um die Hängelampe , und beim schwirrenden Klang der Saiten kehrte eine behagliche Stimmung in der kleinen Stube ein . Spielte Graf Egge eine schmachtende Volksweise , so mußte Stille herrschen ; stimmte er einen lustigen Ländler an , so wurde geplaudert und gelacht , und die Jäger schlugen mit den schweren Holzpantoffeln den Takt . Schließlich kamen die Schnaderhüpfel an die Reihe . Mit erstaunlicher Virtuosität pfiff Graf Egge das Zwischenspiel und sang ein Gesetzlein . Und so lustig weiter . In seinem Gedächtnis war ein reicher Schatz von Schnaderhüpfeln aufgespeichert , und wenn er in vergnügter Stunde das Türchen öffnete , flogen die kleinen vierzeiligen Lieder aus , eins nach dem anderen , wie die Bienen aus ihrem Stock . Er selbst unterhielt sich dabei am allerbesten und bot in seiner saftigen Laune einen Anblick , der auch einen anderen erheitern mußte : hemdärmelig , um den grauen Kopf die weiße Binde und darunter das vom Lachen rote Gesicht mit dem zitternden Bart und dem lustigen Faltenspiel um die zwinkernden Augen . Wer ihn zu solcher Stunde sah , konnte auch mit der schärfsten Menschenkenntnis nicht höher raten als auf einen pensionierten Förster , auf einen gutmütigen , kreuzfidelen Alten , der in Gesellschaft jüngerer Kameraden die Erinnerung an vergangene Zeiten aufgefrischt und ein Schöpplein über den Durst getrunken hatte . Es war späte Nacht geworden , als Schipper endlich mahnte : » Herr Graf , es is Schlafenszeit . Morgen heißt ' s in aller Fruh den Bock suchen . « Graf Egge nickte und wollte die Zither beiseitestellen . » Aber halt , ich muß meim Böckerl noch eins singen zur guten Nacht ! « Schmunzelnd begann er wieder zu spielen , zog die Brauen auf und besann sich . Nun sang er : » Viel Jahr lang hat er mich ghieselt , Und hat mich gföppelt und gnarrt , Zletzt war ich halt dengerst der Schläuchre , Hab ' s richtige Stündl derwart ! Und ' s richtige Stündl hat gschlagen , Und ' s Büchserl hat sakerisch kracht , Und ' s richtige Kügerl is gflogen - Mein Böckerl , ich wünsch dir gut Nacht ! « Mit einem Jauchzer , der einem Hüterbuben Ehre gemacht hätte , schloß Graf Egge das Spiel . » So ! Jetzt legen wir uns schlafen ! Herrgott , ich glaub , daß ich die ganze Nacht von nix anderem träum als von meiner Kruck . « Sie erhoben sich , Franzl als der erste . Er spürte die schweren Wege des Tages in allen Knochen , wünschte seinem Herrn gute Nacht und verließ die Stube . Mit eingekniffenen Augen sah ihm Schipper nach und lächelte . Kaum hatte Franzl hinter sich die Tür geschlossen , so hörte er Schipper mit lauter Stimme sagen : » Heut muß er müd sein , der Franzl ! Er hat sich verteufelt plagt . Und gut hat er ' s gmacht , dös muß ich selber sagen . Da müssen S ' ihm morgen schon die Ehre lassen , Herr Graf , daß er den Bock aufhebt und die Krucken bringt . « » Ja , heut bin ich zufrieden mit ihm . Heut war er sein ganzer Vater . « Franzl fühlte , wie ihm das Blut in die Wangen stieg . Er hätte sich für die schwere Mühe des Tages keinen besseren Dank gewünscht als diese Worte seines Jagdherrn . Und daß auch Schipper einmal gut von ihm redete und ihm die verdiente Jägerehre gönnte , das freute ihn doppelt . Schipper hatte sich nicht immer als sein Freund erwiesen und hatte ihm bei Graf Egge schon manche bittere Suppe eingebrockt . Weshalb ? Das hatte Franzl sich nie erklären können . Einmal war er hart mit Schipper aneinander geraten , und damals hatte ihn aus diesen grauen , kalten Augen etwas angeblickt , das ihn betroffen machte . Aber weshalb sollte Schipper ihn hassen ? Franzls ehrliche Natur wehrte sich gegen einen solchen Gedanken . Und so blieb ihm für Schippers ungute Art nur die eine Erklärung : Ich bin der jüngere , und er fürchtete , daß ich ihn einmal von seinem Platz verdrängen könnte , wie er selbst vor einigen Jahren den alten Moser aus seiner Stellung hinausgedrückt hatte . Aber Graf Egges Büchsenspanner zu werden , war Franzls letzter Ehrgeiz . Er war zu sehr mit Leib und Seele Jäger , um Sehnsucht nach dem » Stubendienst « zu empfinden , der bei Graf Egge seine » bösen Mucken « hatte . Er hing mit seinem ganzen Herzen an Wald und Bergen , am freien Wandern und Steigen . Vielleicht hatte Schipper nun endlich eingesehen , daß er in dem jüngeren Kameraden keinen Nebenbuhler zu fürchten hatte . So meinte Franzl . Anders wußte er sich die anerkennenden Worte Schippers , die er soeben gehört hatte , nicht zu erklären . Ihm war bei diesem Gedanken , als fiele ihm ein Gewicht von der Seele . Dieser schleichende Zwist hatte ihm oft die Freude an seinem Berufe vergällt , ihm Verdruß und Sorgen in Fülle bereitet . Das war nun zu Ende , und freundlicherer Zeiten mußten kommen . Aufatmend trat er ins Freie , um vor dem Schlafengehen noch einen Trunk frischen Wassers zu nehmen . Friedliche Nachtstille lag um die Hütte her . Der Mond war hinter die Berge gesunken , und zahllos funkelten die Sterne am stahlblauen Himmel . Als Franzl vom Brunnen zurückkehrte , sah er eine Sternschnuppe mit langem Feuerschweif durch die Luft sausen und in Funken zerstieben . Er stammelte ein paar Worte , noch ehe die Erscheinung erlosch . Dann lachte er » Sakra , Mali , jetzt hab ich mir aber was Schöns gwunschen ! « Er trat in die Hütte und stieg in glücklicher Stimmung über die Leiter zum Heuboden hinauf . Behaglich streckte er die müden Glieder in das weiche Heu . Als drunten die Tür ging , schlummerte Franzl schon so fest , daß