, alle hatten sich bald abgewendet und geseufzt : » Ach , was für ein Mädchen ! was für ein Mädchen ! « Seit Josefine studierte , sah sie kaum jemals mehr eine der früheren Bekanntinnen . Um Sommerfliegen zu vertreiben , ist nur ein kleiner Wind nötig , und über das Geyersche Haus war ein Vernichtungssturm ergangen . Aber auch mit den Schwestern und Schwägern war jeder Verkehr abgebrochen . Da geschah es , daß Josefine mit Bernstein und Zwicky aus dem Kolleg ging , und daß ihnen eine schlanke Dame in elegantem pelzbesetztem Kostüm begegnete . Sie hielt eine Lorgnette mit langem Stiel vor die Augen . Als sie in die Nähe der drei Studenten kam , stutzte sie , errötete und ging quer über die Straße nach dem jenseitigen Trottoir . Josefine senkte den Kopf und erhob ihn dann plötzlich mit einer ihr eigentümlichen , energischen Bewegung . » Kommen Sie , Zwicky , « sagte sie laut , » wir versperren den Weg . « » War das nicht - ? « begann der Student , mit verstörtem Gesicht der Dame nachblickend , die in entgegengesetzter Richtung drüben weiterging . » Wohl ... ich habe sie gesehen . « » Grüßt nit emal ? « » Ich bin ' s ja gewohnt . Wir haben sie , scheint ' s erschreckt . « » Verfluchte Sauerei ! « platzte der junge Mann los , ganz rot und beleidigt , mit Falten auf der Stirn . Bernstein , der etwas voraufgegangen war , blickte sich schlau lächelnd um . » Ech , Ihre Schwester , glaub ich ? « » Grüßt nit emal ! « wiederholte der Junge empört . Bernstein schob den runden Hut noch mehr in den Nacken , er zuckte die Achseln . » Wozu brauchen Sie sie ? Was brauchen Sie von ihr ? Denken Sie , daß sie versteht gar nicht ! Daß Ihre Schwester ist eine Hausfrau - « - « » Verfluchte Sauerei ! « schrie Zwicky . » Eine Kaufmannsfrau ! was versteht eine Kaufmannsfrau , « fuhr Bernstein gemächlich fort . » War es sehr unangenhm für Ihre Schwester ! Man muß nicht böse sein , nur ein bißchen verstehen ! Sehr unangenehm für Ihre Schwester ! « » Für mich auch ! « knurrte der Schweizer . Bernstein stieß mit dem Fuß eine Orangenschale vom Trottoir . » Nein . Es ist sehr interessant ! Sind Sie beleidigt ? Ech , was kümmert Sie ! Eine gewöhnliche Dame ! nicht intelligent , ganz anderer Kreis , ganz andere Anschauung . Wozu haben Sie diese Dame nötig ? « Zwei Tage darauf erschienen Adele und Marie im Haus » Zum grauen Ackerstein . « Wieder war es Abend . Aber die Wohnung war nicht leer und traurig wie bei ihrem letzten gemeinsamen Besuch . Alle Fenster schimmerten hell , und auf dem schmalen Korridor hörte man die Stimmen lebhaft sprechender Menschen . Josefine kam heraus , angeregt , den Kopf hoch , die Augen glänzend . Neugierig blickten die Schwestern in die halboffene Tür hinter ihr , drei oder vier Herren in eifriger Unterhaltung waren zu erkennen . » Ach , du hast wohl Besuch ? « sagte Adele in förmlichem Ton , » wir entziehen dich deinen Gästen . « » Kommt herein , wenn ihr wollt ! Es sind Kollegen - « Josefine stand da und blickte von einer der Schwestern auf die andere . Sie wehrten mit übertriebenem Schrecken ab . » Wir ? zu lauter fremden Herren ? Nein , das bringt nicht jede fertig ! « hüstelte Marie und versuchte ihrem weichen Gesicht einen strengen Ausdruck zu geben . » Wir wollten dich allein , Josy . « Josefine wendete sich ins Zimmer zurück . » Fräulein Helene , kann ich meinen Besuch in Ihr Zimmer führen ? Erlauben Sie ? « » Besuch ? Damen ? « scholl eine kräftige Stimme zurück . » Unmöglich ! eine schreckliche Wirtschaft bei mir . Alles voll Flickerei . « » Bernstein , kann ich in Ihr Zimmer ? « » Keineswegs ! keineswegs ! « Ein lautes Gelächter brach los . Zwicky kam zu Josefine hinaus , grüßte die Besucherinnen mit einem kurzen Kopfruck nach seitwärts und sagte , während das Blut ihm in die Stirn stieg : » Bei mir ist ' s leidlich , Frau Josy , die Damen begreifen schon , daß man arbeiten muß . « Und ohne sich weiter zu verabschieden , trat er trotzig den Rückweg ins Wohnzimmer an . » Verzeiht , « sagte Josefine lächelnd , » so ist ' s jetzt bei uns , aber der Zwicky hat immer eine gute Ordnung , hier herein , bitte . « » Wollen wir nicht lieber in dein Schlafzimmer - « Aber Marie fiel ihrer Schwester ins Wort . » Laß nur , Adele , dort ist wohl nicht geheizt , und ich huste immer noch . Wir sind ja auch nur gekommen - « » Hier ist Zwickys Bude , ich bringe sofort Licht , sitzt inzwischen . « Die beiden saßen im Dunkeln . Sie seufzten und beratschlagten . » Adele ! fang du an . « » Du hast herkommen wollen , Marie . Ich sagte und sage noch : vollständig hoffnungslos . « » Hat sie denn nit emal e Bedienung ? Das ist ' ne Wirtschaft . « » Bohême , meine liebe Marie . « » Sie sieht aber sehr gut aus . « » Find ich auch ! Sogar auf der Straße neulich . So jung ! « » In einer Studentenbude uns zu empfangen ! Unglaublich ! « Adele versuchte in der Dämmerung des Zimmers , das eine Glastür hatte , etwas zu erkennen . » Das ist wohl das frühere Wartezimmer . Ein hübscher Bursch , gelt ? « » Wer ? der Zwicky , meinst du ? hübsch wohl , flott , aber er grüßte kaum .