die Majorin , als ihr Friederike dienstbeflissen den Mantel abnahm . » Hast du auch nicht zu sehr gespart ? Das mußt du nicht . Und immer bloß Nachguß ; dabei kannst du nicht gedeihen . « » Ach , ich gedeihe schon , gnäd ' ge Frau . « » Na , wenn es nur wahr ist . Aber nun bringe uns Kaffee . Die Tassen stehen ja schon . Ein bißchen ausgefroren bin ich doch ; die eine Dame riß immer alles auf . « » Ja , das tut man jetzt , Mama « , sagte Therese . » Ich weiß , man tut es jetzt . Und es mag auch gut sein , aber nicht für jeden . Wer Rheumatismus hat ... « Sophie hatte sich ' s inzwischen auch bequem gemacht und warf sich mit einem gewissen Behagen in die Sofaecke , erst das Zimmer und dann all die alten Kleinigkeiten musternd , die umher standen und lagen und die sie hundertmal in Händen gehabt hatte . » Komm , Mama , du mußt dich hier neben mich setzen , oder ich rücke weiter hin , denn dies ist ja deine Ecke . Gott , wenn ich mich hier so umsehe . Eigentlich ist es doch ganz hübsch bei euch . « » Du könntest sagen bei uns « , sagte Therese . » Gewiß , gewiß . Ich gehöre ja zu euch und werde immer zu euch gehören . Aber die lange Zeit . Dreiviertel Jahr oder doch beinah . Und dann soll ich ja auch wieder zurück . « » Und willst auch ? Und willst es auch gern ? « » Natürlich . Es ist ja abgemacht . Und wenn es auch nicht abgemacht wäre , ich bin gern in Adamsdorf und gern bei der Tante . « » Wer wär es nicht « , sagte Therese . » Der Park und die Gruft , darin nun der General , unser Onkel , ruht . Dahin zieht es wohl jeden . Und diese Frau , der ich viel abbitten muß , ich hielt sie für befangen in Bürgerlichkeit , aber sie hat ganz die Formen der vornehmen Welt . Es ist schade , daß sich dieser Umwandlungsprozeß so selten vollzieht . « Sophie und Manon warfen der Schwester Blicke zu mit der offenbaren Absicht , sie von dem heiklen Thema abzubringen . Aber so gut gemeint dies war , so war es doch nicht nötig , weil die Mama nichts von Bitterkeit dabei empfand . Sie lächelte nur wehmutig vor sich hin mit jener stillen Überlegenheit , die das Leben und das Bewußtsein gibt , die Kämpfe des Lebens ehrlich durchgefochten zu haben . » Ach , meine liebe vornehme Tochter « , sagte sie , » was du da wieder sprichst . « » Ich habe dich nicht kränken wollen , Mama . « » Weiß ich . Und es kränkt mich auch nicht . Ich hatte auch mal mein Selbstgefühl und meinen Stolz , aber all das hat das Leben zerrieben und mich mürbe gemacht ... Das mit der Tante , ja , da hast du recht , das ist eine vorzügliche Frau und , wenn du ' s so haben willst , auch eine adlige Frau . Das hab ich immer gewußt , und seit diesen Tagen weiß ich es noch besser . Aber das alles - und es ist hart , daß ich das meiner eigenen Tochter immer wieder versichern muß , während sie ' s doch wissen könnte , auch ohne meine Versicherung - , aber das alles hätte das Leben auch aus mir machen können . Es hat es nur nicht gewollt . In einem Schlosse zu Hause zu sein und Hunderte beglücken und dann durch Entziehung von Glück auch mal wieder strafen zu können , das alles ist eine andre Lebensschule , wie wenn man nach Herrn Nebelungs Augen sehen und sich um seine Gunst bewerben muß . Ich habe nur sorgen und entbehren gelernt . Das ist meine Schule gewesen . Viel Vornehmes ist dabei nicht herausgekommen , nur Demut . Aber Gott verzeih es mir , wenn ich etwas Unrechtes damit sage , die Demut , wenn sie recht und echt ist , ist vielleicht auch eine Eigenschaft , die sich unter dem Adel sehen lassen kann . « Sophie glitt leise von dem Sofa nieder auf ihre Knie und bedeckte die Hände der alten Frau mit Tränen und Küssen . » Das kannst du nicht verantworten , Therese « , sagte Manon und trat ans Fenster . Therese selbst aber ließ ihr Auge ruhig über die über der Sofalehne hängende » Ahnengalerie « hingleiten , und ihr Auge schien sagen zu wollen : » Ihr seid Zeugen , daß ich nicht mehr gesagt , als ich sagen durfte . « Dann aber kam ihr ein zweites , besseres Gefühl , und sie lieh ihm auch Worte . » Verzeih , Mama « , sagte sie . » Es kann sein , daß ich unrecht habe . « Es lag nicht im Charakter der Familie , den Verstimmungen über eine derartige Szene Dauer zu geben . Die Mutter hatte Schwereres tragen gelernt und war jeden Augenblick zur Verzeihung und Nachgiebigkeit geneigt , während die im wesentlichen in ihren Anschauungen verharrende , trotzdem aber nicht eigentlich eigensinnige Therese das Bedürfnis hatte , wieder einzulenken , wozu ein Gespräch mit Manon das beste Mittel bot . Sie nahm daher diese bei der Hand , führte sie von ihrem Fensterplatz her an den Kaffeetisch zurück und sagte , während sie sie neben sich auf eine Fußbank niederzog : » Es muß nun doch vieles anders werden mit uns und auch mit dir , Manon . Du bist , mein lieber Schelm , am weitesten ab vom rechten Wege . Wie denkst du nun eigentlich hinsichtlich deiner Zukunft ? « » Zukunft ? - Ach , du meinst heiraten ? « » Ja , das vielleicht auch