und ihre Hartnäckigkeit daher . Das tu ich oft , weil sie mich dabei immer auf den Mund schlägt . Wie ein bunter Vogel geht sie gekleidet ; ich habe sie mehrmals darüber verhöhnt und bin deshalb von ihr ausgelacht worden , weil ich so wenig Farbenschönheit und Farbenverhältnisse begriffe . Und sie hat den Sieg davongetragen , hat sich mehrmals einfarbig gekleidet , und ich habe zugestehen müssen , daß es nicht zu ihrem bunten Wesen passe . Noch an jenem Abende , wo Alberta so erregt war , daß sie mich fast mit ihrem Geliebten verwechselte , fand sie sich mit Hippolyt zurecht . Ich sah zufällig der Szene zu , es war wirklich ein artiges Bild . Neben dem großen Saale , wo wir oft sind , ist nur durch eine Glastür getrennt und mehrere Stufen tiefer das Gewächshaus , wo ein Teil der Orangerie steht , der nicht Raum genug vor dem Schlosse haben oder vielleicht die deutsche Luft gar nicht vertragen mag . Ich suchte Kamilla , die sich nirgends sehen ließ - der Saal war leer ; ich gehe bis an die Glastür und sehe in der Tiefe der südlichen Bäume Alberta sinnend und träumend die Hände in den Schoß gelegt unter einem Feigenbaume sitzen . Sie sah wie Preziosa aus , die mit gebrochenem Herzen nachsinnt , ob ihr wohl Alonso aus Madrid nachfolgen werde . Da öffnet sich die Tür an der anderen Seite der Orangerie und einen Fandango singend kommt Hippolyt herangestürmt . Wie im Traum springt das Mädchen auf und hebt die Arme . - Hippolyt , den nichts überrascht , faßt ihre Hände , sie sinkt ihm an die Brust und umschlingt ihn ; er hebt mit beiden Händen ihren Kopf in die Höhe und küßt sie . Die fremden Bäume und ich hinter der Glastür , wir sahen still zu ; mal es aus das Bild . Später . Der Graf holte mich gestern vom Schreiben zum Spazierengehen ab . Ich bin sehr verdrießlich , Freund , über all die Dinge , die sich hier zusammenfädeln ; es ist lächerlich , daß ich sie Dir erzähle , der Du auf dem Markte der Welt Dich herumbewegst . Aber ich denke , dieser Mikrokosmos soll Dich doch unterhalten , ich fürchte , er wird nur zu bald sehr interessant . Der Graf war so unsicher , er fühlte so hin und her nach diesem und jenem an mir und Hippolyt , daß ich nicht weiß , wie ich Dir ' s beschreiben soll . Mir ward ganz heiß dabei , - es wurde alles so heiratlich , so bürgerlich ernsthaft , daß mir bald kein Zweifel blieb , der Graf wolle unserem Weibertreiben ans Leben gehen . Ich konnte nicht klar heraustreten mit meinen Antworten , weil er es mit seinen Fragen nicht tat und ich solchergestalt leicht eine Betise begehen konnte ; indes ließ ich ihn doch nicht undeutlich merken , wie diese ganze Wendung der Fahrt nicht in meinen Kram passe , mir sogar sehr unangenehm sei . Die Welt ist doch wahrhaftig eine so große Heiratskanzlei , daß man nur in ein Haus treten darf , worin ein weibliches Wesen wohnt , um beim Herausgehen Heiratsfragezeichen auf dem Rücken zu haben . Wird nicht alle Geselligkeit dadurch zugrunde gerichtet ! Sieh unser Schloß an , wie ist alles durch diese verzweifelte Einzäunung zerrissen , zerteilt ! Graf Fips reist schon seit vierzehn Tagen ab und ärgert sich alle Tage dreimal , daß er noch da ist , und beschließt zehnmal , morgen werde er reisen und immer nur einmal , daß er noch einen Tag warten wolle . Wenn die Sonne aufgeht , da ist die Erde unschuldig und der unglückliche Liebhaber hofft das Beste - dieser Fips ist ein Maulaffe , aber er fühlt seinen traurigen Schmerz , einen Korb am Frackschoß zu tragen , so gut wie einer . Was ihm an Gefühl zur Empfängnis dieses Schmerzes fehlt , das ersetzt die Eitelkeit ; ich glaube , er wartet bloß , weil er sich fürchtet , leer in der Stadt anzukommen . Leopolds leichter Sinn ist sogar gebrochen , er hinkt wie ein lahmes Füllen hinaus ins Feld ; man ist ihm zu ernsthaft geworden , sein Scherz erschrickt vor den verkauften oder verschenkten Augen , die keinen Blick für ihn haben . Für ihn ist mir zwar am wenigsten bange ; er ist wie der Flußreiher in der Fabel , er nascht am Besten herum , bis ihn der Liebeshunger drängt , mit einem Gründling vorlieb zu nehmen . Ich höre , er hat sich beim Pastor und Förster bekannt gemacht , und er tändelt wahrscheinlich bereits von der Waldmaid zum Gotteslämmchen . Aber William ist mir ein Greuel , seine eigene philisterhafte Absonderungswut rächt sich fürchterlich an ihm ; weil er alles , die ganze reiche schöne Welt zu zwei und zwei abschachteln möchte wie in eine traurige dumpfe Arche Noäh , so ist er nun selbst ein verlassenes , trostloses Wesen . Seit sich Alberta so entschieden mit allen Kräften zu Hippolyt wendete , ist dieser William ein wahrer Cromwell , der alles malträtieren möchte . Er ist ingrimmig , grob , ungezogen , ja boshaft wie ein verwöhnter Knabe . Er ärgert alle . Das ist nun jene christliche Liebe , welche der Mann auf der Lippe trug . Weil er keine Freiheit kannte im Glauben und Gefühl , so weiß er nun auch keine zu gestatten . Er ist auch in der Eifersucht Fanatiker und Schwärmer ; er ist sehr unangenehm . Es ist kein Schmerz in ihm , sondern Grimm . Ich selbst bin aus meiner Ruhe aufgestört , weil ich die fröhliche Kamilla täglich mit verweinten Augen sehe , weil ich kein heiteres Wort mehr von ihren Lippen höre , weil mich das gute Mädchen innig dauert und ich durchaus nicht weiß , was ihr fehlt . Sollte das unglückliche Mädchen etwa auch den Mörder Hippolyt lieben