ander Leben gelebt sein ! Nicht zum Vergangenen und nicht zu dem stracken Mädchen ! Zu mir zurück ! Außerdem muß ich Vater zeigen , daß ich kein Müßiggänger bin ! Außerdem reiße ich aus . Der Bauer mag sich an Vater wenden , wegen der geringen Schulden um die Notdurft . Also : nun , meine traumlose Schöne , ist das Spiel am Ende ! Nun können deine Träume beginnen nach mir ! Da kannst du auch einmal eine Träne weinen . Da werden deine Begierden Augen und Ohren gewinnen und ausblicken und aushorchen lernen - : einmal in die ferne Welt . Adieu ! « 3 An einem breiten , dämmernden Hause unten dicht an der Landstraße blinkte ein großer Steintrog voll klaren Wassers , und der Strahl , der unaufhörlich hineingurgelte , glänzte silbern . Es war eine Mondnacht . Einhart war auf seiner Wanderung hier angekommen . Denn Einhart war den ganzen Tag schon auf Wanderschaft . Er war jetzt noch gerade so wach , wie ihn seine Notlage gestern Nacht auf einmal gemacht hatte . Er hatte auch diesen ganzen Wandertag nicht Träume noch Visionen . Weder mit den Propheten , noch mit Jesus und seinen Wundertaten waren ihm Augen und Seele voll gewesen , nur mit dem staubigen , steinigen Wege , mit den glühendroten Ebereschtrauben manchmal gegen den hellen Himmel , und mit zurück springen in Gedanken zu allerlei Fragen und Zweifeln und Ermessen . Es war Einhart durchaus nicht leicht angekommen , als es Mittag gewesen , der Weg müde gemacht , und die Sonne reichlich brannte , in das Haus eines Dorfarztes am Wege einzubiegen , und ein Stück Brot für seinen Hunger einfach zu erbetteln . Man hatte nur einen Spalt geöffnet , als man gesehen , daß ein Vagabond davorstand , und hatte ihm dann eine harte Semmel und ein Stück alten Käse herausgereicht . Einhart hatte vor der Glastür gestanden , den Hut in der Hand , sich selber so recht zum Gelächter . Der Name des Arztes glänzte im Leben unverwischlich in goldnen Lettern auf weißer Tafel vor Einharts Augen , wie er ihn dort abwartend und heimlich gefaßt , Schimpfworte zu hören , lange hatte anstarren müssen . Es verbanden sich noch spät mit diesem Namen sonderliche Frohgefühle von einem im Staube ziellos hinstreichenden Landfahrer , der abgehetzt und zernagt , wie Einhart jetzt war , innen und außen , plötzlich eine darreichende Menschenhand sich hatte zu seiner Stillung ausrecken sehen . Ein rechter Unwürdiger am hellen Tage vor sich selber war jetzt Einhart , und ein recht Bedürftiger . Der junge Arzt , auf den Einhart stieß , als er das Haus wieder verlassen wollte und noch auf den Treppenstufen stand , hatte ihn zuerst nur streng angeredet , daß ihm Einhart gleich ganz menschlich erklärte , welche Bewandtnis es um sein Vagantentum hätte . » Ein junger Kunstmaler bin ich , der sich verträumt und nicht ans Leben gedacht . Ich muß infolgedessen einmal wie Bettelleute vorwärts finden , wenn nicht durchs Leben , so doch bis zur nächsten Großstadt , « hatte Einhart lustig verlegen gesagt . Denn das stand Einhart vor Augen , zur Stadt und zur Arbeit zurück . Da hatte ihm der junge Arzt Zehrung gegeben und ihn auch mit Abnehmen des Hutes freundlich verabschiedet . Einhart gingen jetzt tausend Lebensgefühle um . Er verleugnete nie seine Art , Drangsal zu empfinden mit der Neugier und mit dem Behagen des Suchenden . Wie es Höllenfahrten gibt und selige Leiden der Gesteinigten . Auch eine wahre , hastige Besinnung auf sein Leben war lebendig , ihn in einen tätigen Zustand endlich zurückzutreiben . So stand Einhart jetzt im Mondenschein am Wassertroge der Dorfschenke , sah die perlenden Silbertropfen und bedachte sich lange , nachdem er sich an dem hellen Glanzstrahle satt getrunken . Die großen Fenster warfen warmen Schein auf die Dorfstraße . Es war lautes Leben drinnen . Einige Blicke streiften Einhart , als er den Hut in der Hand mit dem Stabe zusammen , ganz und gar nicht scheu eintrat . Man hielt gerade eine Sitzung . In der Ecke des Zimmers um einen langen , kahlen Tisch saß ein Kreis würdiger Bauersleute mit dem Ortsgeistlichen zusammen , einem kleinen , kahlköpfigen Herrn , der soeben die Gemeindearmenpflege umständlich besprach . » Armut , meine Herren , « sagte er gerade , als Einhart eingetreten , » ist meist verdorbenes Blut . Armut ist meist Sünde der Väter bis ins vierte oder zehnte oder bis ins tausendste Glied . Man muß die Armut nicht pflegen . Man muß sie bekämpfen , wie einen Feind . Es gibt solche , die nur immer mitleidig sind . Das ist eitel Schwäche . Das fördert nur das Übel , dem wir steuern sollen . Überlassen Sie ein jeder der Zentralstelle - usw. « Aller Augen hatten auf den Geistlichen gesehen . Aber sie richteten sich auch schon heimlich dann und wann auf Einhart . Denn Einharts Dunkelblicke begannen sich jetzt zu füllen mit seiner Art Hoffart . Daß er , wie er in der andern Ecke der weiten Gaststube unter der Hängelampe Platz genommen , die nebenbei fragenden Blicke der Großbauern und des Pastors streng erwiderte . Der Wirt kam gleich zu Einhart heran , ein Gewaltmensch , der eine Posaune des jüngsten Gerichtes hätte laut blasen können . Der Wirt sah Einhart jetzt ziemlich umständlich und unerschrocken an . Auch er hatte Zweifel an Einhart . Dürftig und zerfetzt wie Einhart jetzt aussah , und dunkel und gelbgebrannt wie immer . Aber wie der Wirt Einhart genauer in die Augen gesehen und seinen sanften Tonfall gehört , bediente er ihn doch in allen Ehren . Und die Sitzung ging eine lange Weile ruhig weiter . Einhart achtete nicht groß weder auf Wort noch Widerwort . Er war sehr hungrig . Als er Brot und Wurst und Bier vor sich hatte , begann er eifrig zu schmecken und zu kauen und mußte