verleugnen - und ich finde Dich in tête-à-tête mit diesem Herrn ? « Ich wurde rot - halb in Zorn , halb in Verlegenheit . » Was ist die Familienangelegenheit , welche Du - « » Das ist sie . Ich wollte Deinen Courmacher nur entfernen , um Dir meine Meinung sagen zu können ... Und ich betrachte es als eine für unsere Familie sehr wichtige Angelegenheit , daß Du , Gräfin Dotzky , geborene Althaus , Deinen Ruf nicht etwa verscherzest . « » Lieber Vater , der sicherste Wächter meines Rufes und meiner Ehre ist mir in der Person des kleinen Rudolf Dotzky gegeben , und was die väterliche Autorität des Grafen Althaus anbelangt , so lasse mich in aller Ehrerbietung Dich erinnern , daß ich in meiner Eigenschaft als selbstständige Witwe derselben entwachsen bin . Ich beabsichtige nicht , mir einen Liebhaber zu nehmen , denn das ist ' s , was Du zu vermuten scheinst ; aber wenn ich mich entschließen wollte , wieder zu heiraten , so behalte ich mir vor , ganz frei nach meinem Herzen zu wählen . « » Den Tilling heiraten ? wo denkst Du hin ? Das gäbe erst eine rechte Familienkalamität . Da wäre mir beinahe noch lieber ... nein , das will ich nicht gesagt haben ... aber ernstlich , Du führst doch keine solche Idee im Schilde ? « » Was wäre dagegen einzuwenden ? Du hast mir erst neulich einen Oberlieutenant , einen Hauptmann und einen Major in Vorschlag gebracht - Tilling ist nun gar schon Oberstlieutenant - « » Das ist das schlimmste an ihm . Wäre er Civilist , so könnte man ihm die Ansichten noch verzeihen , die er gestern vorgebracht hat ; aber bei einem Militär grenzen dieselben hart an Verrat ... Er möchte wohl gern seinen Abschied nehmen , um ja nicht der Gefahr ausgesetzt zu sein , einen Feldzug mitzumachen , dessen Strapazen und Leiden er offenbar fürchtet . Und da er kein Vermögen besitzt , so ist es eine ganz kluge Idee von ihm , eine reiche Heirat machen zu wollen . Ich hoffe aber zu Gott , daß sich zu diesem Zwecke keine Frau hergeben wird , welche die Tochter eines alten Soldaten ist , der in vier Kriegen gefochten hat , und bereit wäre , heute noch mit Begeisterung auszurücken - und die Wittwe eines tapferen jungen Kriegers , welcher auf dem Felde der Ehre einen ruhmvollen Tod gefunden . « Mein Vater , welcher während des Sprechens mit großen Schritten im Zimmer auf und nieder ging , war hochgerötet und seine Stimme zitterte vor Erregung . Auch ich war im Innersten erregt . Das Phrasenwerk , das hohle Wortgeklingel , in welche die Angriffe auf den Mann meiner Liebe eingekleidet waren , widerte mich an . Aber ich fand keine Entgegnung . Daß meine Verteidigung das bodenlose Unrecht , welches Tilling hier geschah , nicht aufheben konnte , das fühlte ich . Wenn mein Vater die gestern geäußerten Ansichten so falsch beurteilte , so lag das eben an einem gänzlichen Unverständnis . Gegen die Gesichtspunkte , welche Tilling vertreten hatte , war mein Vater einfach blind . Ich konnte ihn nicht sehend machen . Ich konnte ihn nicht lehren , einen anderen ethischen Maßstab - als den soldatischen , der ja in General Althaus ' Augen der höchste Maßstab war - an die Gesinnungen zu legen , welche jener als Mensch und Denker hegte . Aber während ich den eben gehörten Ausfall gegenüber so stumm dastand , daß mein Vater wohl glauben mochte , er habe mich beschämt und meine Absichten im Keime erstickt , fühlte ich mich doppelt sehnsüchtig zu dem verkannten Manne hingezogen und in dem Entschluß bestärkt , die Seine zu werden . Ich war ja zum Glück frei . Des Vaters Mißbilligung konnte mich allerdings betrüben , allein mich von dem Zuge meines Herzens zurückhalten , das konnte sie nicht . Und auch zu großer Betrübnis war kein Raum in meiner Seele . Das wunderbare , das mächtige Glück , welches in der letzten Viertelstunde sich mir eröffnet hatte , war zu lebhaft , um daneben den Verdruß aufkommen zu lassen . Am folgenden Morgen erwachte ich mit einem Gefühle , das demjenigen glich , mit welchem ich jedesmal als Kind am Weihnachtstage und einmal als Braut an meinem Vermählungsmorgen erwachte : dieselbe unaussprechliche Erwartung , dasselbe erregte Bewußtsein , daß heute Frohes , Großes bevorstand . Einige Mißstimmung brachte mir zwar die Erinnerung an die Worte , welche Tags vorher mein Vater gesprochen - aber diesen Gedanken hatte ich schnell wieder verscheucht . Es war noch nicht neun Uhr , als ich am Eingang der Praterallee den Wagen verließ und mein mit dem Reitknecht vorausgeschicktes Pferd bestieg . Das Wetter war frühlingsduftend und mild - zwar sonnenlos , darum aber nur desto milder , und Sonnenschein trug ich ohnehin im Herzen . Es hatte in der Nacht geregnet ; die Blätter prangten in frischem Grün und aus dem Boden drang feuchter Erdgeruch herauf . Ich war kaum hundert Schritte die Allee hinabgeritten , als ich hinter mir den Hufschlag eines in scharfem Trabe heransprengenden Pferdes vernahm . » Ah , grüß Gott , Martha - das freut mich , Dich hier zu treffen . « Es war Konrad , der Unvermeidliche . Mich freute diese Begegnung gar nicht . Nun freilich , der Prater war nicht mein Privatpark und an so schönen Frühlingsmorgen ist die Reit-Allee stets gefüllt : wie konnte ich nur so ungeschickt sein , hier auf ein ungestörtes Stelldichein zu rechnen ? Althaus hatte seinem Pferd die Gangart des meinen annehmen lassen und schickte sich offenbar an , der treue Begleiter meines Spazierrittes zu sein . Jetzt erblickte ich von weitem Friedrich von Tilling , der in unserer Richtung die Allee herabgaloppierte . » Vetter - nicht wahr , ich bin Dir eine gute Verbündete ? Du weißt , daß ich mir Mühe gebe , Lilli für Dich