gleich darauf erheitert und rief nach seinem Pferde . Er ritt noch nach der Residenz , um den Spätabend und die Nacht dort zu verbringen . Eine Stunde später sagte er im adligen Kasino zu Freund Rüdiger : » Ich habe das große Los gezogen : Meine Frau singt nicht , malt nicht und spielt auch nicht Klavier , – Gott sei gedankt , ich werde nie durch Dilettantenaufdringlichkeit ennuyiert ! ... Sie sieht manchmal hübscher aus , als ich ihr anfänglich zugetraut ; aber sie hat keinen Esprit und nicht die geringste Neigung zum Kokettieren – sie wird mir nie gefährlich werden ... Bei weitem nicht so beschränkt , wie ich meinte , und viel weniger sentimental , denkt sie doch sehr langsam und wird ihre im Pensionate empfangenen Anschauungen mit der zähen Beharrlichkeit phantasieloser Menschen zeitlebens festhalten – desto besser für mich – Ihre Briefe an mich kann ich jetzt schon analysieren – steife Stilübungen einer ernsthaften Pensionärin mit Wirtschaftsberichten als Vorwurf – sie werden mir keine schlaflose Nacht verursachen ... Leo hat sich sehr an sie attachiert und lernt gut , und dem Onkel scheint sie zu imponieren durch ihre Ruhe , ihre natürliche Kälte und den Trachenbergschen Hochmut , den sie in geeigneten Momenten prächtig herauszukehren versteht – in vierzehn Tagen reise ich . « 11. Die Frau Herzogin hatte sich mit ihren beiden Knaben beim Hofmarschall angemeldet – das konnte nicht auffallen . Zu Lebzeiten ihres Gemahls hatte der Hof fast ganze Tage in Schönwerth verlebt ; denn der Hofmarschall stand hoch in Ehren und wurde stets mit Gnadenbeweisen überschüttet , als ein » in unerschütterlicher Treue ersterbender Anhänger « des herzoglichen Hauses . Selbst während des Trauerjahres , wo sich die hohe Frau mit musterhafter Strenge von allem fernhielt , was auch nur den leisesten Anstrich einer geselligen Vergnügung annehmen konnte , hatte sie auf ihren Spazierritten durch das Thal von Kaschmir öfter den Nachmittagskaffee im Schönwerther Schlosse eingenommen . Freilich war dabei ihr schönes Gesicht unter der schwarzen Krepprüsche stets wie in Leid versteinert erschienen , und selbst der Hofmarschall mit seinen geübten Höflingsblicke hatte sich allmählich der Ueberzeugung hingegeben , diese gebeugte Witwe müsse ihren Gemahl in der That innig geliebt haben . Während der Zeit vor und nach Mainaus Vermählung war sie nicht im Schlosse eingekehrt und hatte es bei einem hinübergesandten Gruß bewenden lassen , weil ja der alte Freund schlimmer als je von seiner Gicht geplagt wurde . Nun erschien eines Nachmittags Herr von Rüdiger und beglückte ihn mit der Nachricht , daß die kleinen Prinzen morgen , wie bisher jedes Jahr geschehen , sich höchst eigenhändig Frühtrauben und Zwergobst von den Spalieren im Schönwerther Schloßgarten zu pflücken wünschten ... Man saß gerade beim Dessert . Der Hofmarschall erhob sich wie verjüngt ; er lehnte seinen Krückstock in die Ecke und machte mit zusammengebissenen Zähnen und einem schielenden Seitenblicke nach dem Spiegel einen Gehversuch ohne Stütze bis nach dem nächsten Fenster ; von dort aus winkte er Liane zu sich und gab ihr Befehle für Küche und Keller . » Da haben wir ' s ! « sagte Mainau zu der jungen Frau – er war ihr gefolgt , als sie das Zimmer verlassen hatte . » Ich bin gern auf deinen Wunsch eingegangen , dich erst nach meiner Rückkehr vorzustellen ; nun zwingt dich die Herzogin , morgen vor ihr zu erscheinen . « Er zuckte mit einem schwer zu beschreibenden Gemisch von verhaltenem Lachen , geschmeichelter Eitelkeit und boshaftem Spotte die Achseln . » Da gibt es kein Ausweichen mehr . « » Ich weiß es , « erwiderte sie mit vollkommener Gelassenheit und zog ein Notizbuch aus der Tasche , um im langsamen Weitergehen die Befehle des Hofmarschalls flüchtig zu notieren . » Schön – deine Gemütsruhe in allen Lagen und Verhältnissen ist wahrhaft bewunderungswürdig . Nur auf eins möchte ich dich ein wenig aufmerksam machen – du erlaubst es wohl , Juliane ? Die Herzogin hat für allzu gesuchte Einfachheit in Toiletteangelegenheiten sehr leicht ein verwundendes Spottlächeln – deine Neigung – « » Ich hoffe , du traust mir so viel Takt zu , daß ich zu unterscheiden weiß , wo ich meiner Neigung oder den Pflichten meiner Stellung zu folgen habe , « unterbrach sie ihn freundlich ernst und steckte den Bleistift in das Notizbuch . Sie hatten mittlerweile die Korridorthür vor Mainaus Appartements erreicht . Dort standen ein paar neue Reisekoffer von Juchtenleder , die man während des Diners gebracht hatte . Mainaus Augen leuchteten auf bei ihrem Anblick , als sähe er sich schon über Berg und Thal , weit , weit weg von Schloß Schönwerth , in die Welt hineinfliegen . Er hob einen der Koffer empor und prüfte die Beschläge – währenddem stieg Liane in die Schloßküche hinab , um mit Frau Löhn und dem Koch zu verhandeln . Der Hofmarschall hatte es stillschweigend acceptiert , daß sie die Oberaufsicht über das Hauswesen in die Hand genommen . Damit hatte sie sich freilich wie auf Brennesseln gebettet . Unausgesetzt mußte sie ringen mit dem schmutzigen Geiz des alten Herrn , der um jeden Pfennig feilschte . Sein grenzenloses Mißtrauen , die Furcht , bestohlen und betrogen zu werden , machten sich stündlich in fast ekelerregender Weise geltend . Dazu kam sein unverminderter Groll über die verhaßte zweite Heirat Mainaus – die junge Frau stand fortwährend in Waffen ihm gegenüber . Sie wußte , daß er jeden ihrer Schritte belauerte , soweit es ihm möglich , daß sogar die Briefe aus der Heimat durch seine Hände gingen , ehe sie zu ihr gelangten , Die Briefe der Geschwister mochten ihm unverfänglicher erscheinen – sie trugen selten die Spuren eines Attentates . Dagegen war vor einigen Tagen ein Schreiben ihrer Mutter eingelaufen – das erste seit Lianens Verheiratung . Sie konnte sich nicht verhehlen , daß das Siegel erbrochen gewesen war , und das empörte sie doppelt im Hinblick auf den Inhalt . Die Gräfin Trachenberg erging sich in Klagen über ihr