Fürsprech , harmlos dahinschreitend und leutselig grüßend , als ginge ihn die Geschichte nichts an , dann plötzlich mit riesigen Sekundanten-Sprüngen im Weinberg verschwindend - im Grase den steilsten Hang hinab das Lehrerlein , flink wie ein Gummiball , die Ellbogen gleich Schwingen rührend und mörderlich trompetend vor Freuden über sein neugewonnenes , junges , grünes Leben . Da war nichts mehr zu holen . Während er also im Saal verzog , aufgewühlt und unbefriedigt , gleich der Dogge , der man die Schüssel vorzeitig weggenommen , traf das lamentierende Spektakeln des Vaters sein Ohr , fern , doch unverkennbar . Als ob eine Mine unter ihm geplatzt wäre , fuhr er in die Höhe . Und bei jedem neuen Laut der väterlichen Stimme , der zu ihm drang , juckte er empor . » Jetzt entweder oder « , knirschte er , » jetzt muß sichs entscheiden « , und leidenschaftlich die Arme verwerfend , jagte er mit Gewaltsätzen ins Freie . Ein rotgoldener Lichtjubel blendete sein Auge , jauchzendes Beifallrufen sein Ohr . Aber haarscharf , wie in Metall gebosselt , ragte aus dem Glanze Cathris Büste , als stände sie unmittelbar vor ihm . Er tat einen Seitensprung und schüttelte die Arme : » Heran nun mit Eurem Hans , wenn er es wagt ! « Diesmal entfloh sie , die Augen voll Schrecken , obgleich eine mehrfache Menschenwand sie vor ihm schützte . Doch das war nur so nebenbei . Auf das Haus jagte er nun zu , die Lippen geöffnet und die Sprache entfesselt , denn keine Überlegung drückte mehr auf den Kehldeckel . » Und nun , Vater , habe ich mit dir ein Wörtchen zu reden . Lange genug habe ich geschwiegen , jetzt aber muß es heraus , und zwar so , daß es alle Welt vernimmt . Das Leben , sag ' ich dir , das Leben , wie ich es bisher ausgestanden , hat von heute an ein Ende . Ich will nicht länger den unmündigen Buben vorstellen , den man schilt , zankt , abkanzelt , den mißhandelten Knecht , an dem man seine üblen Launen ausläßt ; ich begehre eine Stellung im Hause , wie sie dem Sohne gebührt , einen Winkel im Heimwesen , wo ich frei nach eigenem Ermessen schalte , wo mir niemand dazwischenredet , wo ich keinem Menschen Rechenschaft schuldig bin , kurz , wo ich befehle . « » Befiehl , befiehl « , eiferte der Alte , » du bist ja jetzt der Herr , wie es scheint , ich bin längst abgesetzt . « » Entweder du behältst das Geschäft und ich baure , oder ich übernehme die Wirtschaft und du das Land . « » Nimms doch , nimms « , flennte der Alte , » wenn du doch meinen Tod nicht abwarten kannst . Nimms alles . « » Ich verlange keineswegs alles , ich will bloß meinen billigen Teil , damit man mir mit Achtung begegne , damit ich Frieden habe , damit ich meines Lebens froh sein und lachen kann , damit ich nicht meine Mahlzeit mit Ärger hinunterwürgen muß . Entweder du ziehst mit der Mutter in den oberen Stock und ich wohne unten , oder umgekehrt , du unten und ich oben . « » Ich kann ja meinetwegen mit der Mutter im Stall bei den Pferden wohnen , das kommt dich billiger zu stehen . Ohnehin brauchen wir ja nichts weiter mehr als ein Bündel Stroh zum Sterben . « » Mit solchen schändlichen , lästerlichen Redensarten ist mir nicht gedient . Ich heische einen vernünftigen , verpflichtenden Bescheid . Und zwar einen sofortigen . Willst du , oder willst du nicht ? « Ein beistimmendes Gemurmel der Menge unterstützte seine Forderung , so daß der Alte sich einer einhelligen öffentlichen Meinung gegenüber sah . Er jagte einen giftigen Blick unter das Volk , fletschte knurrend die violetten Lippen , spuckte mehrmals aus und verzog sich dann ohne Antwort ins Innere der Stube . Da verrückte dem Jungen wahnsinnige Leidenschaft den Verstand . » Gut denn « , schleuderte er dem Vater nach , » so geh ' ich fort von heim , und niemand erblickt mich wieder . Und zwar augenblicklich , nur daß ich keine Stunde länger in diesem ungerechten , lieblosen Hause verbleiben muß . « Ein empörter Aufruhr mißbilligte den Bescheid . Einige suchten ihn zu begütigen , andere traten ins Haus , um dem Vater zuzureden . Anna , welche der bedrohliche Auftritt herbeigezogen hatte , fiel dem Bruder weinend an die Brust . » Conrad ! « flehte sie . Er riß sich los . » Leb wohl , Vater « , rief er dröhnend , » du siehst mich nie mehr . Grüß mir die Mutter . « Wieder brauste die Entrüstung . Wohin er sich auch wandte , ward er freundschaftlich gehemmt , umringt , zurückgedrängt . Da , unversehens , stürzte der Vater wie ein wildes Tier ans Fenster . » Ja , ja , ja , ja denn ! « brüllte er , mit Gebärden , als ob er etwas hinschmisse . Wie Erlösung seufzte es aufatmend durch die Reihen , denn die aufregenden Ereignisse hatten alle Anwesenden der Familie angegliedert . Nun näherte sich Conrad festen Schrittes dem Vater : » So ists also dein wahrer , ernsthafter Wille ? « » Ja , ja , ja « , wiederholte der Alte gereizt , den Nacken schüttelnd . » Reicht euch die Hände « , rief es aus dem Volke . » Es sei « , genehmigte Conrad , » gib mir die Hand darauf « , und reichte die seinige dar . Der Alte sperrte sich , als ob er in ein Schlangennest greifen sollte . Endlich gewann er sichs doch ab , mit einem heftigen Ruck , der die dargebotene Rechte wegstieß , nachdem er sie kaum gepackt hatte . » Die Landwirtschaft oder das Geschäft ? « Der Alte keuchte