unter großen , alten Tannen hin , in denen das Mondlicht nur hie und da wie silberne Funken sprühte ; auf einer kleinen Lichtung aber hell beschienen stand die Auerhahnhütte . » Die wollte ich dir zeigen , « sagte Egloff , » hier habe ich meine besten Stunden verbracht . « Er öffnete die Tür , der Raum war voller Mondlicht und großer schwankender Schatten der Tannenzweige . Er zog Fastrade auf das Ruhebett nieder , » hier habe ich dich immer am deutlichsten gesehen , wenn du nicht da warst , hier habe ich dich am deutlichsten gefühlt , in jedem Nerv habe ich dich gespürt , es ist , als ob du hier wohntest . Scheint es dir nicht , als ob dir hier alles bekannt sei , daß du hier schon oft gewesen bist ? « » Ja , « sagte Fastrade sinnend , » im Traume , glaube ich , habe ich dieses kleine Zimmer gesehen , ganz gelb von Mondlicht . « » Du mußt es kennen « , meinte Egloff und drückte sie an sich und begann langsam ihre Augen und ihren Mund zu küssen ; er beugte sie zurück , seine Hände faßten sie , daß es ihr weh tat , ein Knopf ihrer Jacke sprang klirrend zu Boden . Fastrade richtete sich auf , erhob sich von ihrem Sitz , machte einige Schritte , dann lehnte sie sich gegen die Tür , breitete die Arme aus und stützte die Handflächen gegen die Bretterwand , als wollte sie jemand den Eintritt verwehren . » O nein « , sagte sie schwer aufatmend . Egloff saß noch auf dem Ruhebette , ganz in den Schatten zurückgebogen . » Nein , « wiederholte er leise und zischend , » natürlich , ihr seid die Reinen , die Unnahbaren , die Heiligen , nur daß ihr die Liebe dadurch zu etwas verdammt Lächerlichem und Verlogenem macht . « » Nein , nein « , sagte Fastrade wieder , und das Schwingen in ihrer Stimme zeigte , wie stark ihr Herz schlug . » Ich bin nicht unnahbar , ich bin nicht heilig , aber , wenn ich dir helfen soll , wenn ich neben dir stehen soll , dann - dann darfst du mich nicht behandeln wie die anderen . « Aber aus der dunkeln Ecke klang es leise und böse zurück : » Ich will nicht , daß du mir hilfst , ich will , daß du mich liebst . « » Ich will dir helfen , « erwiderte Fastrade laut und klar , » gerade das will ich , das ist meine Art zu lieben . « Beide schwiegen . Egloff schaute zu Fastrade hinüber , wie sie an der Tür lehnte mit ausgebreiteten Armen , hell vom Monde beschienen , das blonde Haar hing ihr ungeordnet in die Stirne , eine flimmernde Haarsträhne fiel über die kindliche Rundung der Wangen , die Augen glitzerten , die Lippen waren ein wenig geöffnet , ja Egloff sah es deutlich , sie lächelten ein seltsam erregtes , triumphierendes Lächeln . Endlich trat sie von der Tür fort an Egloff heran , legte die Hand auf seine Schulter und sagte freundlich und mitleidig : » Komm , gehen wir , deine Auerhahnhütte gefällt mir nicht mehr . Sitze nicht so da . « Egloff lachte kurz auf . » Oh , du brauchst mir nicht zu sagen , « meinte er , » wie ich dasitze , das weiß ich wohl , also gehen wir . « Sie traten wieder hinaus , draußen empfing sie das gewaltsame Wehen und Duften , sie mußten ordentlich gegen den Wind ankämpfen . » Halte mich , halte mich « , rief Fastrade und lachte hell in das große Rauschen hinein . Es war spät geworden , als Fastrade nach Hause kam . Sie beeilte sich zu ihrem Vater hinüber zu gehen , der sie schon erwarten mußte ; aber als sie den dunkeln Saal durchschritt , war es , als versagten ihr plötzlich die Kräfte , eine große Mattigkeit ergriff sie und ihre Knie zitterten . Sie mußte sich auf einen Sessel niederlassen . Vom Zimmer ihres Vaters her hörte sie die Stimme der Tante Arabella , welche St. Simons Memoiren vorlas , auf der anderen Seite sang Couchons zitternde Stimme ihr : » Ah repondit Collette , osez , osez toujours . « Vor den Fenstern jauchzte der Frühlingswind . Fastrade schlug die Hände vor das Gesicht und weinte , nicht aus Schmerz , es war nur ein unendlich wohltuendes Sichlösen der großen Spannung ihrer Seele . Dreizehntes Kapitel In Sirow fand das große Souper statt . Die Baronin ging durch die Zimmer , um einen letzten Blick auf die Veranstaltungen zu werfen . Langsam zog sie ihre Atlasschleppe über das Parkett , vor einem Spiegel blieb sie stehen und rückte die Diamantbrosche zurecht , ein Geschenk der hochseligen Großherzogin . Dann setzte sie sich auf ihren Sessel und erwartete die Gäste . Die Kerzen in den Kronleuchtern brannten alle , obgleich draußen der Maiabend noch hell über dem Garten war . Die Glastüren zur Veranda standen offen , und der Duft des Flieders drang herein , der wie eine Mauer aus weißem und hellblauem Gewölke den Garten einhegte . Die Baronesse Arabella und Fastrade waren die ersten , die anlangten . » Mein liebes Kind , du siehst gut aus « , sagte die Baronin zu Fastrade mit dem milden Ernst , den sie im Umgang mit ihrer künftigen Schwiegertochter anzuwenden liebte , aber heute ruhten ihre Augen doch mit Wohlgefallen auf dem aufrechten , blonden Mädchen , über dessen rundem Gesicht , über dessen Schultern und Armen ein so wundersam warmer Jugendglanz lag . Fastrade trug ein weißes Spitzenkleid und einen Veilchenstrauß an der Brust . » Komm , meine Tochter , « fuhr die Baronin fort , » setze dich zu mir , bis die anderen kommen , können wir uns ein wenig genießen «