kühl er auch sagte : » Nun , nun ! Man muß noch nicht glauben , daß alles schon angebunden sei , was einem einmal etliche Schritte nachläuft . Mädchenlaunen sind übernächtig , und wer ihnen traut , dem kann es gehen wie dem , der über ein schnell entstandenes Eis fährt . Doch ich gönne der Zusel den Spaß , und der Heuer ist wohl klug genug , um selbst ganz richtig über die Sache zu denken . « Mit diesen Worten , nur so im Vorbeigehen flüchtig hingeworfen , glaubte sich der Krämer schon im voraus sicherstellen zu müssen gegen allerlei , was im stolz aufgerichteten Köpfchen des Heuers vielleicht sich zu regen begann . Er konnte sich den raschen Entschluß des wunderlichen Mädchens nur erklären , wenn er als gewiß annahm , was er sich und ihm wünschte . Wenn Zusel jetzt einmal neben Hansen vorbeiging , so redete sie ihn immer ganz besonders freundlich an ; ja in der Woche vor der Kirchweih blieb sie wohl auch auf der Gasse neben ihm stehen , als ob sie erwarte , nun müsse er vom nächsten Sonntag anfangen und sie wenigstens um ein Tänzchen bitten . Der Krämer nahm das um so gewisser an , da sie nie die beste Laune von ihm zu holen schien . Tanzen aber wollte Zusel durchaus , das hatte sie schon lange gesagt , und nun sollte wohl auch noch Hans ein wenig geärgert werden . Dazu nun war der Heuer ganz der Rechte . Er stand gar zu niedrig , als daß dieser Spaß mit dem etwas eiteln Menschen für mehr als eine Spielerei gehalten werden durfte . Als daher der Krämer nach seinem Zuspruch Zusels spöttisches Lächeln zu bemerken glaubte , war ihm wieder so wohl wie einem armen Sünder mit dem Beichtschein in der Tasche . Seine Freundlichkeit gegen den Heuer machte , daß diesem der Kamm noch mehr schwoll und er am Samstag mit den vom Krämer angestellten Heuerinnen kaum noch reden mochte . Wer den alten Mann seinen Laden für die Kirchweih herrichten sah , so bedächtig und sicher , der ahnte nicht , wieviel anderes dieser starre Kopf unterdessen rechnete . Aber es mußte gut gehen , die Zahlen schienen zu stimmen , denn über sein hartes Gesicht flog zuweilen etwas wie ein Lächeln . Ja , ja , er hatte schon viel gewonnen . Das Mädchen war wenigstens aus seiner Starrheit , aus dem unverfolgbaren Difteln und Grübeln heraus . Allerdings mußte Zusels toller Streich viel zu reden geben , doch damit war vielleicht mehr zu gewinnen , als im schlimmsten Falle verloren ging . Daß der träge Hans sich am Karsamstage selbst wegen Eierschalen umgesehen hatte , war eine Tat gewesen , wie billigerweise wenigstens in diesem Jahr keine zweite mehr von ihm verlangt werden konnte , wenn es nicht gelang , ihn mit Gewalt zu treiben . Das aber sollte nun geschehen und geschah auch ziemlich sicher durch die Laune seines Kindes . Ja , es stimmte alles so gut , daß der Krämer seine Zusel für ein verteufelt kluges Mädchen zu halten begann . Die Eifersucht oder nichts mehr mußte wirken . Das war ganz klar , nun erfuhr man jedenfalls , woran man mit dem närrischen Burschen sei . Hans war gewohnt , sich alles auf halbem Wege entgegenkommen zu sehen ; nun aber sollte er sich wenigstens so rühren und regen lernen um das hübscheste und eines der reicheren Mädchen wie gestern um sein vom Gewitter bedrohtes Heu . Immer siegesgewisser begann der Mann sich Hansens langes Gesicht vorzustellen , wenn der Angelikas Schwester mit dem fremden Heuer auftreten sehe . Stolz , Neid , Mitleid , alles mußte sich regen und den Burschen neben seiner armen , bleichen Magd keine frohe Minute mehr erleben lassen . Und wenn ' s nun gleich zünden sollte , wenn es ihn mit Gewalt zu Zusel trieb , dann war ja der Heuer eben der rechte Mann , den man jeden Augenblick wieder ganz ruhig fallen lassen durfte , ohne daß dabei etwas zu fürchten war . Und wenn Hans wirklich und wider alles Erwarten sich gar nichts abtrotzen ließ , wenn er noch länger Dorotheens Narr sein wollte und die alte Stigerin das litt , nun , dann war das Mädchen darum noch nicht unglücklich . War er doch mit dem Hansjörg endlich so weit , daß das Denken an ihn der Zusel lästig zu werden begann und sie eine Zerstreuung suchte . Ja , Hansjörg war nun doch glücklich weg . Das war dem Krämer jetzt genug , und freudig hoffte er , daß der morgige Tag etwas Gutes bringen werde , während Zusel sich von der Ungeduld eines tanzlustigen Mädchens nicht mehr das mindeste anmerken ließ . Neuntes Kapitel Die Auer Kirchweih Wer , der im hinteren Bregenzerwalde jung war , hätte sich noch nie beim Arbeiten , beim Essen und selbst beim Geldzählen unterbrechen lassen , wenn unvermutet von der Auer Kirchweih die Rede war ? Wie ein mächtiger Zauberspruch ruft dieses Wort eine ganze Reihe froher und trüber Bilder wach , die wohl auch den gestandenen Mann und die fleißige Hausmutter noch länger beschäftigen , als sie andere gern glauben ließen . Kaum dürfte je ein Menschenleben hier so arm gewesen sein , daß keine Auer Kirchweih darin liebe , süße Hoffnungen geweckt oder zerstört hätte . Kommt , ihr Väter und Mütter unter der Strecke Himmelsbläue , die man hier sieht , und sagt , ob es nicht eine Kirchweih war , wo ihr euch zuerst als Pärchen öffentlich zeigtet , wo ihr einmal recht seelenvergnügt sein konntet oder euch zum allererstenmal recht grausam ärgern mußtet ! Wer wäre wohl so geld- und freundesarm , daß er selbst heute nichts kaufen , niemanden beschenken und erfreuen könnte ? Das alte Bäschen dort strickt nicht nur darum die Wochen vorher so fleißig , um eine Kirchweih zu vergessen , sondern auch um dem Schwesterkind an diesem Tag etwas