ein wenig pockennarbig , ein hoher Fünfziger . « » Schildern Sie mir das Gespräch mit ihm . « Daumer gab , so gut er es vermochte , den Inhalt der Unterredung . Feuerbach versank in langes Nachdenken , dann schrieb er einige Notizen in sein Taschenbuch . » Lassen Sie uns zu Caspar gehen « , sagte er , sich erhebend . Caspars Stirn war noch verbunden ; das Gesicht war beinahe so weiß wie das Tuch ; auch das Lächeln , womit er den Präsidenten empfing , war gleichsam weiß . Er hatte bereits drei oder vier Verhöre überstanden ; schon beim ersten hatte er alles Erzählenswerte erzählt ; das hielt den guten Amtsschimmel nicht ab , immer wieder von neuem anzutraben , man fragte die Kreuz und Quer , um das Opfer auf einem Widerspruch zu erwischen ; mit Widersprüchen kann man arbeiten , wenn einer jedesmal dasselbe sagt , wird die Geschichte aussichtslos . Der Präsident unterließ das Fragen ; er fand einen veränderten Menschen in Caspar ; es war etwas Beklommenes an ihm , sein Blick war weniger frei , nicht mehr so tiefstrahlend und seltsam ahnungslos , näher an die Dinge gekettet . Während die Frauen sich über Caspars Befinden befriedigt äußerten , kam auch der Arzt und bestätigte gern , daß von irgendwelcher Gefahr keine Rede mehr sein könne . In einem Ton , der mehr Befehl als Wunsch enthielt , sagte der Präsident , er hoffe , daß in diesen Tagen fremde Besucher ohne Ausnahme abgewiesen würden . Daumer erwiderte , das verstehe sich von selbst , erst diesen Morgen habe er einem betreßten Lakaien abschlägigen Bescheid geben lassen . » Es war der Diener eines vornehmen Engländers , der im Gasthof zum Adler wohnt , « fügte Frau Daumer hinzu ; » er war übrigens nach einer Stunde noch einmal da , um sich ausführlich zu erkundigen , wie es Caspar ginge . « Es klopfte an die Tür , Herr von Tucher trat ein , begrüßte den Präsidenten und machte nach kurzer Weile eine überraschende Mitteilung : derselbe Engländer , ein anscheinend sehr reicher Graf oder Lord , habe dem Bürgermeister einen Besuch abgestattet und ihm hundert Dukaten überreicht als Belohnung für denjenigen , dem es gelingen würde , den Urheber des an Caspar verübten Überfalls zu entdecken . Ein erstauntes Schweigen entstand , welches der Präsident mit der Frage unterbrach , ob man wisse , weshalb sich der Fremde in der Stadt aufhalte . Herr von Tucher verneinte . » Man weiß nur , daß er vorgestern abends angekommen ist , « antwortete er ; » ein Rad seines Wagens soll in der Nähe von Burgfarrnbach gebrochen sein , und er wartet hier , bis der Schaden ausgebessert ist . « Der Präsident zog die Brauen zusammen , Argwohn umdüsterte seinen Blick ; so wird der Jagdhund stutzig , wenn sich abseits von verwirrenden Fährten eine neue Spur zeigt . » Wie nennt sich der Mann ? « fragte er scheinbar gleichgültig . » Der Name ist mir entfallen , « entgegnete Baron Tucher , » doch soll es in der Tat ein hoher Herr sein , Bürgermeister Binder preist seine Leutseligkeit in allen Tönen . « » Hohe Herren gelten schon für leutselig , wenn sie einem auf den Fuß treten und sich nachher freundlich entschuldigen « , ließ sich Anna , die an Caspars Bett saß , naseweis vernehmen . Daumer warf ihr einen strafenden Blick zu , doch der Präsident brach in eine schmetternde Lache aus , die auf alle ansteckend wirkte ; noch minutenlang kicherte er vor sich hin und zwinkerte vergnügt mit den Augen . Bloß Caspar nahm an dem heiteren Zwischenspiel keinen Teil , sein Blick war nachdenklich ins Freie gerichtet , er wünschte jenen Mann zu sehen , der aus weiter Ferne kam und soviel Geld hergab , damit der gefunden werde , der ihn geschlagen . Aus weiter Ferne ! Das war es ; nur aus weiter Ferne konnte kommen , wonach Caspar Verlangen trug , vom Meere her , von unbekannten Ländern her . Auch der Präsident kam aus der Ferne , aber doch nicht von so weit , daß seine Stirn gefärbt war von fremdem Schein , daß ein süßer Wind an seinen Kleidern hing oder daß seine Augen wie die Sterne waren , ohne Vorwurf , ohne das ewige Fragen . Der aus der Ferne kam , im silbernen Kleid vielleicht und mit vielen Rossen , der brauchte nicht zu fragen , er wußte alles von selbst , die andern aber , alle die Nahen , die immer da waren , immer hereingingen und immer wieder fort , sie sahen niemals aus , als ob sie von schäumenden Rossen gestiegen wären , ihr Atem war dumpf wie Kellerluft , ihre Hand müde wie keines Reiters Hand ; ihr Antlitz war vermummt , nicht schwarz vermummt wie das Gesicht dessen , der ihn geschlagen und der ihm so nah gewesen wie keiner sonst , sondern undeutlich vermummt ; darum redeten sie mit unreiner Stimme und in verstellten Tönen , und darum war es auch , daß Caspar sich jetzt verstellen mußte und nicht mehr imstande war , ihnen fest ins Auge zu sehen und alles zu sagen , was er hätte sagen können . Er fand es heimlicher und trauriger zu schweigen als zu reden , besonders wenn sie darauf warteten , daß er reden solle ; ja , er liebte es , ein wenig traurig zu sein , viele Träume und Gedanken zu verbergen und sie zu dem Glauben zu bringen , daß sie ihm doch nicht nahkommen könnten . Daumer war zu sehr mit sich selbst beschäftigt und zu bedrückt von der bevorstehenden Ausführung eines unabänderlichen Entschlusses , um darauf zu achten , ob Caspar ihm noch in derselben kindlich offenen Weise entgegenkomme wie sonst . Erst Herr von Tucher war es , der auf gewisse Sonderbarkeiten in Caspars Betragen hinwies , und er ließ auch gegen