unmöglich gewesen , an der Art seines Grußes auch nur das Geringste auszusetzen , und Beatrice neigte [ 476 ] auch dankend das Haupt , aber der Blick , der dabei auf ihn niedersprühte , bewies hinreichend , daß auch sie bereits Stellung genommen hatte . In ihrem Auge flammte der ganze Haß der gereizten Südländerin , freilich nur einen Moment lang ; im nächsten schon wendete sie sich um und legte ihren Arm in den Reinhold ’ s , um sich von ihm in den Saal führen zu lassen . „ Mir scheint , das war nicht mehr und nicht weniger als eine Kriegserklärung , “ murmelte Hugo , indem er sich den Beiden anschloß . „ Wortlos , aber hinreichend verständlich ! Die Feindseligkeiten sind also eröffnet – zu Befehl , Signora . “ Marchese Tortoni hatte nicht so Unrecht mit seiner Bemerkung ; die Hitze begann sich trotz der frühen Jahreszeit schon sehr fühlbar zu machen . Zwar war die Saison noch nicht zu Ende , aber schon vertauschte manche Familie den Aufenthalt in der Stadt mit der gewohnten Villeggiatur im Gebirge oder am Meeresstrande , und die übrige Gesellschaft stand gleichfalls auf dem Punkte , sich früher als gewöhnlich nach allen Himmelsrichtungen zu zerstreuen , bis der Herbst sie wieder zusammenführte . In der Wohnung Signora Biancona ’ s hatte man noch keine Anstalten getroffen , die auf eine baldige Abreise schließen ließen , und doch schien von einer solchen die Rede gewesen zu sein in dem Gespräche , das soeben zwischen ihr und Reinhold Almbach stattgefunden hatte . Die Beiden waren allein in dem glänzend und prachtvoll erleuchteten Salon der Sängerin ; aber das schöne Antlitz Beatricens trug den Ausdruck einer unverkennbaren Aufregung . In die Kissen des Divans gelehnt , die Lippen zornig zusammengepreßt , zerpflückte sie achtlos eins der schönen Bouquets , die in reicher Fülle das Empfangszimmer der berühmten Künstlerin schmückten , während Reinhold mit finster umwölkter Stirn und verschränkten Armen im Zimmer auf- und niederging . Es bedurfte nur eines Blickes , um zu errathen , daß hier eine jener Sturmscenen stattfand , von denen Maestro Gianelli behauptete , daß sie zwischen den Beiden ebenso häufig seien wie der Sonnenschein . „ Ich bitte Dich , Beatrice , verschone mich jetzt mit ferneren Auftritten ! “ sagte Reinhold mit vollster Heftigkeit . „ Sie ändern nichts mehr an der einmal beschlossenen Sache . Marchese Tortoni hat mein Versprechen , und unsere Abreise nach Mirando ist auf morgen festgesetzt . “ „ Nun , so wirst Du dieses Versprechen zurücknehmen , “ entgegnete Beatrice in gleichem Tone . „ Du hast es ohne mein Wissen gegeben , schon vor Wochen gegeben , und doch hatten wir damals schon beschlossen , die diesjährige Villeggiatur im Gebirge zu nehmen . “ „ Gewiß ! Und ich werde Dich auch dort aufsuchen , sobald ich von Mirando zurückkehre . “ „ Sobald Du zurückkehrst ? Als ob Tortoni nicht wie gewöhnlich Alles aufbieten würde , Dich dort zu fesseln , und wenn Du nun vollends in Begleitung Deines Bruders gehst , so ist es wohl selbstverständlich , daß Du so lange , wie nur möglich , von mir ferngehalten wirst . “ Reinhold blieb plötzlich stehen , und ein finsterer Blick flog zu ihr hinüber . „ Willst Du nicht die Güte haben , dies bis zum Ueberdruß erschöpfte Thema endlich einmal bei Seite zu lassen ? “ fragte er scharf . „ Ich weiß bereits hinreichend , daß zwischen Dir und Hugo keine Sympathie besteht ; aber er verschont mich wenigstens mit Auseinandersetzungen darüber und verlangt nicht , daß ich seine Sympathien und Antipathien theile . Uebrigens wirst Du zugeben , daß er Dir gegenüber niemals den Cavalier verleugnet . “ Beatrice warf das Bouquet bei Seite und erhob sich . „ O gewiß , das gebe