ist , wenn sie hinauskommen , ihr Seelenleid . Heimweh die Heimatlosen ? - Das Leid heißt Sehnsucht nach den Waldbergen , in welchen sie einmal den Jahreslauf durchlebt . Der schwarze Mathes Im Hinterwinkel steht die unheimliche Hütte . Ich bin vor kurzem in ihr gewesen und hab ' den Raufbold Mathes , den Menschen mit der herben Schale gesehen . Es ist ein kleines , hageres Männchen , liegt hingestreckt auf einem Mooslager und hat Arm und Kopf in Fetzen gewunden . Er ist arg verletzt . Die Fenster der Klause sind mit Lappen verdeckt ; der Mann kann das Licht nicht vertragen . Sein Weib , jung und anmutig , aber abgehärmt zum Erbarmen , kniet neben ihm und netzt ihm mit Holzapfelessig die Stirn . Sein Auge starrt sie fast leblos an , aber sein Mund mit den weißen Zähnen ist , als wollte er lächeln . Der Mann riecht stark nach Pechöl . Als ich eintrete , hocken ein blasser , schwarzlockiger Knabe und ein helläugiges Mädchen zu seinen Füßen und diese Kinder spielen mit Moosflocken . » Das wird ein Gärtelein , « sagt das Mädchen » und da baue ich weiße Rosen an ! « Der Knabe bildet aus Hölzlein ein Kreuz und ruft : » Vater , jetzt weiß ich es : ich mache den Holdenschlager Freithof ! « Die Mutter erschrickt und verweist den Kleinen das gellende Geschrei ; der Mathes aber sagt : » Je , schreien magst sie schon lassen ; den Freithof wird auch noch einer brauchen . Aber , eines , Weib , laß dem Lazarus seinen Jähzorn nicht gelten . Um des Herrgotts Willen , nur das nicht ! Du schweigst ? Du willst mein Wort nicht halten ? Meinst etwan , du verstündest es besser , als ich ? du ! ich sag ' dir ' s , Weib mach ' mich nit wild ! « Die Lappen reißt er von den Armen und will sich aufrichten . Das Weib sagt ihm liebreiche Worte und schiebt ihn sanft zurück . Mehr noch aber schiebt die Schwäche und er sinkt auf das Lager . Die Kinder sind aus der Hütte gewiesen worden , und auf dem sonnigen Wiesenplane bin ich eine Weile bei ihnen gewesen und habe mich mit ihnen unter Spielen und Märchenerzählen ergötzt . Ein paar Tage später komme ich wieder hinauf . Da geht es dem Kranken ein gut Teil schlechter . Er kann sich nicht mehr aufrichten , wenn die Wut kommt . Was ihm denn eigentlich fehle ? » So viel geschlagen ist er worden , « hat mir das betrübte Weib mitgeteilt . Ich bin anfangs durch die Kinder eingeführt worden und genieße im Hause des Mathes einiges Vertrauen . Ich gehe öfters hinauf ; ich will allzumal auch das Elend im Walde kennen lernen . Einmal , als der Mathes in einem ruhigen Schlummer liegt und ich neben dem Lager sitze , atmet das Weib schwer auf , als trüge sie eine Last . Dann sagt sie die Worte : » Ich getrau ' mir ' s wohl zu sagen , auf der Welt gibt es keine bessere Seel ' , als der Mathes ist . Aber wenn ein Mensch einmal so gepeinigt worden von den Leuten , und so niedergedrückt und so schwarz gemacht , wie er , so müßt ' er kein frisch ' Tröpfel Blut im Leib haben , wollt ' er nicht wild werden . « Und ein wenig später fährt sie fort : » Ich wüßt ' zu reden , ich hab ' ihn von Kindeszeit auf gekannt . « » So redet , « habe ich entgegnet , » in mir habt ihr einen Menschen vor Euch . « » Lustig ist er gewesen , wie ein Vöglein in den Lüften ; hell zuckt hat alles an ihm vor lauter Freud ' und Lebendigkeit . Und er hat ' s damalen noch gar nicht gewußt , daß er zwei großmächtige Meierhöf ' erben sollt ' ; hätt ' s auch nicht geachtet ; am liebsten ist ihm die Erden Gottes gewesen , wie sie daliegt im Sonnenschein . - Wartet nur , ' s ist nicht allerweg ' so fortgegangen . « Und nach einer weiteren Weile fährt das Weib fort : » In seinem zwanzigsten Jahr herum mag ' s gewesen sein , da ist er einmal mit einer Kornfuhr in die Kreisstadt gefahren . Das Fuhrwerk hat ein Überreiter ( Gendarm zurückgebracht ; der Mathes ist nicht mehr heimgekommen . » Oho ! Heimgekommen schon ! « unterbricht sie der Kranke , und will sich heben . - » Es ist nichts Unrechtes , das du erzählst , Weib , aber wissen wirst es nicht recht , bist ja nicht dabeigewesen , Adelheid , wie sie mich erwischt haben . Ich erzähl ' s selber . Wie ich in der Stadt mein Geschäft fertig hab ' , geh ' ich ins Wirtshaus , daß ich mir ein wenig die Zunge netz ' . Auf dem Kornmarkt , müßt ' Ihr denken , wird das Red ' werk trocken , bis der letzte Sack vom Wagen geschwätzt ist . - Wie ich in die Wirtsstuben tret ' , sitzen ihrer drei , vier Herren bei einem Tisch , laden mich ein , daß ich mich zu ihnen setz ' und mit ihnen Wein trink ' . - Freundlich sind die Herren gewesen , eingeschenkt haben sie mir . « Der Mann unterbricht sich , um Atem zu schöpfen ; sein Weib bittet ihn , daß er sich schone . Der Kranke hört es nicht und fährt fort : » Von den Welschen haben sie erzählt , die in Ewigkeit keine Ruh ' geben wollen , und von den Kriegszeiten und dem lustigen Soldatenleben ; und gleich darauf fragen sie wieder , wie das Korn geraten , was der Scheffel koste . Ich bin lustig worden , hab ' meine Freud ' gehabt