Freud an dem Narrenzeug , das ihnen am Hochzeitstag von den Freunden in der Schlafkammer aufgericht worden war nach altem Brauch und Herkommen . Indes hatte man begonnen , meines Ziehvaters Leichnam zu suchen und aus den Trümmern zu schaffen . Wurd also viel Wasser auf die heißen , dampfenden Überrest gegossen und darnach mit vieler Müh das Mauerwerk beiseit gehoben , bis man endlich auf den steinernen Futterbarren stieß . Immer mehr Leut hatten sich währenddessen zusammengefunden ; immer lauter und lärmender ging es zu . Jeder Stein , der gehoben wurde , jeder Spatenstich wurd beredet und durch die Reihen fortberichtet . Da scholl es zu uns herüber : » Ach Gott ! der Weidhofer ! Und so zugrund gricht ! « Ein Jammern und Klagen ging durch die Menge , und auch wir standen auf und seufzten und konnten uns vor Leid kaum fassen . Etliche brachten eine Leiter - ein Tuch ; man legte den verbrannten und verstümmelten Leichnam darauf und gedacht , ihn nach dem Kirchhof zu tragen . Da kam ein Hauf von Kindern die Gasse dahergestürmt , laut rufend und schreiend : » Sie haben ihn ! - Man bringt ihn ! - Den Ambros haben s ' ! « Ja , sie brachten ihn . Inmitten zweier Schürgen oder Landjäger kam er daher , schlotternd und wankend , von den Kindern mit Steinen beworfen , von den Männern und Weibern verwunschen und verflucht . Vor der Brandstatt hielten sie an ; der Tote ward vor den Schelmen hingetragen , und der wurde gefragt im Namen Gottes und im Angesicht des Toten und der Feuerstatt : ob er sich schuldig bekennen wollt ! Und er stand da mit grauem Gesicht und verhetztem Blick , konnte kaum das Wort aus dem Maul bringen vor Zähnklappern und sagte dennoch : » Nein , nein ! « Da brach ich mir einen Weg durch die Menge ; stand bebend vor ihn hin und schrie : » Beim dreieinigen Herrgott , er hat ' s tan ! - Ich hab ihn sehen davonschleichen ! - Hund ! Du hast ' s tan ! « Ich konnt nimmer . Es wurde mir todübel und ich mußt mich einhalten . Doch schreckenvoll war die Wirkung meiner Worte : der Teufel - kaum daß er mich ersehen und meine Red vernommen , begann er gottslästerlich auf mich zu fluchen , gestand unter wildem Rasen die Tat und schäumte vor Wut , daß er mich immer noch lebend sah . In diesem Augenblick aber stürzten sich die Bauern auf ihn ; - vergebens wollten ihm die Schürgen Deckung geben , - sie wurden gleich mir aus dem Knäuel gerissen und der Schelm darnach grausam ums Leben gebracht durch Steinwürfe , Faustschläge und Messerstiche . Sein Heulen hallte grausig durch das Dorf , und sein Blut floß wohl aus hundert Wunden , bis er endlich tot hinfiel . Hatten ihm also Gerechtigkeit widerfahren lassen ; ich aber kann mein Lebenlang nimmer froh werden , daß ich solches mit meiner Red verschuldet , obgleich man mich im Ort derhalben groß belobt hatte . Da nun die Bauern den Meßmer aufgebahrt , den Frevel genug beschaut und auch gesühnt hatten mit harter Feme , gingen sie wieder heim und die Weiber und Kinder mit ihnen . Die Schürgen aber nahmen den Leichnam des Gerichteten und trugen ihn auf den Schindanger , wo sie ihn verscharrten . Mein Ziehbruder , der Fritz , und ich begaben uns darnach zur jungen Häuslerin , der Nandl , und fanden dort auch die andern Kostbuben des Weidhofs ; denn es wußt keiner , was er nun sollt anfangen oder ausrichten . Die älteren , der Hausl und der Hans , hatten zu ihrem guten Glück noch etliche Gulden Zehrgeld und gaben der Nandl willig davon , daß sie ihnen ein Essends gab und ein Lager ; wir beide aber waren ohne jeden Kreuzer und mußten zuschauen , was nun würd mit uns . Da war es denn gar traurig , daß die junge Hausfrau , ehedem meine seelensgute Schwaigerin , mit uns gar leidig tat und sagte , daß sie nicht kunnt jeden Bettelbuben herfüttern ; wer was wollt , müss ' allenthalben zahlen . Also daß wir uns wieder davonmachten und zu fremden Bauern gingen , da wir dann um Gottswillen etliche Tag bleiben konnten , bis unsere liebsten Zieheltern zur Erden gegraben waren mit großem Gepräng und starkem Zulauf . Muß nun leider gedenken einer gar betrüblichen Zeit , da sich das Sprichwort an mir zum Wahrwort machte : Freund in der Not gehn hundert auf ein Lot . Um zwei Gulden Da nun die Toten in Frieden ruhten , auch der Brandplatz gesäubert war , erscholl eines Tags schon früh am Morgen die Glocke des Gemeindeschreibers durch die Gassen , und der Aktenlippel rief in die Häuser : » Heut wird ausgeboten der Grund und Besitz des Weidhofs ! Wer was schuldet , und wer was zu fordern hat , ist hiemit kommandiert , auf die Burgermeisterei zu kommen ! « Eija ! Wie ward da mancher vordem Gerechte zum Spitzbuben ! Hatte keiner was zu zahlen , war keiner was schuldig , da doch mein guter Ziehvater vordem als der best und christlichst Geldgeber und Wohltäter gepriesen ward ! Da standen droben beim Klinglwirt etliche Küh im Stall , die er in der Brandnacht gar barmherzig aufgenommen hatte und gesagt : » Ach , des armen Weidhofers Küh ! « Nun aber der Tag gekommen , da er sie billigerweis hätt herausgeben müssen , waren es bei Ehr und Seligkeit seine eigenen ! Wie wars doch mit der Schwaigerin , der Nandl ! Hatte sie nicht einen ganzen Hausrat aus dem Weidhof im Kuchelwagen fortgefahren als eine Leihgab ? Ei was ! Da stand der Pauli und beschwor , daß alles ein Geschenk der Toten gewesen wär , so wahr Gott lebte ! Ach , da kamen die Knecht und Mägd und hatten ein