Diener wiesen mich ab mit der Weisung , du habest dich bereits niedergelegt und streng befohlen , niemanden vorzulassen . Ich forschte nach Marietta unter dem Vorwand , nach deinem Befinden fragen zu wollen ; man sagte mir , sie sei in deinem Zimmer und man dürfe sie nicht rufen , um dich nicht zu stören . Ich konnte nicht mehr fordern , um keinen Verdacht zu erwecken ; was blieb mir übrig , als hier zu warten , denn die Stunde ist da , wo mein Diener kommen und mir das Zeichen geben muß , daß der Wagen in der nächsten Straße uns erwartet . Aber noch ist es Zeit , o Giulia , einem geträumten überschwenglichen Glück zu entsagen um der kalten , aber der höheren Pflicht willen . Du bleibst die anbetungswürdigste der Frauen , der höchsten Ehren wert ; ich frevle nicht an meiner Bestimmung ; uns bleibt für alle Zeit die Erinnerung an ein seliges , zu kurzes , aber vorwurfsloses Leben und darin der Lohn für das bittere Entsagen . Sprich , Giulia - entscheide - was in diesem Augenblick in mir vorgeht , du kannst es nicht ahnen - in deinen Händen ruht mein Geschick . « Alles dies war in Hast , flüsternd hervorgestoßen , mit einer Stimme , an deren Beben man die namenlose Erregung des Redenden erriet und hatte nur wenige Sekunden gedauert . Nun mußte auch Rosa ihr Schweigen eilig brechen , denn die Zeit drängte und ihre Angst erwachte mit doppelter Gewalt . Sie unterbrach ihn und flüsterte ebenfalls : » Nicht Giulia , Rosa ist es , die hier steht , die in diesem Augenblick im höchsten Leid das höchste Glück genießt , denn Sie wollen siegen . Doch jetzt schleunigst fort ; ich eilte her , um Sie zu retten . Ihrem edlen Willen kommt alles zu Hilfe . « Und nun erzählte sie mit fliegendem Atem , was sie gehört , wie die Herzogin verhindert wurde , zu kommen , wie ihm Enttäuschung in vergeblichem Warten , Gefahr bei irgendeinem kühnen Versuch drohe ; sie beschwor ihn , schleunigst zurückzukehren , damit kein Beauftragter des Herzogs ihn hier finde . Waldemar war außer sich , sein Stolz empörte sich dagegen , Giulia hilflos zu lassen und so von dem Herzog überlistet zu sein und doch sah er ein , daß alles , was er wagen könne , die Sache nur öffentlich machen und die Herzogin bloßstellen würde . Der Gedanke , wie sie ihn beurteilen und daß sie ihn für treulos und verachtungswert halten würde , wenn sie glauben müßte , er habe ihr aus Feigheit nicht Wort gehalten , blitzte ebenfalls durch seinen Sinn . Aber kam nicht wirklich das Schicksal hier mit der rechten Entscheidung ihm zu Hilfe und würde nicht selbst ein so bitteres Verkennen dem Stolz der Herzogin helfen , die gekränkte Leidenschaft zu überwinden ? Denn was er immer instinktiv gefühlt hatte , jetzt wurde es ihm klar : Giulia liebte ihn mit der rasch auflodernden sinnlichen Glut des Südens und solche Glut kann erlöschen vor dem Stolz , vor dem beleidigten Selbstgefühl ; aber die wahre , die selbstlose , die reine Liebe , sie stand jetzt neben ihm in Gestalt des jungen Mädchens , das in völligster Entsagung um seinetwillen alles wagte . Und wie sich diese Gedanken in ihm jagten , rief er mit überquellendem Gefühl : » Rosa , Rosa , mein teurer Schutzgeist , muß ich dir wieder folgen ? « Und mit Ungestüm umschlang er sie und drückte sie an sein Herz . Sie ließ es diesmal geschehen und einen Augenblick ruhten seine Lippen fest auf den ihrigen in einem langen , innigen Kuß ; jetzt durfte sie diese letzte heilige Wonne von ihm , dem Sieger , empfangen als ein Pfand für die Ewigkeit , die in dem Augenblick wie eine Lichtvision durch ihre Seele leuchtete . Da erscholl ein kurzer Pfiff und Waldemar fuhr empor . » Das ist mein Diener , « sagte er , » der mit dem Wagen da ist ; komm , teure Rosa , ich kann dich hier nicht allein lassen , ich will dich geleiten ; Gott sei mit der armen Giulia ! « Aber eilige Schritte nahten sich und Rosa flüsterte : » Nein , ich geh allein , nicht unter Menschen ... « » Friedrich , bist du es ? « fragte Waldemar leise . » Der Wagen ist bereit , Hoheit , « sagte der Diener ; » aber ich glaube , daß der Herr Baron gleich hier sein wird . Die Herren sind in größter Aufregung ; der Herr Professor hat den für ihn zurückgelassenen Brief bereits gefunden und ich hörte den Herrn Baron sagen : ich eile zu dem Palast Santomara ; hoffentlich ist es noch Zeit ; der Prinz muß es wissen , daß der Brief da ist , der ihn auf der Stelle zurückruft an das Sterbebett der Mutter ... « » O Gott , das auch noch ! « rief Waldemar schmerzvoll . » Ja , Rosa , doppelt und dreifach bist du mein Schutzgeist , daß du mich zurückhieltest , sonst hätte ich jetzt auch meine Sohnespflicht versäumt . « In dem Augenblick ertönten Schritte und Stimmen von der Seite der Straße her , wo der Wagen wartete . » Das sind die Herren ! « sagte der Diener . » Leb wohl , Rosa , leb wohl ! Du wirst von mir hören ; ich eile zu den Gefährten , damit hier im Palast nichts gehört werde . Glück und Segen über dich ! « Mit diesen Worten eilte der Prinz seinen Begleitern entgegen und der Diener folgte , indem er zu sich selbst sagte : » Er fängt gut an , mein junger Herr ! Mit der einen wollte er fliehen , mit der anderen steht er hier in dunkler Nacht zusammen ! Na , da hat der Herr Professor auch vergeb ' ne Müh