sehr schön ist ; ich bin schon zweimal dort gewesen . Aber lieber komme ich zu Ihnen . Auf Thea Daister freue ich mich . Sie kommt in acht Tagen . Sie kann mir gewiß von Ihnen erzählen , und ich hoffe , manchmal mit ihr zusammen zu sein , obgleich Mama sie nicht gern mag . Sie sei so fahrig , sagt Mama , und mache die Menschen nervös und sei zu kindisch verliebt in ihren Mann . Ich schließe mit den allerinnigsten Wünschen zum neuen Jahr . Und mit der Bitte , mir weiter Ihre Güte zu schenken . Ihre Sie verehrende Mathilde Rositz . « Unwillkürlich wurde Sophies Stimme leiser und zögernder beim Lesen . Nach einer kurzen Pause legte dann Raspe sacht das Blatt mit den Photographien auf den Tisch . » Schade , « sagte er . » Was schade ? « fragte seine Mutter . » Daß sie in dieser Umwelt von Luxus und zwecklosem Dahinleben aufgewachsen ist . Ein Mädchendasein , wie es Tausende in dieser üppigen Gesellschaft führen - die glaubt , die gute zu sein . Solche Eindrücke wurzeln zu fest - solche Bedürfnisse sind zur zweiten Natur geworden , « sprach er ernst . » Ich weiß nicht , was Ihr eigentlich für Mädchenideale habt , « meinte seine Mutter etwas ungeduldig , » gestern hielt Allert aus mir völlig unbegreiflicher Veranlassung eine seiner dahinstürzenden Reden . Er war gegen allerlei Richtungen der modernen , sozialen Frauenarbeit . Er wurde sogar poetisch und sagte was von seelischer Entblätterung und Entzauberung , wenn man junge Mädchen mitarbeiten lasse , wo es sich um traurige und schmutzige Dinge handle . Und Du gabst ihm doch recht , warst seiner Ansicht . Und jetzt hast Du wieder was dagegen , wenn junge Mädchen , die doch nun mal in wohlhabende Familien hineingeboren sind , sorglos und froh in den Tag hineinleben . « » Ja , Mutter , eigentlich sieht man heute zumeist Extreme . Die einen sind ganz und gar die verwöhnten Töchter , die sich erst kritisch besinnen , ob sie überhaupt ' n Mann nehmen und beglücken wollen und ihn hinterher ganz naiv mit Ansprüchen erdrücken . Und die andern haben sich mit blindem Eifer in einen Beruf hineingesetzt , um für alle Fälle vom Mann unabhängig zu sein . Bekommen sie dann doch einen , so bringen sie , aus dem Gefühl ihrer Unabhängigkeit her , viel schwierige Nebenempfindungen mit in die Ehe hinein , wo das Sichaneinanderanpassen schon nicht so leicht ist . « » Die Liebe , mein alter Junge , « versicherte die Mutter mit zärtlich schmeichelndem Tonfall , » ist die große Lehrmeisterin und Ausgleicherin . « » Wenn sie immer in dem Hitzegrad ihrer ersten Flammen bliebe ! In der Ruhe der Ehe erheben dann die alten Gewohnheiten wieder ihr Haupt und haben einen großen Mund , aus dem es von Vorwürfen und Forderungen nur so quillt . « Die Mutter schalt Raspe einen Pessimisten , und auf dem Bahnhof , beim Abschied , versuchte sie mit heiteren Worten seine Gedanken zu vertreiben . Als sie dann allein heimging , überdachte sie die mancherlei Gespräche der letzten Tage und ihr war etwas mutlos ums Herz . Sie wußte es ja selbst : Es war jetzt ein so seltsames Gemenge von Frauenwesen aller Art ; die Farben flossen durcheinander , und alle Linien verschlangen sich . Vernunft und Extravaganz , Recht und Ueberforderung , angeborene und anempfundene Begabung , gesunder und überspannter Wille - alles stand dicht beieinander , wirkte ineinander hinüber . Wie sollte dem Mann nicht ein unsicheres , ja ein beinahe furchtsames Gefühl kommen , wenn er sich aus dieser wogenden , gärenden Menge die eine heraussuchen wollte , der er seinen Herd und auch seinen Frieden allezeit anvertrauen konnte . - Ueberhaupt , es war immer nur von den Frauen , ihrer neuen Entwicklung und ihren Ansprüchen die Rede . Und nie davon , wie das den Mann berührte , und wie er sich in seinem wichtigsten Innenleben zu dem allen stellte . - Das kam wohl , weil so viele von den Vorkämpferinnen unverheiratet und kinderlos waren und keine Söhne zu Männern erzogen hatten . Das machte sie so schrecklich einseitig . Und so taub und blind für die Bedürfnisse , Ideale , Poesien des Mannes . - Was soll auch die Frau vom Manne wissen , die keinen Sohn gebar und erzog ? Auf der andern Seite diese Mütter , die aus Gedankenlosigkeit oder verkehrter Liebe den Töchtern die Jungmädchenzeit zu einem glänzenden Fest machten und sie an all die Ausgaben gewöhnten , die sie nachher auch vom Ehemann erwarteten . - Ein reicher Papa hat aber meist ein größeres Portemonnaie als so ein junger Gatte ... Das sind schwierige Sachen , dachte Sophie . Aber sie wehrte sich doch dagegen , allzu bedrückt zu werden . Und als sehr weibliche Frau hatte sie gleich eine Menge grundloser und unlogischer Hoffnungen zur Hand . Zunächst tat sie das ihre und schrieb an Mathilde Rositz , daß sie ihr jeden Tag als liebe Pensionsmitbewohnerin willkommen sein solle , und was das schon vom teuren Verstorbenen gewünschte Porträt anlange , so werde es in jedem Fall gemacht , auch wenn Mathildes Mama keine Neigung habe , einen formellen Auftrag zu erteilen . » Wie kannst Du so was schreiben , Mutter , « schalt Allert ; » solchen Frauen gegenüber sind noble Gesten höchst unangebracht . Du kannst sicher sein , daß die Rositz , die ja immer in Geldklemme ist , auf diese Andeutung hin ihre Tochter gratis von Dir malen läßt . Reiche Leute sind oft wunderbar naiv in der Annahme von Diensten . « » Und wenn « ... sagte Sophie still . Sie dachte an einen , der nicht mehr war . Und in der Gebundenheit der Menschen , die sich nie das völlige Verschwinden eines Lebens vorstellen können , war ihr , als erfreue sie ihn