aus dem Park auf die Wiese , dieselbe Wiese , die wir vom Schloß aus immer und ewig und ewig und immer sehn und auf der der Ampfer und die Ranunkeln blühn . Und dazwischen spazieren die Störche . Vielleicht sind wir allein : aber vielleicht läuft auch ein kleiner Dreijähriger neben uns her und singt in einem fort : › Adebar , du Bester , bring mir eine Schwester . ‹ Und meine Schloßherrin errötet und wünscht sich das Schwesterchen auch . Und endlich sind elf Jahre herum , und wir halten an der › ersten Station ‹ , an der ersten Station , die die › stroherne Hochzeit ‹ heißt . Ein sonderbares Wort . Und dann ist auch allmählich die Zeit da , sich malen zu lassen , malen zu lassen für die Galerie . Denn wir dürfen doch am Ende nicht fehlen ! Und zwischen die Generäle rück ich dann als Rittmeister ein , und zwischen die schönen Frauen kommt Victoire . Vorher aber hab ich eine Konferenz mit dem Maler und sag ihm : › Ich rechne darauf , daß Sie den Ausdruck zu treffen wissen . Die Seele macht ähnlich . ‹ Oder soll ich ihm geradezu sagen : › Machen Sie ' s gnädig ‹ ... Nein , nein ! « Fünfzehntes Kapitel Die Schachs und die Carayons Was immer geschieht , geschah auch diesmal : die Carayons erfuhren nichts von dem , was die halbe Stadt wußte . Dienstag , wie gewöhnlich , erschien Tante Marguerite , fand Victoiren » um dem Kinn etwas spitz « und warf im Laufe der Tischunterhaltung hin : » Wißt ihr denn schon , es sollen ja Karikatüren erschienen sein ? « Aber dabei blieb es , da Tante Marguerite jenen alten Gesellschaftsdamen zuzählte , die nur immer von allem » gehört haben « , und als Victoire fragte : » Was denn , liebe Tante ? « , wiederholte sie nur : » Karikatüren , liebes Kind . Ich weiß es ganz genau . « Und damit ließ man den Gesprächsgegenstand fallen . Es war gewiß ein Glück für Mutter und Tochter , daß sie von den Spott- und Zerrbildern , deren Gegenstand sie waren , nichts in Erfahrung brachten ; aber für den Drittbeteiligten , für Schach , war es ebenso gewiß ein Unglück und eine Quelle neuer Zerwürfnisse . Hätte Frau von Carayon , als deren schönster Herzenszug ein tiefes Mitgefühl gelten konnte , nur die kleinste Vorstellung von all dem Leid gehabt , das , die ganze Zeit über , über ihren Freund ausgeschüttet worden war , so würde sie von der ihm gestellten Forderung zwar nicht Abstand genommen , aber ihm doch Aufschub gewährt und Trost und Teilnahme gespendet haben ; ohne jede Kenntnis jedoch von dem , was inzwischen vorgefallen war , ägrierte sie sich gegen Schach immer mehr und erging sich von dem Augenblick an , wo sie von seinem Rückzug nach Wuthenow erfuhr , über seinen » Wort-und Treubruch « , als den sie ' s ansah , in den heftigsten und unschmeichelhaftesten Ausdrücken . Es war sehr bald , daß sie von diesem Rückzuge hörte . Denselben Abend noch , an dem Schach seinen Urlaub angetreten hatte , ließ sich Alvensleben bei den Carayons melden . Victoire , der jede Gesellschaft peinlich war , zog sich zurück , Frau von Carayon aber ließ bitten und empfing ihn mit besondrer Herzlichkeit . » Daß ich Ihnen sagen könnte , lieber Alvensleben , wie sehr ich mich freue , Sie nach so vielen Wochen einmal wiederzusehen . Eine Welt von Dingen hat sich seitdem zugetragen . Und ein Glück , daß Sie standhaft blieben , als man Ihnen den Luther aufzwingen wollte . Das hätte mir Ihr Bild ein für allemal verdorben . « » Und doch , meine Gnädigste , schwankt ich einen Augenblick , ob ich ablehnen sollte . « » Und weshalb ? « » Weil unser beiderseitiger Freund unmittelbar vorher abgelehnt hatte . Nachgerade widersteht es mir , immer wieder und wieder in seine Fußtapfen zu treten . Gibt es ihrer doch ohnehin schon genug , die mich einfach als seinen Abklatsch bezeichnen , an der Spitze Zieten , der mir erst neulich wieder zurief : › Hüten Sie sich , Alvensleben , daß Sie nicht als Schach II in die Rang- und Quartierliste kommen . ‹ « » Was nicht zu befürchten steht . Sie sind eben doch anders . « » Aber nicht besser . « » Wer weiß . « » Ein Zweifel , der mich aus dem Munde meiner schönen Frau von Carayon einigermaßen überrascht und unsrem verwöhnten Freunde , wenn er davon hörte , seine Wuthenower Tage vielleicht verleiden würde . « » Seine Wuthenower Tage ? « » Ja , meine Gnädigste . Mit unbestimmtem Urlaub . Und Sie wissen nicht davon ? Er wird sich doch nicht ohne vorgängigen Abschied von Ihnen in sein altes Seeschloß zurückgezogen haben , von dem Nostitz neulich behauptete , daß es halb Wurmfraß und halb Romantik sei . « » Und doch ist es geschehen . Er ist launenhaft , wie Sie wissen . « Sie wollte mehr sagen , aber es gelang ihr , sich zu bezwingen und das Gespräch über allerhand Tagesneuigkeiten fortzusetzen , bei welcher Gelegenheit Alvensleben zu seiner Beruhigung wahrnahm , daß sie von der Haupttagesneuigkeit , von dem Erscheinen der Bilder , nicht das geringste wußte . Wirklich , es war der Frau von Carayon auch in der zwischenliegenden halben Woche nicht einen Augenblick in den Sinn gekommen , etwas Näheres über das von dem Tantchen Angedeutete hören zu wollen . Endlich empfahl sich Alvensleben , und Frau von Carayon , alles Zwanges nunmehr los und ledig , eilte , während Tränen ihren Augen entstürzten , in Victoirens Zimmer , um ihr die Mitteilung von Schachs Flucht zu machen . Denn eine Flucht war es . Victoire folgte jedem Wort . Aber ob es nun ihre Hoffnung