erblickte er die Kaffeekanne auf dem Tische . In den betretenen Mienen der Frauen las er das übrige . Dann fiel sein Blick auf Pauline Katschner . Er stutzte . Was wollte das Frauenzimmer hier ? Er zog die Augenbrauen zusammen . Das hatte ihm gerade noch gefehlt , an die Liebschaft seines Sohnes erinnert zu werden ! Die Bäuerin sah , daß die Lage bedenklich wurde . Erst wenige Tage war es her , da hatte der Bauer erfahren , daß seine älteste Tochter ein Kind erwarte . Der Auftritt , den es darüber gegeben hatte , lag den Frauen noch allen in den Gliedern . Die Bäuerin kannte ihren Eheherrn . Die Adern an der Stirn schwollen ihm ; ein schwerer Sturm war im Anzuge . Es galt , den Ausbruch zu verhindern . Sie kam zu ihm herangehumpelt und legte ihm die Hand auf die Schulter . » Traugott ! « sagte sie und gab ihrer Stimme den sanftesten Klang , der ihr zu Gebote stand . » Mir han ' ch ane Neege Kaffee gekucht ; bis ack ne biese ! Zu aner Tasse Kaffee an Suntch Namittage langt ' s schun noche ! « Der Bauer räusperte sich . Sie kannte seine Gewohnheiten genau . Das war eine Art von Ausholen ; wenn man ihn erst einmal losbrechen ließ , dann wurde es furchtbar . Die erfahrene Frau sah ein , daß sie jetzt einen Trumpf ausspielen müsse . » Vater ! « sagte sie . » Mir han och ene gutte Nachricht fir dich , ane sihre gutte Nachricht von Gustaven . Denk der ack , ar hat geschrieben , und ar will vun de Suldaten furt . Schun uf ' n kinft ' gen Herbst will er nach Halbenau zuricke kimma , dar Gustav ! Was sagst de denn anu , Mann ! Freist de dich ne ! Nu warn mer unsern Jung ' n bale wieder ganz in Hause han . « Die Bäuerin hatte sich nicht verrechnet . Diese Nachricht wirkte bei dem Alten wie ein Tropfen Öl auf erregte Wogen . Gustav nach Halbenau zurück ! Die Hoffnung , die er so lange im stillen gehegt hatte und die sich doch nicht erfüllen wollte bisher , weil der Junge zu sehr am bunten Rocke hing - und nun wurde es doch endlich ! Einen solchen Arbeiter auf das Gut und einen so anschlägigen Kopf obendrein , wie sein Gustav war , da mußte doch alles wieder gut werden ! Die tief gesunkenen Hoffnungen des alten Mannes stiegen mit einem Male lustig in die Höhe , als er diese Kunde vernahm . Der Büttnerbauer machte zwar ein mißmutiges Gesicht und brummte etwas , was gar nicht nach Freude klang . Aber das war nur zum Scheine . Vor der Familie wollte er sich seine Gefühle nicht anmerken lassen . Darum blieb er auch nicht lange im Zimmer . Nur zum Vorwande stöberte er in einer Ecke , als habe er dort etwas zu suchen , dann ging er zur Stube und zum Hause hinaus . Unter Gottes freiem Himmel , wo niemand ihn beobachtete , wollte er sich seiner Freude hingeben . IX. Der Sommer hatte nicht gehalten , was das Frühjahr versprochen . Die Herbstsaaten waren zwar gut durch den Winter gekommen und hatten sich während eines milden Frühlings kräftig bestockt . Auch die Sommerung war prächtig aufgegangen , daß es im Mai eine Lust war , über die Haferfelder und die Kartoffelbeete hinwegzublicken . Regen und Sonnenschein folgten sich in gedeihlicher Abwechslung . Das Korn trieb zeitig seine Schoßhalme . Anfang Juni sah es aus , als ob es eine ausgezeichnete Ernte geben müsse . In der Seele manches Landwirtes , der über die schlechten Erträge der letzten Jahre schier hatte verzweifeln wollen , stieg die tiefgesunkene Hoffnung aufs neue . Kein Stand ist ja so auf das Hoffen angewiesen wie dieser . Von dem Auswerfen des Samens bis zum Bergen der Frucht schwebt der Landmann zwischen Furcht und Hoffnung ; jeder Tag ist von Bedeutung für das Gedeihen , und jede Stunde kann alles zerstören . Auf das vielversprechende Frühjahr folgte im Sommer Kälte und anhaltende Nässe . Die schnell aufgeschossenen Halme stockten plötzlich im Wachstum . An vielen Stellen lagerte sich das Getreide . Die Kornfelder sahen aus , als sei eine Riesenwalze über sie dahingefahren . Licht und Luft fehlte der Ähre , eine mangelhafte Bestäubung fand statt , von unten wuchsen Disteln und allerhand Ankraut durch das Getreide hindurch . Nur hier und da richtete der Wind die Geknickten wieder auf . Die Ähren standen nicht in freier Luft aufrecht , dem Lichte zugekehrt , wie es nötig ist für die Entwicklung jeglicher Kreatur und jeglicher Pflanze ; sie senkten sich dem dunklen , feuchten Erdreiche zu , das ihren Wurzeln wohl Nahrung zum Sprießen , ihren Häuptern aber nicht Wärme , Licht und Bewegung zu gewähren vermochte . So kränkelten die Körner , das Wachstum war ohne Saft und Kern . Da gab es viele leere Hülsen und leichte Früchte , und schädlicher Rost fraß die welken Körner an . Auf den Wiesen hatte prächtiges Gras gestanden . Selbst auf den feuchten und sumpfigen Flecken wuchsen heuer , begünstigt durch das trockene Frühjahr , bessere Kräuter als sonst ; die sauren Gräser hatten nicht die Oberhand gewinnen können . Infolge der häufigen Regenschauer war überall ein dichtes Bodengras gewachsen . Zu Beginn der Heuernte regnete es anhaltend . Nach alt bewährter Bauernregel ließ man sich jedoch durch den Regen nicht vom Hauen abhalten . Einmal mußte es ja doch mit Gießen aufhören ; der liebe Gott konnte doch unmöglich wollen , daß der Segen , den er hatte wachsen lassen , so in Grund und Boden verdürbe . Aber die himmlischen Schleusen schlössen sich nicht . In der Kirche wurde eifrig für gutes Erntewetter gebetet - es regnete unbekümmert weiter . Sieben Wochen lang mußte schlechte Witterung bleiben ; es hatte ja am Siebenschläfer