Und dabei ging die Wiege wie auf hoher See . Wenn dann aber ein neuer Anfall kam , so holte sie heiße Tücher vom Ofen oder aus der Küche her und legte sie auf den Leib des Kindes ; denn sie hatte ganz bestimmte Heilmittel und ging davon aus , daß es ein » Reißen « sei ; » Kinder hätten immer das Reißen , und sei kein Unterschied , ob in Kopf oder Zahn oder Ohr oder Leib « . Aber die heißen Tücher machten es nur schlimmer , und die heftigen Anfälle minderten sich erst , als Grissel eines Tages mit dem alten Melcher Harms gesprochen und dieser ihr gesagt hatte : sie solle die heißen Tücher lassen und statt ihrer einen Doppel-Spezies oder einen großen Mansfelder Taler auf die Herzgrube des Kindes legen . Und wenn er da drei Vaterunser lang gelegen , dann solle sie den Spezies oder den Mansfelder wieder fortnehmen und einen neuen hinlegen . Denn das Kind brauche Kühle , nicht aber Hitze . Das half denn auch , wenigstens auf Wochen hin , und der alte Melcher Harms würde vielleicht noch weiter geholfen und jedenfalls der Mutter ein Trosteswort gesprochen haben , wenn er nur hätte ins Haus kommen und das Kind sehen dürfen . Aber das litt der Heidereiter nicht , und als Hilde sich ein Herz nahm und es bei sich bietender Gelegenheit in bestimmten Worten von ihm erzwingen wollte , wurd er rot und sah so bös aus wie früher , wenn ihm die Zornader schwoll . In allem anderen aber war er stiller geworden und weniger streng und ließ vieles hingehen , und nur gegen den Melcher Harms , wie Hilde mit jedem Tage mehr erfahren mußte , verblieb ihm ein Groll , der um so tiefer saß , als er sich mit dem mischte , was er sonst nicht kannte : mit Furcht . Er mutmaßte nämlich , daß der Alte damals , als er an seinem Bette gewacht , allerlei von dem , was das Fieber auszuplaudern pflegt , gehört haben müsse . Von diesem Verdachte konnt er nicht los , und eines Tages , bald nach der Hochzeit , wurd es ihm wie zur Gewißheit . An diesem Tage war Melcher Harms wie gewöhnlich des Weges gekommen , seinen Spitz neben sich und sein Strickzeug in der Hand , und die Kühe des Heidereiters , als sie das Läuten von fernher gehört , waren von selbst aus der offenen Stalltür getreten und hatten sich angeschlossen . Alles wie sonst . Und so war der Alte vorbeigezogen , mit einem Gruß gegen Hilde , die , blasser noch als gewöhnlich , an dem offenen Fenster gestanden hatte . Hinter dem Gehöft aber war er nicht nach rechts hin auf die Berglehne hinaufgebogen , sondern hatte , weil die Sieben-Morgen schon abgeweidet waren , alles weiter talaufwärts , auf Diegels Mühle zu , getrieben . Überall stand Unterholz , und der schmale verwachsene Weg hielt ihm von beiden Seiten her die Herde zusammen . Und so war er bis dicht an den Fuß von Ellernklipp herangekommen und hatte schon das Elsbruch oder doch die Vorläufer davon zu seiner Rechten , als sein Spitz , ein altes abgerissenes Stück Zeug zwischen den Zähnen , aus dem Gebüsch herauskam und es zu Füßen seines Herrn niederlegte . Der bückte sich , und weil er sparsam sein gelernt hatte , nahm er ' s auf und tat es in seine Ledertasche . Und siehe , es traf sich , daß er auf der Stelle fast einen Nutzen daraus ziehen sollte . Denn als sie wenige Minuten später aus dem Bruche wieder heraus waren und eben etwas lehnan an einem Plankenzaune vorbei wollten , wurde die vorderste von des Heidereiters Kühen in die Planken hineingedrängt und riß sich an einem rostigen alten Nagel das Fleisch dicht über dem Knöchel auf . Es blutete heftig , und Melcher , als er ' s sah , legte den Leinenlappen , den ihm sein Spitz aufgestöbert hatte , sorglich um die Wunde herum . So verging der Tag . Als aber Joost am Abend in der Stalltür stand und beim Anblick der rückkehrenden Herde gewahr wurde , daß die Braune , die die beste Milchkuh war , lahm ging und bei jedem Schritt einknickte , rief er den Heidereiter , daß er käme und sähe , was es sei . Der kam denn auch und wickelte zunächst den Verbandlappen wieder ab . Als er ihn aber in Händen hielt und sah , daß es das Stück Sacktuch war , das er damals abgerissen und um den Spatenstock gewickelt hatte , kam ihm ein Schwindel , und er fiel ohnmächtig an der Stalltür nieder . Und in der Nacht sprach er wieder irr , und alle glaubten , daß er einen Rückfall in die schwere Krankheit haben werde . Doch er überwand es , und eine Woche später ging er wieder in den Wald und hatte seinen Mut und seine Farbe wieder ; nur dem Melcher Harms wich er aus , weil es bei ihm feststand , er hab es ihm zeigen wollen . Darin aber ging er fehl . Alles war Zufall gewesen ( wenn es einen Zufall gibt ) , und nur in dem einen traf er ' s , daß der Alte , sowenig er einen bestimmten Beweis in Händen hatte , vor sich selber fest überzeugt war : der Heidereiter wisse nicht bloß um Martins Tod , sondern sei schuld daran . Unter allen Umständen aber war es von dem Tag an , daß Baltzer Bocholt erklärt hatte , den Melcher Harms in seinem Hause nicht mehr sehen zu wollen . Ja , sein Groll war weitergegangen und hatte von Hilde gefordert , daß sie die Freundschaft mit ihm fallenlasse . Das passe sich nicht für sie . Die Gräfin oben , die dürfe das . Aber eines Heidereiters Frau , die müsse sich in ihrem Stand halten und dürfe nicht