des Baumes geschlungen hatte , zitterte leise , aber ihre Stimme klang vollkommen fest , als sie entgegnete : „ Ich erliege nicht so leicht einer einmal übernommenen Aufgabe , und was Dich betrifft , so glaubte ich in der That nicht , daß Du überhaupt eine Empfindung für das Peinliche dieses Zusammenlebens hättest . “ Sein Blick sprühte auf ; es war wieder jenes schnelle , blitzähnliche Aufleuchten , das in den braunen Augen kam und ging , ohne eine Spur zu hinterlassen ; sie waren matt und ausdruckslos wie gewöhnlich , als er nach einer kurzen Pause antwortete : „ Du glaubtest das in der That nicht ? So ? Nun , auf meine Empfindungen kommt es ja auch nicht an . Ich hätte diesen Punkt überhaupt nicht berührt , hätte ich nicht die Nothwendigkeit eingesehen , Dir die Beruhigung zu geben , daß unsere Verbindung gelöst werden soll , sobald es der Welt gegenüber nur irgend möglich ist . Vielleicht sehe ich Dich dann nicht mehr so bleich , wie in diesen letzten Tagen , und vielleicht glaubst Du mir nun auch , was Dir bisher immer noch als eine Lüge galt , daß ich keine Ahnung von jenen Machinationen hatte , die mir eine Hand erzwangen , welche ich freiwillig zu empfangen wähnte . “ „ Ich glaube Dir , Arthur “ sagte sie leise , „ jetzt glaube ich Dir . “ Arthur lächelte , aber es war ein Lächeln grenzenloser Bitterkeit , mit dem er diesen ersten Beweis des Vertrauens seiner Gattin empfing , in dem Momente , wo er sie aufgab . „ Der Nebel fängt an zu fallen , “ sagte er abbrechend , „ und auch der Sturm scheint sich für einige Minuten zu legen . Wir müssen das benutzen , um hinabzukommen ; unten im Thale sind wir geschützt und erreichen in wenigen Minuten den Pachthof , wo man uns hoffentlich einen Wagen leihen kann . Willst Du mir folgen ? “ Der Weg war steil und schlüpfrig ; aber Arthur schien heute nun einmal seine ganze Natur verleugnen zu wollen ; er schritt fest und sicher bergabwärts , während Eugenie in ihren dünnen Schuhen und langen Kleidern , durch den Mantel noch mehr in ihren Bewegungen gehindert , kaum vorwärts schreiten konnte . Er sah , daß er ihr zu Hülfe kommen mußte , aber mit einem bloßen Arm-bieten war es auf diesem Wege nicht gethan ; er mußte sie nothgedrungen umfassen , wenn die Hülfe überhaupt etwas nützen sollte , und das – ging doch nicht . Der Gatte scheute sich hier , seiner Gattin einen Dienst zu leisten , den er jeder Fremden geleistet hätte , und was jede Fremde unter diesen Umständen unbedenklich angenommen hätte , das zauderte die Frau hier von ihrem Manne anzunehmen ; sie bebte leise zusammen , als er nach kurzem Zögern schließlich doch den Arm um sie legte . Keines von Beiden sprach ein Wort während des ganzen nur etwa zehn Minuten dauernden Weges , aber Eugeniens Antlitz wurde immer bleicher bei jedem Schritt , den sie niederwärts thaten . Sie schien es nun einmal nicht ertragen zu können , daß dieser Arm sie umfaßte , daß sie sich auf diese Schulter stützen mußte , so nahe , daß sein Athem sie berührte ; und doch erleichterte er ihr das Peinliche der Situation so viel als möglich . Nicht ein einziger Blick fiel auf sie ; seine ganze Aufmerksamkeit schien auf den Weg gerichtet , der allerdings Sorgfalt und Umsicht genug erforderte , sollten sie nicht Beide hinabgleiten . Aber die Lippen des jungen Mannes zeigten trotz aller Ruhe doch wieder das verrätherische Zucken , und als er , unten angelangt , mit einem tiefem Aufathmen seine Frau aus den Armen ließ , da sah man deutlich , daß er bei dieser seltsamen Promenade nichts weniger als ruhig gewesen war . Zwischen den Bäumen hervor schimmerten bereits die Gebäude des Pachthofes , und hastig , als müßten sie um jeden Preis das fernere Alleinsein abkürzen , schlugen Beide den Weg dorthin ein . Ueber sie hin brausten die Frühlingsstürme , und oben auf der Höhe legte sich der Nebel wieder dicht um die Tanne am Saume des Waldes , die ihre Zweige schirmend über zwei Menschen ausgebreitet hatte in der Stunde , von der die Bergsagen erzählen : „ Was sich da findet , das gehört zusammen für immer , und was sich da trennt , das trennt sich für alle Ewigkeit ! “ [ 122 ] Herr Berkow war bereits am Nachmittage desselben Tages eingetroffen , an dem Arthur und dessen Gattin sich im Walde befanden , und hatte sie schon bei ihrer Rückkehr empfangen ; aber er schien diesmal nicht die ausgezeichnete Laune aus der Residenz mitgebracht zu haben , welche ihn bei seinem früheren Besuche beherrschte , als er in dem ersten Triumphe schwelgte , den die neue vornehme Verwandtschaft ihm in seinem eigenen Hause bereitete . Zwar war er auch jetzt wie gewöhnlich voll Artigkeit gegen seine Schwiegertochter , von unbegrenzter Nachsicht seinem Sohne gegenüber ; aber sein ganzes Wesen zeigte doch etwas Hastiges , Unruhiges und Zerstreutes , das sich schon im Laufe des ersten Abends verrieth und sich noch deutlicher kund gab am nächsten Morgen , als Arthur zu ihm in ’ s Zimmer trat und eine Unterredung mit dem Vater verlangte . „ Später , Arthur , später ! “ sagte er abwehrend . „ Quäle mich nur jetzt nicht mit Bagatellen , wo ich den Kopf voll der ernstesten Dinge habe ! Die Geld- und Geschäftsangelegenheiten in der Residenz haben mir endlose Verdrießlichkeiten bereitet ; alles stockt , alles bringt Verluste statt Gewinne und – doch davon verstehst Du ja nichts , interessirst Dich auch schwerlich dafür ! Ich werde die Sachen schon selbst wieder in ’ s Geleise bringen , aber ich bitte Dich , verschone mich nur jetzt mit Deinen Privatangelegenheiten ! “ „ Es ist keine Privatangelegenheit ; die Sache