schlüpfte an der Präsidentin vorüber und winkte Käthe verstohlen , ihr zu folgen . „ Diese Aufregungen tödten mich , “ flüsterte sie drüben im leeren Musikzimmer . „ Sei ruhig ! Flora kämpft vergeblich ; er zwingt sie doch zu seinen Füßen . “ sagte Käthe mit eigenthümlich erregter Stimme . „ Aber ihn begreife ich nicht . Wäre ich ein Mann wie er – “ sie richtete sich mit flammenden Augen hoch und stolz empor . „ Weißt Du , wie die Liebe tut , Käthe ? Richte nicht ! Du mit Deinem kühlen Blicke und blumenfrischen Gesichte bist noch unberührt von dem rasenden Rausche , der die Menschenseele erfaßt . “ Sie unterbrach sich und schöpfte tief und mühsam Athem . „ Du weißt ja nicht , wie hinreißend und verführerisch Flora sein kann , wenn sie will ; Du kennst sie nur in ihrer jetzigen nichtswürdigen Rolle , diese feige , selbstsüchtige , erbarmungslose Seele . Wer sie einmal Liebe gebend gesehen hat , der begreift , daß ein Mann eher den Tod sucht , als daß er sie aufgiebt . “ 9. Sie ging , ihr vernachlässigtes Amt am Theetische wieder aufzunehmen . Käthe aber blieb am Flügel stehen und blätterte in den Noten . Die letzten Worte Henriettens hatten sie tief bewegt . War verschmähte Liebe wirklich so seelenerschütternd , daß man um ihretwillen sterben möchte ? Und hatte sie diese tragische Gewalt auch über einen Mann wie Bruck ? Er verließ eben mit festen Schritten Flora ’ s Zimmer ; auch die Präsidentin rauschte eilig vorüber ; es hatten sich noch zwei ältere Damen im Salon eingefunden , welche sie begrüßen mußte . Die Thür nach dem Arbeitszimmer blieb nach wie vor offen ; jedenfalls wurde der fragliche Artikel konsequentermaßen beendet , denn nachdem auch Fräulein von Giese wieder herübergekommen war und sich abermals präludierend an den Flügel gesetzt hatte , wurde es ganz still drüben . Käthe verfolgte mit einem Seitenblick den Doktor , wie er den Salon durchschritt . Er trat an den Theetisch , um mit Henriette zu sprechen ; allein eine der neuangekommenen Damen hielt ihn fest und verwickelte ihn in ein Gespräch . Er war ritterlich verbindlich und sehr ruhig in seinen Geberden , aber Käthe hatte vorhin bei Flora ’ s malitiöser Antwort eine Flamme in seinen Augen lodern sehen ; er hatte jäh die Farbe gewechselt , und auch jetzt noch brannte ein erhöhtes Rot auf seinen Wangen – er war nicht so ruhig heiter , wie er zu sein schien . Und seine schöne Widersacherin drüben im roten Arbeitszimmer war es ebenso wenig ; schon nach fünf Minuten stieß sie hörbar ungeduldig den Stuhl zurück und kam herüber . „ Nun , Flora , schon fertig ? “ fragte das Hoffräulein und ließ die unermüdlichen Finger in Terzen über die Tasten laufen . „ Bah , glaubst Du , man schüttelt einen wirksamen Schluß nur so aus dem Aermel ? Ich bin eben nicht mehr aufgelegt , und ohne Inspiration schreibe ich nun einmal nicht ; dazu ist mir der Schriftstellerberuf zu heilig . “ Fräulein von Giese zwinkerte eigenthümlich boshaft mit den Augen ; sie hatte einen falschen Blick . „ Ich bin sehr gespannt , wie die Kritik Dein großes Werk ‚ Die Frauen ‘ aufnehmen wird . Du hast uns so viel davon erzählt . Hat der Verleger es angenommen ? “ Flora hatte das Augenspiel wohl bemerkt . „ Es wäre Euch schon recht , Ihr treuen Seelen , wenn es Fiasco machte – nicht wahr , Margarethe ? “ sagte sie beißend . „ Aber das Gaudium erlebt Ihr nicht ; das sagt mir mein – nun , mein kleiner Finger . “ Sie lachte leise und übermüthig , schüttelte die duftigen Löckchen aus der Stirn und schickte sich an , den Salon mit jener vornehmen Nachlässigkeit zu betreten , welche sie wie eine stolze Fürstin anzunehmen wußte . „ Kind , Du stehst ja da , mit dem Notenhefte in der Hand , als wolltest Du auch unsere Ohren in Anspruch nehmen , “ sagte sie im Vorübergehen zu Käthe mit spöttischem Tone und einem sprechenden Seitenblicke nach der emsigen Clavierspielerin . „ Singst Du denn ? “ Käthe schüttelte den Kopf . „ Das müßte ein Sommer ’ s-Erbtheil sein ; unsere Familie hat keine Singstimmen . “ „ Ja , Flora , Käthe treibt Musik , “ rief der Kommerzienrat herüber . Er sprach mit einem Herrn in der Nähe der Thür und trat jetzt näher . „ Ich weiß es aus den Rechnungsbelegen der Doktorin . Viel Geld , Käthe ! Ich habe es Dir schon sagen wollen : Du hast sehr theure Lehrer . “ Das junge Mädchen lachte . „ Die besten , Moritz . Wir in Dresden sind praktische Leute ; das Beste ist das Billigste . “ „ Nun , mir ist ’ s schon recht . Hast Du denn aber auch Talent ? “ fragte er in zweifelhaftem Tone ; „ die musikalische Begabung lag allerdings nicht in der Familie Mangold . “ „ Den Trieb wenigstens , “ versetzte sie einfach , „ und die Neigung , Melodien zu ersinnen . “ Flora , die eben auf die Schwelle des Salons trat , wandte sich überrascht um . „ Geh ’ doch , Käthe ! “ sagte sie hastig . „ Melodien ersinnen ! Du siehst mir danach aus mit Deinen roten Backen und Deiner Hausfrauenerziehung . Eine Polka oder ein Walzer läuft wohl Jedem , der gerne tanzt , einmal durch den Kopf – “ „ Und ich tanze leidenschaftlich gern , Flora , “ unterbrach Käthe sie heiter und aufrichtig bekennend . „ Siehst Du ? Wer wird sich da gleich den Anschein tiefsinniger Productivität geben ! Und darauf hin nimmst Du wohl gar Unterricht in der Komposition ? “ „ Ja , seit drei Jahren . “ Flora schlug die Hände zusammen und kam ganz erregt in