mit Laternen herangeschwommen , und es wurde heller durch die vielen Laternen . Ich wunderte mich über die Größe dieses Felsenpalastes und sprach auch über die unsichtbaren Geister , durch deren Dienste die Treppen so überflüssig geworden seien . Und ich bedauerte , daß die Eindrücke , die ein gewöhnlicher Mensch in seinem gewöhnlichen Erdenleben hat , so hart und umständlich sind . » Man muß , « erhielt ich zur Antwort , » das Eine wie das Andre zu schätzen wissen ; überall sind eben die unendlichen Reihen ; die Situationskomödien sind in der Welt so mannigfaltig wie alles Andre . « Der Oberpriester Lapapi sprach vom Schattenspiel des irdischen Lebens und meinte milde : » Es ist doch nicht zu tadeln , daß gewisse Sinneswelten wie diejenige , die Du auf der Erde kennen gelernt hast , so viel scheinbar Konstantes und Kompaktes haben . Dafür hat ja auch der Mensch das Leben im Schlafe . Daß sein Leben im scheinbar wachen Zustande oft so feste , eckige Formen empfängt , steigert doch nur die Empfindungsfähigkeit . Wie wäre sonst der Begriff der Vergänglichkeit zu erzeugen ? Und der gehört doch auch ins große Dasein hinein . Alte Lampen können nicht so ohne weiteres als ewige Existenzdokumente auftreten - alte Manuskripte ebenfalls nicht- und alte Menschen erst recht nicht . Auch in diesen Vergänglichkeitskomödien bilden sich überall die schon so oft von uns erwähnten unendlichen Reihen . Sie wirken überall - und bewirken , daß wir über die Notwendigkeit oder Überflüssigkeit des scheinbar Daseienden nicht reden und auch nicht denken können . Die unendlichen Reihen des großartigen Spukreiches , das wir für Weltleben halten , umketten und umkränzen uns überall . Auch die Dummheit und die Klugheit zeigt überall die unendlichen Reihen- es kann Keiner der Dümmste und auch keiner der Klügste sein - drüber und drunter ist immer noch mehr . Und dieser Unendlichkeitszauber , der überall Alles beherrscht , ist das Herrlichste von Allem was wir haben . « Er sprach so weiter und mir wurde so - betrunken zu Mute ; die vielen Tonnen und der flüssige Boden trugen wohl zu meiner Stimmung bei . Wir schwammen jetzt aus einem Gewölbe ins andre - um mächtig dicke Säulen rum . Und ich bewunderte die Pilzbildungen in den Gewölben und an den Säulen , die an vielen Stellen weiß wie Schnee und dann wieder dunkelbraun und schwarz waren - auch mal ganz bunt schillerten - und zuweilen leuchteten - unheimlich- wie dicke Gespensterbeine . Als der Oberpriester Lapapi zu reden aufgehört hatte ( seine letzten Worte hatte ich gar nicht mehr begriffen ) , sprach ich von meiner Trunkenheit . Dazu lachten aber die alten Herren , und der Ramses rief mir laut lachend zu : » Da siehst Du nun , daß es auch unendlich viele Arten von Betrunkenheit gibt - auch in der stecken die unendlichen Reihen . « Ich wollte noch viel darüber sagen , den Alkohol für eine Krücke und die gewöhnlichen menschlichen Rauschzustände für bedauerlich in Folge der Katerleiden erklären , aber man schnitt mir kurz das Wort ab und behauptete , daß auch der Kater seine Glanzseiten habe - ich sollte nur mal nachsehen , ob ich nicht eine Geschichte hätte , die das beweisen könnte . Ich fand sehr schnell eine solche . Aber ich sollte sie nun vorlesen - wurde von unsichtbaren Händen auf ein großes Faß gestellt - und die sieben Herren zogen sich mit ihren sieben Laternen in die äußersten Winkel zurück . Ich wunderte mich jetzt , daß die Tonnen alle so schwammen , wie sie auf dem Erdboden stehen . Und dann las ich . Es war sehr unheimlich . Meine Stimme schallte oben in den Gewölben so laut , daß mir sehr bald die Ohren schmerzten . Aber ich las trotz meiner Ohrenschmerzen mit fester Stimme meine Geschichte zu Ende . Meine Tinte ist meine Tinte Ein Klexosophicum Eine sehr stille Sommernacht ! Matte Dämmerung mit traumschweren Gardinen und sanften säuselnden Winden . Ich liege in weichen schneeweißen Betten . Und die Betten sind so schwer . Es plätschert was - tropft . Drüben ist es , am Schreibtisch . Aber da ist ja so viel Schwarzes auf dem Schreibtisch - so viel Schwarzes . Sanft säuselnde Winde draußen . Auf dem Schreibtisch tropft es - sollte das meine Tinte sein ? Meine Tinte ist meine Tinte . Aber sie ist so lebendig . Sie geht ja aus dem Tintenfasse raus . Und es ist viel Tinte , so viel schwarze Tinte . Jetzt ist sie bei mir und beugt sich über mein Bett - wie eine kleine Milchstraße - wie eine kleine schwarze Milchstraße . Jetzt tropft es wieder , und schwarze Tropfen fallen auf meine weißen Betten . Dort in der Ecke über meinem rechten Fuße sitzt ein großer schwarzer Klex . Und der Klex - ein ganz runder ist es - ist der Stil . Neben dem runden Klexe entsteht nun ein viereckiger Klex - der heißt Ziel . Und zwischen den Beiden bewegt sich ein schwarzer Tropfen wie eine Quecksilberkugel auf einer Menschenhand - die Kugel ist das Spiel - das große Spiel . Bin ich in einer Spielschachtel ? Woher kenne ich alle die klingenden Namen ? Sie klingen so gut zusammen wie die guten Reime in alten Gedichten . Am Stil ist das Ziel das Spiel , es dreht sich . Im Stil sitzt das Spiel hinterm Ziel . Hinterm Ziel ! Wie stilvoll das Spiel ist ! Auf dem Stil liegt der alte Nil - ein schwarzer Bindfaden . Jetzt weiß ich : der Nil ist der schwarze Faden , an dem spielt das Ziel mit dem Kiel und dem Zuviel - das sind neue Klexe - vieleckige Klexe - mit Raupen . Schwarze Raupen kriechen über den Nil - wohl Neger . Meine Tinte ist meine Tinte - bei der ist Alles möglich . Mein schöner weißer Kopfkissenbezug bekommt auch was ab - meine Betten