starrten ratlos zwei hellblaue Augen . Im Bergwald war Hans eine schöne und jugendlich männliche Erscheinung ; aber hier , auf der Königgrätzer Straße , sah er recht komisch aus . Eine ganz auffallend gekleidete junge Dame ging dicht an ihm vorüber , blickte ihm verwundert ins Gesicht und lachte ihn aus . Er sah hinter ihr her und wunderte sich , daß eine solche Dame so unpassend sein konnte , denn sie trug einen Hut mit so großen Federn , wie Hans noch nie gesehen , schwang einen nadeldünnen Schirm in der Hand und trällerte vor sich hin . Dem Hans wurde schwach im Herzen , und seine Sehnsucht nach der Heimat war mit einem Male wieder ganz heftig , daß sie ihm weh tat , denn er fühlte sich gänzlich verlassen von diesen eiligen Menschen , die nur alle gerade vor sich hinsahen . Da aber gedachte er , daß er ja keine unrechten Dinge vorhatte , und fiel ihm der Gesangbuchvers ein , den er oft mitgesungen in der kleinen Dorfkirche , vor deren Fenstern die Linden standen : » Befiehl du deine Wege Und was dein Herze kränkt , Der allertreusten Pflege Des , der den Himmel lenkt . Der Wolken , Luft und Winden Bestimmte Ziel und Bahn , Der wird auch Wege finden , Da dein Fuß gehen kann . « Eine wunderbare Tröstung und Zuversicht überkam ihn , so daß er rüstig ausschritt durch das Treiben und Ziehen der Menschen hindurch , denn es schreckte ihn nicht mehr die Leere ihrer Gesichter , und daß sie gestorbene Seelen hatten , welches ihm bewußt geworden war , ohne daß er Klarheit über dieses Wissen hatte . Zweites Buch Die erste Zeit in Berlin war für Hansen recht traurig , denn sie brachte ihm große Enttäuschungen , weil er gemeint , auf der Universität müsse ganz Besonderes und Herrliches sein , und unter der Wissenschaft dachte er sich etwas Befreiendes und Beglückendes , das ihm in unklarer Weise als das höchste aller irdischen Hoheit vorschwebte ; er konnte noch nicht wissen , daß dieses Besondere und Herrliche nicht ein greifbar Vorhandenes ist , sondern vielleicht nur eine Gemütsverfassung sein kann , die einige begabte Menschen mit der Zeit durch ihre Beschäftigung mit wissenschaftlichen Dingen erhalten . Und nun fand er ein großes und graues Gebäude , das nach Staub aussah , dann eine Diele , in der sehr viele Studenten standen und gingen , die gar nicht der Vorstellung glichen , die er sich von Studenten gemacht , sondern eher wie recht unelegante Kaufmannskommis schienen und fast alle außerordentlich spießbürgerliche Gesichter hatten ; und endlich war da ein niedriger Kollegsaal mit vielen Bänken , mit einem muffigen Geruch . Der Professor trat ein und wurde mit Trampeln begrüßt , und war ein ganz kleiner Mann in einem dicken Pelz und mit einem recht abgenutzten Zylinder ; wie er diese Stücke an den Kleiderhaken hängte , machte er eine komische Hüpfbewegung , und dann trat er auf den Katheder , nickte mit dem Kopf und entfaltete ein uraltes , gebräuntes Heft , aus dem er mit monotoner Stimme außerordentlich lange Perioden vorlas , indessen sein schwarzer Rock speckig glänzte . Die Studenten schrieben mit heftigem Eifer nach , ohne daß einer den Kopf hob , und nachdem Hans zuerst immer gedacht hatte , es müsse noch etwas kommen , schrieb er am Ende auch nach ; weil er aber langsam mit der Feder war , so kam er bald zurück und konnte nicht mehr folgen , und so saß er zuletzt recht ratlos und unglücklich da . Wie die Glocke zum Schlagen aushob , ließ der Professor plötzlich seine Stimme zu einem Murmeln sinken , hörte mit dem Ende des Satzes auf , klappte das gebräunte Heft zusammen , hüpfte nach seinem Pelz und Hut und ging hinaus . Die Studenten aber schnappten ihre Tintenfässer zu , steckten die Hefte in die Mappen und gingen gleichfalls . Das war die erste Vorlesung , und die weiteren hatten einen ähnlichen Charakter . So wurde Hans niedergeschlagen und bekümmert , denn wie er nun mit seinen Heften unterm Arm zum Essen ging und sich bedachte , was er gelernt habe in diesen Stunden , da fand er gar nichts in seinem Gedächtnis , außer die Vorstellung von einem ungeheuren und wüsten Raum , in den er hineingestoßen war , damit er weitergehen solle , und sah weder Weg noch Wegweiser . Gleich hinter der Universität , am Kastanienwäldchen , war damals ein Speisehaus , wo ein sehr großer Teil der Studenten aß . Hans folgte der Menge und kam in kleine Stuben , wo an Tischen dichtgedrängt die jungen Leute saßen und eilig ihre Speisen verzehrten , indessen Kellner in jägergrünen Joppen mit Hirschknöpfen geschwind mit Schüsseln und Tellern herumliefen und der Strom der eintretenden Gäste dem Strom der herauskommenden begegnete . Wie Hans einen Platz gefunden an einem Tisch , dessen übrige Stühle besetzt waren , und die fleckige Speisekarte genommen , kam hastig ein Kellner im Vorbeilaufen heran und fragte , so daß Hans erschreckt aufs Geratewohl bestellte , denn er war schon durch die Eile und Menschenmenge geängstigt . Dann aß er und trank mit der Schnelligkeit , die er bei den andern sah , denn hinter dem einen Tischgenossen wartete bereits einer auf dessen Platz ; und wie er fertig war , kam der Kellner wieder , zählte zusammen , und Hans bezahlte , und weil ihm gesagt war , daß man in Berlin den Kellnern Trinkgeld geben mußte , so legte er ihm fünf Pfennige in die Hand mit einem höflichen und verlegenen Murmeln , denn er scheute sich und fürchtete , der Kellner würde beleidigt sein . Wie alles abgemacht war , hatte er ein leichtes Herz und ging durch die gedrängten Zimmer zurück aus dem Hause . Da fühlte er sich recht einsam und verlassen ; denn einige gelbe Blätter hingen an den Kastanienbäumen , Sperlinge zankten sich auf der Straße