' scher , ziemlich groß in braunem Rock und Hut und falschem Bart ... Eltern und Geschwister , lebet wohl , und Du , meine gute Frau , der ich viel abbitte , lebe wohl ! Ich bitte den Herrn Grafen , daß er Euch versorge , da ich mein Blut in seinem Dienst vergossen habe ... Lebet wohl ; Gott sei mir gnädig ! Betet für mich ! Ich habe große Schmerzen . Guter Gott , erbarme Dich meiner . Herr Graf , sorge für die Meinigen , ich habe mein Blut für Dich vergossen ... Ich schreie so sehr und habe mein Gewehr abgeschossen , daß man mich höre , aber kein Mensch hört mich . O Gott , erlöse mich ! Betet für mich und denket nicht auf Rache ... Gott vergebe meinem Mörder und erbarme sich meiner ... Meine Leiden sind groß . « Als Gerichtsmann Klose diese seine Vorlesung geschlossen und das Notizbuch wieder zu sich gesteckt hatte , ging ein Gemurmel durch den Saal . Es war das Gemurmel der Teilnahme , der Zustimmung , des Erschüttertseins . Opitz war wenig beliebt gewesen , und unter denen , die da standen , Männer und Frauen , waren viele , die seinen Tod mehr als einmal gewünscht hatten ; aber nach Anhörung dieser Worte regte sich doch das Mitleid . Und daß er so sehr für seine Frau bat , für dieselbe Frau , der er viel Herzeleid angetan hatte , der er nun aber auch abbat , das versöhnte mit ihm , und eine der Frauen sagte : » Wer das gedacht hätt . « Der alte Gerichtsmann unterbrach diese dem Toten so günstige Stimmung nicht , und erst als sich die Erregung gelegt hatte , nahm er die Verhandlung wieder auf : » Und nun frag ich nach dem Mörder ! Wer war es ? In dem Notizbuch heißt es , daß es ein Böhmischer war ... Ich glaube nicht , daß es ein Böhmischer war ; ich glaube , daß wir ihn hier auf unserer Seite suchen müssen und daß er , wenn wir alles sehen könnten , was sich klug verbirgt , daß er vielleicht in diesem Saale zu finden wäre . « Während Klose so sprach , sah er absichtlich nur auf den Toten und vermied es , weil er nicht vor der Zeit den ganz bestimmten Ankläger machen wollte , nach der Stelle hinzusehen , wo Lehnert stand . Aber seine Vorsicht war nicht mehr vonnöten ; inmitten der Aufregung , die die Vorlesung der Notizblätter hervorgerufen hatte , hatte sich Lehnert aus dem Saal entfernt , unbekümmert darum , ob sein Verschwinden auffallen werde oder nicht . Fünfzehntes Kapitel Vom Gerichtskretscham aus bis zum » Goldenen Frieden « war die Dorfstraße leer , und erst als Lehnert an dieser Stelle links einbiegen und auf dem mehrerwähnten Schlängelpfade nach dem tiefergelegenen Wolfshau hinunter wollte , sah er Frau Opitz auf eben diesem Schlängelpfade herankommen und trat seitab in den Schatten eines hier stehenden Schuppens , um nicht gesehen zu werden . Frau Opitz sah ihn auch wirklich nicht und schritt ihrerseits auf den Gerichtskretscham zu , wo sie , wie man ihr in Wolfshau gesagt hatte , den Toten finden würde . Jeder war erschüttert , als sie hier in den Saal trat und dem Toten das Haar aus der Stirn strich und ihn küßte , und wenn sich schon vorher ein Stimmungsumschlag zugunsten Opitz ' gezeigt hatte , so vollends jetzt . Die Männer hielten wohl noch zurück , aber die verheirateten Frauen fuhren mit dem Schürzenzipfel nach dem Auge , wenn sie nicht geradezu schluchzten und weinten . Einige drängten sich an die nun Verwitwete heran und baten , sie nach Hause begleiten zu dürfen , wobei sie hoffen mochten , noch was Besonderes zu hören , die gute Frau war aber entweder zu schwach oder wollte sich nicht von dem Toten trennen . Jedenfalls nahm sie , statt der Anerbietungen ihrer Wolfshauer Nachbarsleute , lieber das Anerbieten der Kretschamwirtin an und setzte sich zu dieser in die Küche . Das geschäftige Treiben hier tat ihr wohl und zerstreute sie , denn sie hatte den Hausfrauensinn , der sich auch in diesem Augenblicke nicht verleugnete . Drinnen im Saale war mittlerweile das Bild ein anderes geworden . Es gab nichts mehr zu hören und zu sehen , und so verliefen sich die bloß aus Neugier Herzugeströmten , und nur die , die wegen des Protokolls pflichtmäßig zu bleiben hatten , blieben noch und suchten sich über einige fragliche Punkte zu einigen . Die Tat selbst lag klar vor . Aber die Frage » wer « blieb durchaus unentschieden und wurde durch Opitz ' Aufzeichnungen , der auf einen » Böhmischen « geraten hatte , mehr verwirrt als aufgeklärt . » Es war kein Böhmischer « , wiederholte Gerichtsmann Klose , der seinen ohnehin starken Verdacht gegen Lehnert durch das plötzliche Verschwinden desselben nur noch bestätigt sah ; » es war kein Böhmischer , und wenn ich Bestimmung zu treffen hätte , so brächen wir in dieser Minute noch auf , um Lehnert Menz in Verhaft zu nehmen . Alles deutet auf ihn , auf ihn und keinen andern . Er hat Sonnabend sechs Uhr Wolfshau verlassen , ist das Gehänge hinaufgestiegen , und die Schulkinder haben ihn gesehen . Um acht Uhr muß er oben gewesen sein , um neun Uhr ist es geschehen , um zehn Uhr war er auf der Hampelbaude . Niemand anders ist im Wald oben betroffen worden . All das sagt genug . Zudem wissen wir , daß er noch von I870 her einen Span mit Opitz hatte , sie gönnten sich nicht so viel wie unterm Nagel , und als vorhin alles , was draußen war , in den Saal drängte , hat er immer im Hintergrunde gestanden , statt mit in vorderster Reihe zu stehen , wie doch sonst wohl seine Art ist , und als das Notizbuch von mir