» die Sorbitz ! « Himmel und Hölle ! Als es zuerst sein Ohr traf , er glaubte sich verhört zu haben . Und dann wieder und wieder : » die Sorbitz ! « Als ob man von der ersten besten Komödiantin spräche ! Sie waren alle halb betrunken gewesen ! Ich auch . Ich hätte sonst diese Blasphemien nicht so geduldig mit angehört ; hätte diese Burschen - wo bin ich denn eigentlich ? Er stand still . Die Straße , in der er sich befand , kam ihm ganz fremd vor . Dann entzifferte er in dem Flackerlicht einer Laterne an der Ecke mühsam den Namen . Es war nicht so schlimm : nur ein geringfügiger Umweg . Aber seine Uhr hatte auf beinahe vier gewiesen . Wenn Klara doch aufgeblieben wäre ! Er hatte sie so dringend gebeten , diesmal von ihrer Gewohnheit abzuweichen : er sei gewiß , es werde sehr spät werden . Dennoch - Richtig ! Da oben in den Fenstern seines Arbeitszimmers noch Licht ! Und vor der Hausthür eine Droschke ! Jäher Schreck durchrieselte ihn . Wen haben Sie gefahren ? Der Kutscher raffte sich mühsam aus seinem Halbschlaf auf . Weiß nicht . Wird wohl ein Doktor sein . Ich soll warten . Wo haben Sie ihn abgeholt ? Gar nicht . Er hat mich auf der Straße angerufen . Ein Mädchen war bei ihm . Albrecht hatte genug gehört . Sein Rausch war völlig verflogen . Im ganzen Hause war kein Licht , außer bei ihm . Hastig schloß er auf . Ein Glück , daß er jede Stufe seiner drei Treppen so genau kannte : die kleine Lampe , die ihn sonst erwartete , war nicht da , und in dem Hause war es grabfinster . Die Thür zu seinem Flur brauchte er nicht aufzuschließen , sie stand offen und auf dem Tischchen unter dem Spiegel die unten vermißte Lampe . Er warf den zusammengedrückten chapeau claque auf das Tischchen - Paletot und Galoschen auszuziehen ließ er sich keine Zeit - und stürzte in sein Zimmer . An dem Schreibtisch beim Schein der Studierlampe saß einer und schrieb - sein Hausarzt . Der wandte jetzt den Kopf , blickte dann wieder auf das Papier und erhob sich . Guten Abend , oder vielmehr guten Morgen , lieber Professor ! Wir haben hier inzwischen eine böse Zeit gehabt . Glücklicherweise ist es nicht ganz so schlimm , wie Ihre Frau fürchtete . Baby ? Nein , Helenchen . Ihre Frau glaubte : Diphteritis . Ich , offen gestanden , im ersten Moment auch . Aber wir werden wohl mit einer gründlichen Halsentzündung davonkommen . Klara war plötzlich im Zimmer , Albrecht hatte sie nicht eintreten hören . Bist Du endlich da ? - Kann das Mädchen gehen ? Ich habe meine Droschke noch unten ; muß so wie so an der Apotheke vorüber und nehme am besten Auguste , so heißt sie ja wohl ? - gleich mit . Sie soll dann selbstverständlich auf das Rezept warten und die Droschke zur Rückfahrt benutzen . Es liegt mir daran , daß Helenchen die Medizin möglichst schnell bekommt . Aber dann müßten Sie gehen . Das thut nichts ; ist auch nicht so weit . Vorläufig wollen wir noch mal nach der Kleinen sehen . Man ging nach dem Kinderzimmer , in welchem jetzt auch Klara mit Baby schlief . Das Bettchen von Fritz und die Wiege waren entfernt . Es ist in solchen Fällen immer gut , wenn man vorsichtig ist , sagte der Doktor im Flüsterton . Er hatte sich über die kleine Kranke gebeugt und richtete sich nach einer halben Minute wieder auf . So ! Es bleibt also dabei , Frau Professor . Und was ich sagen wollte - Er gab noch einige Verhaltungsmaßregeln und ging dann , während Klara bei dem Kinde blieb , mit Albrecht über den engen Korridor in das Vorderzimmer zurück . Liegt Gefahr vor , Doktor ? Lieber Freund , Gefahr - das ist für uns Ärzte ein weites Wort . Ich meine : müssen wir uns auf das Schlimmste gefaßt machen ? Nach meiner Philosophie sollte man das eigentlich immer . In diesem speciellen Falle brauchen wir nicht ganz so stoisch zu sein . Ist das Mädchen da ? Na , also gute Nacht . Ich komme morgen , oder heute früh , wahrscheinlich schon um neun . Noch eins ! Sie haben eine verständige , tapfere kleine Frau . Bringen Sie mir sie nicht aus dem Text ! - Das war wohl heute ein großer Zauber ? Ich mag nicht daran denken . Ja , das Leben gefällt sich in Kontrasten . Auf Wiedersehen morgen ! Doktor Ribbeck stieg mit dem Mädchen die Treppen hinab ; Albrecht war wieder im Studierzimmer . Er griff sich mit beiden Händen an den brennenden Kopf : O , Gott , Gott , straf ' mich nicht so hart ! Nimm mir meinen Liebling nicht ! Er entledigte sich jetzt der Galoschen ; den Paletot behielt er an . Ihn fröstelte . Wer setzt sich auch im Ballanzuge an das Bettchen seines todkranken Kindes ? und seine Hauskleider befanden sich in dem Zimmer , in welchem jetzt die beiden andern Kinder schliefen . So geräuschlos er konnte , schlich er in das Krankenzimmer zurück . Klara saß an dem Bettchen ; er nahm den Stuhl , auf dem der Doktor vorhin gesessen hatte . Von dem Licht der verhüllten Lampe auf dem Tischchen zwischen den Fenstern kam nur ein schwacher Schein , aber hell genug , daß er sehen konnte , wie die Bäckchen des Kindes brannten . Es warf sich unruhig im Halbschlaf hin und her und murmelte von Zeit zu Zeit abgerissene , unverständliche Worte . Wann hat es angefangen ? fragte er flüsternd . So um halb elf . Ich machte zuerst nichts daraus . Schien auch besser zu werden . Aber um zwei - Das Kind hatte plötzlich laut aufgeschrieen ;