die Kinder dieser Tochter ? « » Sie sind es . « » Wenn du die Namen wüßtest ! « » Ich kenne sie , denn wenn ich nach Isphahan komme , pflege ich sein Gast zu sein . Die Tochter heißt Aelmas . Ihr Mann war ein türkischer Offizier , der in Damaskus erschossen worden ist . Ihr Sohn , welcher heut mit seinem Großvater hier bei uns ist , heißt Ikbal , ihre Tochter Sefa . « » Ist die Tochter verheiratet ? « » Nein . Sie will im Hause Agha Sibils bleiben . « » Wie kommt es , daß die Tochter eines persischen Kaufmannes in Isphahan die Frau eines türkischen Offiziers in Damaskus geworden ist . Dieser letztere ist doch wahrscheinlich Sunnit gewesen , während sie Schiitin war ! « » Ich glaube , im Kreise der Familie sogar gehört zu haben , daß er vordem Christ gewesen ist . Wenn ich mich nicht irre , stammte er aus dem Lande , welches man Lehistan14 nennt . Er lernte den Kaufmann in Palästina kennen , wo dieser damals wohnte . Als die Tochter desselben seine Frau geworden war , kam er nach Damaskus . Agha Sibil zog mit . Bei der großen Christenverfolgung dort ereignete sich das schwere Unglück , welches die Familie traf . Der Offizier wurde wegen Ungehorsam erschossen . Agha Sibil wurde vollständig ausgeplündert und mußte als Schiit fliehen . Es gelang ihm , mit der Tochter und deren Kindern nach Persien zu entkommen , wo er ein neues Geschäft begann und es durch Fleiß und Ehrlichkeit zu seinem jetzigen Vermögen brachte . Deine Augen leuchten , Effendi . Warum ? War dir von dem , was ich erzähle , vielleicht schon etwas bekannt ? « » Ja , « antwortete ich , indem ich vor freudiger Erregung im Zimmer hin und her zu gehen begann . » Was ? Oder wer ? « » Wer ? Der Offizier . « » Kanntest du ihn , ehe er erschossen worden ist ? « » Nein , sondern als er erschossen worden war . « » So hast du seine Leiche gesehen . « » Leiche ? Hm ! Ja ! Denn er war eigentlich eine Leiche . Aber ich habe mit dem Erschossenen gesprochen . « » Maschallah ! Tote reden doch nicht mehr ! « » Zuweilen doch ! Besonders Erschossene , welche keine Kugel bekommen haben ! « » Keine - - Kugel - ? Effendi , du scherzest wohl ! « » Ich spreche im größten Ernste . Ich habe mit dem Toten gesprochen , und ihr beide kennt ihn auch . « » Wir - - - ? Daß ich nicht wüßte ! « » Ich habe euch doch von jenem alten Bimbaschi in Bagdad erzählt , welcher dann Mir Alai geworden ist ! « » Allerdings . Bei dem du wohntest , und der von dem Säfir gefangen genommen wurde ? « » Derselbe ! Er ist nun ein doppelter Bekannter von euch , denn ihr kennt ihn erstens durch mich und zweitens durch den Kaufmann Agha Sibil . Ich bin sogar nun überzeugt , daß ihr ihn auch noch persönlich kennen lernen werdet . Er ist nämlich der Offizier , welcher damals in Damaskus erschossen wurde . « Da fuhr der Pedehr von seinem Sitze auf , als ob er von einer gewaltigen , unsichtbaren Spannfeder emporgeschnellt worden sei . » Der Christ , um den so viel geweint worden ist ? « rief er aus . » Der Sunnit , dem die Schiiten treu geblieben sind , obgleich er starb ? Der Mann , der von seinem Weibe angebetet wurde ? Der Vater , den seine Kinder heut noch lieben , obwohl sie sich seiner Person nicht erinnern können ? Der ist nicht tot ? Der lebt noch ? Der ist ihnen allen , allen auch ehrlich treu geblieben , trotzdem er in ein anderes Land gegangen war ? Effendi , ist das wohl zu glauben ! Ich weiß , daß du nicht lügst , doch bitte ich , erzähle uns , wie das gekommen ist ! « » Ja . Ich will und muß es euch erzählen . Ich will euch nicht warten lassen , bis er selbst erscheint , um euch zu beweisen , daß , wenn Gott will , der Tod nur eine leere Sage ist . Setzt euch hier vor mir nieder , und hört , was ich berichte ! « Da sie über den alten Zoll-Bimbaschi schon alles Uebrige von mir erfahren hatten , so brauchte ich jetzt nur über das zu sprechen , was mir von ihm über seine Familienverhältnisse mitgeteilt worden war . Ich schilderte hierauf seine Trauer über die scheinbar Verlorenen und erwähnte schließlich meine Bemühung , die Hoffnung in ihm zu erwecken , daß sie doch vielleicht noch leben könnten . Da stand der Ustad von seinem Sitze auf , legte die Hände langsam ineinander und sagte , indem ein tiefer Atemzug seine Brust schwellte : » Du hast zu diesem deinem Freunde von einer Auferstehung der Totgesagten gesprochen , und wir sind berufen , diese Auferstehung in das Werk zu setzen . Auch ich kenne einen Totgesagten . Er wird von Vielen , Vielen für tot gehalten . Sie glauben jetzt , daß er in ein anderes Land gegangen sei . Wie denkst du über ihn , Effendi ? Du weißt ja , wen ich meine ! « Da fühlte ich , daß ein ganz seltenes Licht in meine Augen kam . Es wallte mir heiß vom Herzen nach dem Kopfe . Ich ging zu ihm hin , schlang meinen Arm um seine Schulter , legte meine Wange an die seine und fragte ihn : » Wünschest du , daß er von diesem aufgezwungenen Tode auferstehe ? « Er nickte nur , sagte aber nichts . Doch legte er seine Hand an meinen Kopf , um ihn fest an den seinigen zu drücken . »