Abenteuer heraus : die Anfechtung ihrer verlobten Bräute wegen der Liebe aus Habsucht , ehe der Vater kam , und die Drohung des letzteren mit Enterbung der Töchter . Beide Punkte standen in unheimlicher Beziehung zueinander . Die Fräulein wollten nicht des Vermögens wegen geliebt sein und der Vater ihnen dasselbe entziehen , wenn sie sich überhaupt lieben ließen . Aber konnte denn der Alte sie wirklich enterben ? Über diesen Gegenstand waren sie als angehende Notare schon von einiger Erfahrung , der betreffende Abschnitt des Erbrechtes ihnen geläufig . Das Ergebnis des Ratschlages fiel auch ziemlich verständig aus : sie fanden , es dürfte besser sein , sich den Geboten des Herrn Salander zu fügen und die Zusammenkünfte mit den Töchtern einzustellen , um die Frage jedenfalls nicht zu verschärfen . Sie hielten dafür , daß die Mädchen auch keine Neigung hätten , die unbestimmte Gefahr herauszufordern , und von der Volljährigkeit allein nicht leben könnten , wenn es zum Bruche mit den Eltern käme ; und sie fürchteten die Mutter noch mehr als den Vater . Dagegen wollten sie einen schriftlichen Verkehr einführen und so die Zeit erwarten , die ihre Aussichten und Hoffnungen krönen würde . Der Treue der beiden Geliebten waren sie ja sicher , wie ihrer eigenen , und indem sie über diese Seite der Angelegenheit ein paar jugendliche Redeblumen von leichter Bauart in die Verhandlung streuten , nahm diese den verwunderlichsten Ton von der Welt an . Und doch war es ihnen auch hiemit Ernst , da es ja sonderbar hätte zugehen müssen , wenn so junge Gesellen keines dankbaren Gefühles für die Hingabe eines solchen Schwesternpaares fähig gewesen wären . Zu Hause wollten sie den Vorfall verschweigen , damit die Mama nicht neue Verwirrung stifte . IX Im Salanderschen Haushalt schien der gute Hausgeist der Unbefangenheit irgendwo krank zu liegen . In Erwartung eines schweren Tages hatten Setti und Netti , die in jener Unglücksnacht nicht geschlafen , einander gelobt , dem Gerichte der tiefverletzten Mutter mit kindlicher Bescheidenheit , aber auch mit wandelloser Treue dem erwählten Geschicke standzuhalten . Als sie am Morgen in der Familienstube erschienen , sagte niemand ein Wort , und auch als der Vater fortgegangen und sie mit der Mutter allein waren , schwieg diese beharrlich von der Sache , gab auch nicht den geringsten Anlaß , den die Töchter zu einer Beichte hätten ergreifen können . So ging es den Tag hindurch , den folgenden Tag und alle anderen Tage . Die Mutter begrub ersichtlich für sich das Unheil in die Nacht des Schweigens , um es so zu vernichten , im Glauben , daß es gelingen müsse . Der Vater tat auch , als ob er es rein vergessen hätte , und nur die Magdalene flüsterte ihnen einmal zu , sie dürfe nicht davon sprechen , wenn sie nicht fortgeschickt werden wolle . Arnold schrieb wie gewohnt nach Hause , bald an die Eltern , bald an die Schwestern . Die Briefe an Vater und Mutter wurden offen herumgeboten , kein Wort verriet darin , daß er etwas von dem Kummer der Mutter wußte , und was er an die Schwestern schrieb , war ebenso ahnungslos und brüderlich ungeniert wie von jeher . Wenn sie ausgingen , so bemerkten sie nicht die kleinsten Zeichen einer Überwachung ; man fragte gar nicht , wo sie hinwollten , und noch weniger sah ihnen jemand nach . Kehrten sie zurück , so kümmerte sich niemand darum , wo sie gewesen seien , wenn sie es nicht selbst sagten . So wußten diese stattlichen Hochjungfrauen nicht , woran sie waren , und gingen wie Schatten in ihrem durchsichtigen Doppelgeheimnis herum . Sie fühlten sich um so unbehaglicher , je mehr ein ruhiges Einvernehmen sich herzustellen , eine versöhnliche Ausgleichung in alter Gewohnheit neu zu befestigen begann ; denn die Mutter sah bei alledem so aus , wie wenn ein einziges Wort die Finsternis wieder verbreiten könnte . Eines Mittags saß Salander mit den Töchtern allein bei Tisch , weil Frau Marie verreist war , dem Leichenbegängnis einer auf dem Lande verstorbenen Verwandten beizuwohnen . Salander zog einige Privatbriefe aus der Tasche , die er vom Bureau mitgebracht , und beschaute sie näher . » Da ist auch einer von Arnold , « sagte er , » was schreibt er ? « und legte den geöffneten Brief auf den Tisch . Setti nahm das Papier und las . Arnold berichtete , daß er leidlich doktoriert habe , soundso viel Geld draufgegangen sei und daß er nun von der Erlaubnis Gebrauch zu machen gesonnen sei , über London und Paris heimzureisen und dazu ein Jahr zu verwenden . » Das ist mir recht wegen der Sprachen , in denen er noch zurück ist , « sagte der ehemalige Sekundarlehrer , » für das andere gebe ich ihm nicht soviel . Wenn er von England spricht , wird er Dschury sagen , und Schüri , wenn er von Paris erzählt , mehr kann er in einem halben Jahre kaum erschnappen , was die Rechte betrifft ! « Inzwischen hatte Setti den Brief hingelegt , ohne ihn fertig zu lesen , und hielt das Taschentuch vor die Augen . Gleich darauf auch Netti , die den Brief aufgenommen und ebenfalls hineingeblickt . » Was gibt es denn ? Was habt ihr ? « fragte der Vater betroffen , » warum lest ihr nicht zu Ende ? « Er nahm den Brief an sich , suchte den abgebrochenen Schluß und las laut : » Nun grüße ich auch treulichst das holde Geschwisterpaar ! Der Kürze halber habe ich , um mir den teuren Zwiebegriff schneller vor die Seele zu führen , die Namen Setti und Netti zusammengezogen und denke nur Snetti ! , so stehen sie vor mir ! Aber wie steht es denn mit ihnen ? Ist noch keine Verlobung in der Luft ? Sie sind nachgerade keine Hasenbraten mehr ! Mir kann ' s recht sein , wenn ich sie noch hübsch zu