um sein Herzblut , und er kann sich ihrer nicht erwehren - - « Sie kannten ihn darum widersprach keiner . Mohr senkte den Kopf in die hohle Hand . » Ich war mit zwanzig Jahren ein lustiger , übermütiger Junge « , begann er seine Geschichte , » der sich weder vor Gott noch vor dem Teufel fürchtete und dahinlebte , als dauerten Jugend und Gesundheit ewig , nur um alle Freuden des Daseins in vollen Zügen zu genießen . Das Seemannsleben gefiel mir nicht mehr , weil die Zeit der Arbeit und der Entbehrungen so lang war , die Freudentage im Hafen aber sehr kurz , und besonders , weil ich an Bord gehorchen mußte wie ein Schuljunge . Das konnte gerade ich am allerwenigsten , das erregte immer meinen Jähzorn und stürzte mich in viele Verlegenheiten . Einmal habe ich dem Kapitän , der mir ein verweisendes Wort sagte , eine Ohrfeige gegeben und dafür als Meuterer die ganze Reise in Eisen gelegen , aber alles das konnte mich nicht zur Besinnung bringen . Ich ging also von Bord und legte mich einstweilen in meines Vaters Haus vor Anker . Der Alte war Wirt , lebte mit einer bejahrten , mürrischen Schwester ganz allein und sah mich höchst ungern kommen . Einen erwachsenen Sohn zu füttern , der noch obendrein jeden Augenblick mit den Gästen Streit anfing und es meistens vorzog , die besseren Weine und Kognaks selbst auszutrinken , anstatt die Gäste freundlich zu bedienen , das liebte er wenig . Hätte ich Flaschen spülen , Kegel aufsetzen und Bier abzapfen wollen , hätte ich bei der alten Tante den Küchenjungen gespielt und ihr Schoßhündchen gestreichelt , dann wäre alles gut abgelaufen , so aber wurde das Verhältnis zwischen mir und meinem Vater immer schlechter , bis ich zuletzt den ganzen Tag auf der Bank lag und rauchte oder trank , mit mir selbst und der Welt vollständig zerfallen . Sollte ich nachgeben ? Wieder ein Schiff suchen , mich von meinen Kameraden auslachen lassen und der Tante , die den Alten aufhetzte , das Feld räumen ? Es ärgerte mich , nur daran zu denken , aber der gegenwärtige Zustand konnte nicht länger dauern . Es mußte bald anders werden , das sah ich wohl , da mir auch der Vater niemals Geld geben wollte . Es ist genug , daß ich einen Taugenichts ernähre , sagte er mir einmal . Du solltest dich schämen , von deinem alten Vater noch Geld zu verlangen . Ich gebe dir nichts , und wenn du keinen Anzug mehr anzuziehen hast und keine Schuhe an den Füßen . Damals zerschlug ich in meiner wilden Wut alles , was mir im Weg stand , die Flaschen und Gläser , die Fensterscheiben und die Rohrstühle , ich tobte wie ein wildes Tier im Käfig und ging erst fort , als kein heiles Stück mehr zu finden war . Drei Tage lang trieb ich mich umher , aß rohe Feldfrüchte , hungerte und schlief hinter den Zäunen , dann kehrte ich zurück , um nicht ins Gefängnis zu kommen , aber es war ein elendes Leben , das ich führte , mir selbst zur Last . Der Alte sagte nichts ; er fürchtete wohl einen ähnlichen Auftritt und ließ mich daher tun und treiben , was ich wollte . Die Tante machte es ebenso , sie ging im weiten Bogen um mich herum und nahm ihr Hündchen auf den Arm , sobald ich im Zimmer erschien . Das ärgerte mich aber viel mehr , als wenn mir die beiden das Leben täglich zur Hölle gemacht hätten ; ich wurde so grimmig , so verbissen , - oh , ich kann euch nicht sagen , wie . Du hängst dich auf , dachte ich bei mir , dann hat alles ein Ende . Gerade vor der Kammertür der Tante , damit sie sich erschreckt . Den Nagel schlug ich auch richtig in die Mauer hinein , aber weiter kam es nicht . Man hält doch am Leben fest , und wenn es noch so elend ist . Um diese Zeit , gerade an meinem Geburtstag , kam einmal ein Mann in die Schenke , der mit allerlei Kleinigkeiten , unter anderem auch mit Lotterielosen handelte . Ich lag wie gewöhnlich auf der Bank hinterm Ofen , heute noch schlechter gelaunt als sonst . Es war ja mein Geburtstag , aber kein Mensch kümmerte sich darum , niemand hatte mir ein freundliches Wort , einen Glückwunsch gesagt , obwohl es der Alte ganz genau wußte . Das ärgerte mich rasend . Ich dachte wieder an den Nagel über der Kammertür . Da trat der Mann zu mir und hielt zwischen den Fingern ein schmutziges , zerknittertes Blatt . Kauft der Herr kein Los ? fragte er schmeichelnd . Gerade das letzte , also das Glückslos , weil man immer das beste bis zuletzt aufhebt - Nummer 26 ! Es durchfuhr mich sonderbar . Heute an meinem Geburtstage wurde mir das Los angeboten , dessen Nummer die Zahl meiner Jahre angab . Wie merkwürdig ! Ich stand auf und zeigte das Papier dem Alten . Vielleicht ist es ein Wink des Schicksals , flüsterte ich . Vielleicht bringt es mir Glück . Er zuckte die Achseln und wusch seine Gläser , ohne zu antworten . Das brachte mich schon auf , weil es die anderen Gäste sahen . Der Losverkäufer schlich mir nach . Sie sollten es nehmen , drängte er . Die Ziehung ist schon in vierzehn Tagen , und die Nummer bringt Glück . Hab ' schon einmal auf Sechsundzwanzig das große Los gehabt . Wäre doch herrlich , so viel Geld , nicht wahr ? Mir stieg das Blut heiß zu Kopf . Vater , sagte ich mit lauter Stimme , seid so gut und leiht mir die paar Taler , ich will es kaufen . Der Alte zögerte . Er murmelte etwas , das ich nicht verstand , aber er