der Stein war ins Rollen gebracht . » Da haben wir es « , sagte der Bezirksamtmann , und warf die Zeitung wütend auf den Tisch . » Jetzt kann die Hetzerei in meinem Bezirk losgehen . Aber es soll mir nur einer kommen von den Siebengescheiten , die das ganze Land in der Tasche haben , und nicht einmal die paar Bauern in ihren Gemeinden zur Vernunft bringen können ! Es soll mir nur einer Vorwürfe machen ! « Er zog heftig an der Glocke . » Mayerhofer ! « Der Amtsdiener trat ein . » Sagen Sie dem Herrn Offizianten , er soll zu mir kommen . « » Jawohl , Herr Bezirksamtmann ! « Otteneder legte die Hände auf den Rücken und ging auf und ab . Der Offiziant Schillinger blieb an der Türe stehen . » Herr Bezirksamtmann wünschen ? « » Haben Sie den Aufruf im Wochenblatt gelesen ? « » Ja . « » Ist der von unserm braven Schüchel geschrieben ? « » Wenn Herr Bezirksamtmann erlauben , vom Schüchel ist er nicht . « » Von wem sonst ? « » Ich weiß es auch nicht bestimmt ; es ist nur eine Vermutung . Aber ich habe den Schuhmacher Prantl in Verdacht . « » So , von dem ? Allerdings , von einem Schuster hat der Stil was . « » Der Prantl ist bekannt als Bauernbündler , wenn Herr Bezirksamtmann erlauben . Und die Leitartikel , mit den griechischen und lateinischen Wörtern , sollen auch von ihm sein . « » Der Kerl steckt bis über die Ohren in Schulden ? « » Er steht nicht gut , was man hört . Einmal ist er schon ausgepfändet worden . « » Der hat ' s notwendig ! Schreibt , daß gewisse Elemente vom Handwerker leben . Damit meint er natürlich die Beamten ? « » Jawohl , Herr Bezirksamtmann . Er schimpft überhaupt in allen Wirtshäusern herum . Das hat er schon immer getan , so lang ' ich ihn kenne . « » Das werde ich mir merken . Sagen Sie , Herr Offiziant , der Sternbräu , gibt denn der seinen Saal her zu der Versammlung ? « » Gern auch noch , Herr Bezirksamtmann . « » Was will denn der Mensch ? Er ist doch sehr vermögend . Wie gibt sich der mit solchen Geschichten ab ? « » Wenn mir Herr Bezirksamtmann die Bemerkung erlauben , das ist jetzt überhaupt so . Wo man hinkommt , nichts wie Räsonnieren und Politisieren . Man kann keine Halbe Bier mehr mit Ruh ' trinken ; der Melber Wimmer , der Kaufmann Kolb , da ist einer gescheiter wie der andere . Und der Schüchel geht herum , als wenn er ein Weltblatt herausgeben tät ' . « » Ich kenne meine Nußbacher . Nichts arbeiten , den ganzen Tag in den Wirtshäusern hocken und dumm reden . « » Bei den Bauern merkt man ' s auch schon , Herr Bezirksamtmann . « » Wieso ? « » Es ist nicht mehr wie früher . Wenn man sonst einem was g ' sagt hat , war ' s recht und fertig . Jetzt wird gleich gedroht mit der Zeitung , und so weiter . « » Das ginge mir noch ab ! Wenn einer so was sagt , führen Sie ihn nur herauf zu mir ! Das wollen wir sehen ! « » Gestern erst der Pointner von Zillhofen . Wegen seinem neuen Stallgebäude . Die Pläne sind noch beim Herrn Distriktstechniker , und ich habe ihm das gesagt . Fangt er gleich das Schimpfen an . Wie lang ' er noch warten müsse ? Im Mai hätt ' er eingegeben . Ob das eine Manier sei ? Im Winter könne kein Mensch bauen . Er wolle uns schon ein Feuer anzünden , wenn es noch länger dauern tät ' . « » So , so ? « » Es wird immer schwieriger , Herr Bezirksamtmann . « » Na , dafür bin ich noch da . So weit sind wir noch nicht , daß wir uns einschüchtern lassen . « » Herr Bezirksamtmann haben gestern gesagt , ich soll den Akt vorlegen , betreff Bürgermeisterwahl in Erlbach . « » Richtig , ja . Haben Sie ihn ? « » Ich habe ihn Herrn Bezirksamtmann auf den Tisch gelegt . « » Gut . Übrigens , kennen Sie den ... den ... wie heißt er doch gleich ? « » Den Schuller von Erlbach . « » Ja , Schuller oder so ähnlich , den neuen Bürgermeister ? « » Das ist doch der nämliche , der uns so viel Arbeit gemacht hat wegen der Flurbereinigung , Herr Bezirksamtmann . « » Auch so ein Siebengescheiter ? « » Im Wochenblatt hat es damals bei den Wahlen geheißen , daß er Bauernbündler ist . « » Hm . Also , es ist recht , Schillinger . Guten Morgen . « Otteneder stellte sich an das Fenster und sah auf den Marktplatz hinunter . Es war Schrannentag . Vor dem Rathause standen in langen Reihen die gefüllten Getreidesäcke . Die Käufer gingen von einem zum andern , schöpften mit den Händen Körner heraus , rochen daran und prüften sie sorgfältig . Dann redeten sie mit den Bauern , zuckten die Achseln und gingen weiter . Hier und da gab einer den Handschlag , und man sah , daß der Kauf abgeschlossen war . Der Melber Wimmer war am eifrigsten . Er traf überall gute Bekannte unter den Bauern . Man sah es an der Art , wie er bald hier , bald dort vertraulich grüßte und im Fortgehen sich lachend umwandte . Den Platz weiter hinauf standen viele Wagen , hoch bepackt mit Krautköpfen . Hier waren die Nußbacher Hausfrauen und feilschten und kauften . Der Winter stand vor der Türe ; es war Zeit , das Krautfaß im Keller zu füllen . Und da war auch