vorfände ; sie sind aber ganz leer , ein paar Binsenstühle abgerechnet , und machen , das mindeste zu sagen , einen sehr sonderbaren Eindruck . Nun wirst Du wohl meinen , das alles sei ja leicht zu ändern . Aber es ist nicht zu ändern ; denn das Haus , das wir bewohnen , ist ... ist ein Spukhaus ; da ist es heraus . Ich beschwöre Dich übrigens , mir auf diese meine Mitteilung nicht zu antworten , denn ich zeige Innstetten immer Eure Briefe , und er wäre außer sich , wenn er erführe , daß ich Dir das geschrieben . Ich hätte es auch nicht getan , und zwar um so weniger , als ich seit vielen Wochen in Ruhe geblieben bin und aufgehört habe , mich zu ängstigen ; aber Johanna sagt mir , es käme immer mal wieder , namentlich wenn wer Neues im Hause erschiene . Und ich kann Dich doch einer solchen Gefahr oder , wenn das zuviel gesagt ist , einer solchen eigentümlichen und unbequemen Störung nicht aussetzen ! Mit der Sache selber will ich Dich heute nicht behelligen , jedenfalls nicht ausführlich . Es ist eine Geschichte von einem alten Kapitän , einem sogenannten Chinafahrer , und seiner Enkelin , die mit einem hiesigen jungen Kapitän eine kurze Zeit verlobt war und an ihrem Hochzeitstage plötzlich verschwand . Das möchte hingehn . Aber was wichtiger ist , ein junger Chinese , den ihr Vater aus China mit zurückgebracht hatte und der erst der Diener und dann der Freund des Alten war , der starb kurze Zeit danach und ist an einer einsamen Stelle neben dem Kirchhof begraben worden . Ich bin neulich da vorübergefahren , wandte mich aber rasch ab und sah nach der andern Seite , weil ich glaube , ich hätte ihn sonst auf dem Grabe sitzen sehen . Denn ach , meine liebe Mama , ich habe ihn einmal wirklich gesehen , oder es ist mir wenigstens so vorgekommen , als ich fest schlief und Innstetten auf Besuch beim Fürsten war . Es war schrecklich ; ich möchte so was nicht wieder erleben . Und in ein solches Haus , so hübsch es sonst ist ( es ist sonderbarerweise gemütlich und unheimlich zugleich ) , kann ich Dich doch nicht gut einladen . Und Innstetten , trotzdem ich ihm schließlich in vielen Stücken zustimmte , hat sich dabei , soviel möcht ich sagen dürfen , auch nicht ganz richtig benommen . Er verlangte von mir , ich solle das alles als Alten-Weiber-Unsinn ansehen und darüber lachen , aber mit einemmal schien er doch auch wieder selber daran zu glauben und stellte mir zugleich die sonderbare Zumutung , einen solchen Hausspuk als etwas Vornehmes und Altadliges anzusehen . Das kann ich aber nicht und will es auch nicht . Er ist in diesem Punkte , so gütig er sonst ist , nicht gütig und nachsichtig genug gegen mich . Denn daß es etwas damit ist , das weiß ich von Johanna und weiß es auch von unserer Frau Kruse . Das ist nämlich unsere Kutscherfrau , die mit einem schwarzen Huhn beständig in einer überheizten Stube sitzt . Dies allein schon ist ängstlich genug . Und nun weißt Du , warum ich kommen will , wenn es erst soweit ist . Ach , wäre es nur erst soweit . Es sind so viele Gründe , warum ich es wünsche . Heute abend haben wir Silvesterball , und Gieshübler - der einzig nette Mensch hier , trotzdem er eine hohe Schulter hat , oder eigentlich schon etwas mehr - , Gieshübler hat mir Kamelien geschickt . Ich werde doch vielleicht tanzen . Unser Arzt sagt , es würde mir nichts schaden , im Gegenteil . Und Innstetten , was mich fast überraschte , hat auch eingewilligt . Und nun grüße und küsse Papa und all die andern Lieben . Glückauf zum neuen Jahr . Deine Effi « Dreizehntes Kapitel Der Silvesterball hatte bis an den frühen Morgen gedauert , und Effi war ausgiebig bewundert worden , freilich nicht ganz so anstandslos wie das Kamelienbukett , von dem man wußte , daß es aus dem Gieshüblerschen Treibhause kam . Im übrigen blieb auch nach dem Silvesterball alles beim alten , kaum daß Versuche gesellschaftlicher Annäherung gemacht worden wären , und so kam es denn , daß der Winter als recht lange dauernd empfunden wurde . Besuche seitens der benachbarten Adelsfamilien fanden nur selten statt , und dem pflichtschuldigen Gegenbesuche ging in einem halben Trauertone jedesmal die Bemerkung voraus : » Ja , Geert , wenn es durchaus sein muß , aber ich vergehe vor Langerweile . « Worte , denen Innstetten nur immer zustimmte . Was an solchen Besuchsnachmittagen über Familie , Kinder , auch Landwirtschaft gesagt wurde , mochte gehen ; wenn dann aber die kirchlichen Fragen an die Reihe kamen und die mitanwesenden Pastoren wie kleine Päpste behandelt wurden oder sich auch wohl selbst als solche ansahen , dann riß Effi der Faden der Geduld , und sie dachte mit Wehmut an Niemeyer , der immer zurückhaltend und anspruchslos war , trotzdem es bei jeder größeren Feierlichkeit hieß , er habe das Zeug , an den » Dom « berufen zu werden . Mit den Borckes , den Flemmings , den Grasenabbs , so freundlich die Familien , von Sidonie Grasenabb abgesehen , gesinnt waren es wollte mit allen nicht so recht gehen , und es hätte mit Freude , Zerstreuung und auch nur leidlichem Sich-behaglich-Fühlen manchmal recht schlimm gestanden , wenn Gieshübler nicht gewesen wäre . Der sorgte für Effi wie eine kleine Vorsehung , und sie wußte es ihm auch Dank . Natürlich war er , neben allem anderen , auch ein eifriger und aufmerksamer Zeitungsleser , ganz zu geschweigen , daß er an der Spitze des Journalzirkels stand , und so verging denn fast kein Tag , wo nicht Mirambo ein großes , weißes Couvert gebracht hätte , mit allerhand Blättern und Zeitungen , in