ist deines Vaters Kind und deine Schwester . « » Meines Vaters Kind , Peter Guntz , aber nicht meine Schwester . Damit ist es nun vorbei . Sie fuhr hoch , als sie noch mit uns war ; nun fährt sie niedrig und steht vor Euch und mir und birgt ihr Kind unterm Mantel . Fragt sie , wo sie ' s herhat . Am Wege hat sie ' s geboren . Und ich habe nichts gemein mit Weibern , die zwischen Heck und Graben ihr Feuer zünden und ihre Lagerstatt beziehn . Unglück ? Wer ' s glaubt . Sie hat ' s gewollt . Kein falsch Erbarmen , liebe Herren . Wie wir uns betten , so liegen wir . « Grete , während ihr Bruder sprach , hatte das Kind aus ihrem Mantel genommen und es fest an sich gepreßt . Jetzt hob sie ' s in die Höh , wie zum Zeichen , daß sie ' s nicht verheimlichen wolle . Und nun erst schritt sie dem Ausgange zu . Hier wandte sie sich noch einmal und sagte ruhig und mit tonloser Stimme : » Verlaß dich nicht auf dein Gewalt , Dein Leben ist hier bald gezahlt , Wie du zuvor hast › richtet mich , Also wird Gott auch richten dich – « und verneigte sich und ging . Die Ratsherren , deren anfängliche Neugier und Teilnahme rasch hingeschwunden war , sahen ihr nach , einige hart und spöttisch , andere gleichgültig . Nur Peter Guntz war in Sorg und Unruh über das Urtel , das er hatte sprechen müssen . » Ein unbillig Recht , ein totes Recht . « Und er hob die Sitzung auf und ging ohne Gruß und Verneigung an Gerdt Minde vorüber . 20. Kapitel . Hier hastu gerichtet nur kleine Zeit ... Zwanzigstes Kapitel Hier hastu gerichtet nur kleine Zeit , Dort wirstu gerichtet in Ewigkeit Grete war die Treppe langsam hinabgestiegen . Das Markttreiben unten dauerte noch fort , aber sie sah es nicht mehr ; und als sie den Platz hinter sich hatte , richtete sie sich auf , wie von einem wirr-phantastischen Hoheitsgefühl ergriffen . Sie war keine Bettlerin mehr , auch keine Bittende ; nein ; ihr gehörte diese Stadt , ihr . Und so schritt sie die Straße hinunter auf das Tor zu . Aber angesichts des Tores bog sie nach links hin in eine Scheunengasse und gleich dahinter in einen schmalen , grasüberwachsenen Weg ein , der , zwischen der Mauer und den Gärten hin , im Zirkel um die Stadt lief . Hier durfte sie sicher sein , niemandem zu begegnen , und als sie bei der Mindeschen Gartenpforte war , blieb sie stehen . Erinnerungen kamen ihr , Erinnerungen an ihn , der jetzt auf dem Klosterkirchhof schlief , und ihr schönes Menschenantlitz verklärte sich noch einmal unter flüchtiger Einkehr in alte Zeit und altes Glück . Aber dann schwand es wieder , und jener starr-unheimliche Zug war wieder da , der über die Trübungen ihrer Seele keinen Zweifel ließ . Es war ihr mehr auferlegt worden , als sie tragen konnte , und das Zeichen , von dem die Domina gesprochen , heut hätt es jeder gesehen . Und nun legte sie die Hand auf die rostige Klinke , drückte die Tür auf und zu und sah , ihren Vorstellungen nachhängend , auf die hohen Dächer und Giebel , die von drei Seiten her das gesamte Hof- und Gartenviereck dieses Stadtteils umstanden . Einer dieser Giebel war der Rathausgiebel , jetzt schwarz und glasig , und hinter dem Giebel stand ein dickes Gewölk . Zugleich fühlte sie , daß eine schwere , feuchte Luft zog ; Windstöße fuhren dazwischen , und sie hörte , wie das Obst von den Bäumen fiel . Über die Stadt hin aber , von Sankt Stephan her , flogen die Dohlen , unruhig , als ob sie nach einem andren Platze suchten und ihn nicht finden könnten . Grete sah es alles . Und sie sog die feuchte Luft ein und ging weiter . Ihr war so frei . Als sie das zweite Mal ihren Zirkelgang gemacht und wieder das Tor und seinen inneren Vorplatz erreicht hatte , verlangte sie ' s nach einer kurzen Rast . Eine von den Scheunen , die mit dem Vorplatz grenzte , dünkte ihr am bequemsten dazu . Das Dach war schadhaft und die Lehmfüllung an vielen Stellen aus dem Fachwerk herausgeschlagen . Und sie bückte sich und schlüpfte durch eines dieser Löcher in die Scheune hinein . Diese war nur halb angefüllt , zumeist mit Stroh und Werg , und wo der First eingedrückt war , hing die Dachung in langen Wiepen herunter . Sie setzte sich in den Werg , als wolle sie schlafen . Aber sie schlief nicht , von Zeit zu Zeit vielmehr erhob sie sich , um unter das offene Dach zu treten , wo der Himmel finster-wolkig und dann wieder in heller Tagesbläue hereinsah . Endlich aber blieb die Helle fort , und sie wußte nun , daß es wirklich Abend geworden . Und darauf hatte sie gewartet . Sie bückte sich und tappte nach ihrem Bündel , das sie beiseite gelegt , und als sie ' s gefunden und sich wieder aufgerichtet hatte , gab es in dem Dunkel einen blassen , bläulichen Schein , wie wenn sie einen langen Feuerfaden in ihrer Hand halte . Und nun ließ sie den Faden fallen und kroch , ohne sich umzusehen , aus der Fachwerköffnung wieder ins Freie hinaus . Wohin ? In die Stadt ? Dazu war es noch zu früh , und so suchte sie nach einem schon vorher von ihr bemerkten , aus Ziegel und Feldstein aufgemauerten Treppenstück , das , von der Innenseite der Stadtmauer her , in einen alten , längst abgetragenen Festungsturm hinaufführte . Und jetzt hatte sie das Treppenstück gefunden . Es war schmal und bröcklig , und einige Stufen fehlten ganz ; aber Grete