Ravenna . Mit dem nächsten Sonnwendfest sollen sie eintreffen . « Überrascht schwieg die Versammlung . » Das sind nur noch vierzehn Tage « , sprach endlich Cassiodor . » Wird es möglich sein , in so kurzer Frist noch die Ladungen zu besorgen ? « - » Sie sind besorgt . Hildebrand , mein alter Waffenmeister , und Graf Witichis haben sie alle bestellt . « - » Wer hat die Dekrete unterschrieben ? « fragte Amalaswintha , sich ermannend . » Ich allein , liebe Mutter . Ich mußte doch den Geladnen zeigen , daß ich reif genug , allein zu handeln . « » Und ohne mein Wissen ! « sprach die Regentin . - » Und ohne dein Wissen geschah es , weil es sonst gegen deinen Willen geschehen mußte . « Er schwieg . Alle Römer waren ratlos und wie betäubt von der plötzlich entfalteten Kraft des jungen Königs . Nur in Cethegus stand sogleich der Entschluß fest , jene Versammlung zu verhindern , um jeden Preis . Er sah den Grund all seiner Pläne wanken . gern wär ' er mit aller Wucht seines Wortes der vor seinen Augen versinkenden Regentschaft zu Hilfe gekommen : gern hätte er schon mehrere Male in dieser Verhandlung das kühne Aufstreben des Jünglings mit seiner ruhigen Überlegenheit zu Boden gedrückt : - aber ihm hielt ein seltsamer Zufall Gedanken und Zunge wie mit Zauberbanden gefesselt . Er hatte in der Nische hinter dem Vorhang Geräusch zu vernehmen geglaubt und scharfe Blicke darauf geheftet : da bemerkte er unter dem Vorhang durch , dessen Fransen nicht ganz bis zur Erde reichten , die Füße eines Mannes . Freilich nur bis an die Knöchel . Aber an diesen Knöcheln saßen Beinschienen von Erz eigentümlicher Arbeit . Er kannte diese Beinschienen , er wußte , daß sie zu einer vollen Rüstung gleicher Arbeit gehörten , er wußte auch in unbestimmter Gedankenverbindung , daß der Träger dieser Rüstung ihm verhaßt und gefährlich : aber es war ihm nicht möglich , sich zu sagen , wer dieser Feind sei . Hätte er die Schienen nur bis ans Knie verfolgen können ! Gegen seinen Willen mußte er die Augen immer und immer wieder auf jenen Vorhang richten und raten und raten . Und das bannte seinen Geist jetzt , - jetzt , da alles auf dem Spiele stand . Er zürnte über sich selbst , aber er konnte Gedanken und Blicke nicht von der Nische losreißen . Der König jedoch fuhr , ohne Widerstand zu finden , fort : » Ferner haben wir die edeln Herzoge Thulun , Ibbas und Pitza , die grollend diesen Hof verlassen , aus Gallien und Spanien zurückgerufen . Wir finden , daß allzuviele Römer , allzuwenig Goten uns umgeben . Jene drei tapfern Krieger werden mit Graf Witichis die Wehrmacht unsres Reiches , die Festen und Schiffe untersuchen und alle Schäden aufdecken und heilen . Sie werden nächstens eintreffen . « Sie müssen sogleich wieder fort , sagte Cethegus rasch zu sich selbst . Aber seine Gedanken fuhren fort : Nicht ohne Grund ist jener Mann dadrinnen versteckt . » Weiter « , hob der königliche Jüngling wieder an , » haben wir Mataswinthen , unsre schöne Schwester , zurückbeschieden an unsern Hof . Man hat sie nach Tarent verbannt , weil sie sich geweigert , eines betagten Römers Weib zu werden . Sie soll wiederkehren , die schönste Blume unsres Volkes , und unsren Hof verherrlichen . « » Unmöglich ! « rief Amalaswintha : » Du greifst in das Recht der Mutter wie der Königin . « - » Ich bin das Haupt der Sippe , sobald ich mündig bin . « » Mein Sohn , du weißt , wie schwach du warst noch vor wenigen Wochen . Glaubst du wirklich , die gotischen Heermänner werden dich waffenreif erklären ? « Der König wurde rot wie sein Purpur , halb vor Scham , halb vor Zorn ; eh ' er Antwort fand rief eine rauhe Stimme an seiner Seite : » Sorge nicht darum , Frau Königin . Ich bin sein Waffenmeister gewesen : ich sage dir , er kann sich messen mit jedem Feind : und wen der alte Hildebrand wehrfähig spricht , der gilt dafür bei allen Goten . « Lauter Beifall der anwesenden Goten bestätigte sein Wort . Wieder gedachte Cethegus einzugreifen , aber eine Bewegung hinter dem Vorhang zog seine Gedanken ab : Einer meiner größten Feinde ist es , aber wer ? » Noch eine wichtige Sache ist euch kundzutun « , begann der König wieder , mit einem flüchtigen Seitenblick nach der Nische , der dem Präfekten nicht entging . Etwa ein Anschlag gegen mich ? dachte er . Man wollte mich überraschen ? Das soll nicht gelingen ! - Aber es überraschte ihn doch , als plötzlich der König mit lauter Stimme rief : » Präfekt von Rom , Cethegus Cäsarius ! « Er zuckte , aber rasch gefaßt , neigte er das Haupt und sprach : » Mein Herr und König . « - » Hast du uns nichts aus Rom zu melden ? Wie ist die Stimmung der Quiriten ? Was denkt man dort von den Goten ? « » Man ehrt sie als das Volk Theoderichs ! « - » Fürchtet man sie ? « - » Man hat nicht Ursach , sie zu fürchten . « - » Liebt man sie ? « - Gern hätte Cethegus geantwortet : Man hat nicht Ursach ' , sie zu lieben . Aber der König selbst fuhr fort : » Also keine Spur von Unzufriedenheit ? Kein Grund zur Sorge ? Nichts Besonderes , das sich vorbereitet . « » Ich habe nichts dir anzuzeigen . « - » Dann bist du schlecht unterrichtet , Präfekt - oder schlecht gesinnt . Muß ich , der in Ravenna kaum vom Siechbett ersteht , dir sagen , was in deinem Rom unter deinen Augen vorgeht ? Die Arbeiter auf deinen