zweite ? Man kann ja sagen , soviel will ich zugehen , sie haben die Blechmützen und sehen aus , als ob sie lauter Holländerinnen heiraten wollten ... Was ihnen schon gefallen sollte . « » Den Holländerinnen ? « » Nun , denen auch « , lachte die Tante . » Aber ich meinte jetzt unsre Leute . Mißverstehe mich übrigens nicht . Ich weiß recht gut , was es mit den großen Grenadieren auf sich hat ; aber die andern sind doch ebensogut , und Potsdam ist doch schließlich bloß Potsdam . « » Ja , Tante , das ist es ja eben . Daß sie noch immer in Potsdam sind , das macht es . Deshalb ist es nach wie vor die Potsdamer Wachtparade . Und dann das Wort erstes spielt allerdings auch mit . Ein alter Römer , mit dessen Namen ich dich nicht behelligen will , der wollte in seinem Potsdam lieber der Erste als in seinem Berlin der Zweite sein . Wer der Erste ist , nun , der ist eben der Erste , und als die andern aufstanden , da hatte dieser Erste schon seinen Morgenspaziergang gemacht und mitunter was für einen ! Sieh , als das zweite Garderegiment geboren wurde , da hatten die mit den Blechmützen schon den ganzen Siebenjährigen Krieg hinter sich . Es ist damit wie mit dem ältesten Sohn . Der älteste Sohn kann unter Umständen dümmer und schlechter sein als sein Bruder , aber er ist der älteste , das kann ihm keiner nehmen , und das gibt ihm einen gewissen Vorrang , auch wenn er sonst gar keinen Vorzug hat . Alles ist göttliches Geschenk . Warum ist der eine hübsch und der andere häßlich ? Und nun gar erst die Damen . In das eine Fräulein verliebt sich alles , und das andre spielt bloß Mauerblümchen . Es wird jedem seine Stelle gegeben . Und so ist es auch mit unserm Regiment . Wir mögen nicht besser sein als die andern , aber wir sind die ersten , wir haben die Nummer eins . « » Ich kann da beim besten Willen nicht recht mit , Woldemar Was in unsrer Armee den Ausschlag gibt , ist doch immer die Schneidigkeit . « » Liebe Tante , sprich , wovon du willst , nur nicht davon . Das ist ein Wort für kleine Garnisonen . Wir wissen , was wir zu tun haben . Dienst ist alles , und Schneidigkeit ist bloß Renommisterei . Und das ist das , was bei uns am niedrigsten steht . « » Gut , Woldemar ; was du da zuletzt gesagt hast , das gefällt mir . Und in diesem Punkte muß ich auch deinen Vater loben . Er hat vieles , was mir nicht zusagt , aber darin ist er doch ein echter Stechlin . Und du bist auch so . Und das hab ich immer gefunden , alle , die so sind , die schießen zuletzt doch den Vogel ab , ganz besonders auch bei den Damen . « Dies » bei den Damen « war nicht ohne Absicht gesprochen und schien auf das bis dahin vorsichtig vermiedene Hauptthema hinüberführen zu sollen . Aber ehe die Tante noch eine direkte Frage stellen konnte , wurde der Rentmeister gemeldet , der ihr in diesem Augenblicke sehr ungelegen kam . Die Domina wandte sich denn auch in sichtlicher Verstimmung an Woldemar und sagte : » Soll ich ihn fortschicken ? « » Es wird kaum gehen , liebe Tante . « » Nun denn . « Und gleich darnach trat Fix ein . Zehntes Kapitel Während Woldemar und die Domina miteinander plauderten , erst im Tête-à-tête , dann in Gegenwart von Rentmeister Fix , ritten Rex und Czako ( Fritz mit dem Leinpferd folgend ) auf Cremmen zu . Das war noch eine tüchtige Strecke , gute drei Meilen . Aber trotzdem waren beide Reiter übereingekommen , nichts zu übereilen und sich ' s nach Möglichkeit bequem zu machen . » Es ist am Ende gleichgültig , ob wir um acht oder um neun über den Cremmer Damm reiten . Das bißchen Abendrot , das da drüben noch hinter dem Kirchturm steht ... Fritz , wie heißt er ? Welcher Kirchturm ist es ... ? « - » Das ist der Wulkowsche , Herr Hauptmann ! « - » ... Also , das bißchen Abendrot , das da noch hinter dem Wulkowschen steht , wird ohnehin nicht lange mehr vorhalten . Dunkel wird ' s also doch , und von dem Hohenlohedenkmal , das ich mir übrigens gern einmal näher angesehen hätte ( man muß so was immer auf dem Hinwege mitnehmen ) , kommt uns bei Tageslicht nichts mehr vor die Klinge . Das Denkmal liegt etwas ab vom Wege . « » Schade « , sagte Rex . » Ja , man kann es beinah sagen . Ich für meine Person komme schließlich drüber hin , aber ein Mann wie Sie , Rex , sollte dergleichen mehr wallfahrtartig auffassen . « » Ach Czako , Sie reden wieder tolles Zeug , diesmal mit einem kleinen Abstecher ins Lästerliche . Was soll Wallfahrt hier überhaupt ? Und dann , was haben Sie gegen Wallfahrten ? Und was haben Sie gegen die Hohenlohes ? « » Gott , Rex , wie Sie sich wieder irren . Ich habe nichts gegen die einen , und ich habe nichts gegen die andern . Alles , was ich von Wallfahrten gelesen habe , hat mich immer nur wünschen lassen , mal mit dabeizusein . Und ad vocem der Hohenlohes , so kann ich Ihnen nur sagen , für die hab ich sogar was übrig in meinem Herzen , viel , viel mehr als für unser eigentliches Landesgewächs . Oder , wenn Sie wollen , für unsre Autochthonen . « » Und das meinen Sie ganz ernsthaft ? « » Ganz ernsthaft . Und wir wollen mal fünf Minuten wie vernünftige Leute darüber reden