, antwortete Melitta ; genau so war mir zu Muthe , als ich von meiner Tante zum ersten Mal auf den Ball geführt wurde . Aber das ist lange , undenkbar lange her ; seitdem hat meine Stimmung , so viel ich weiß , mit meinem Appetit nie wieder etwas zu thun gehabt . Trotz dieser Prahlerei indessen blieb auch für Melitta außer ein paar eingemachten Früchten Alles auf der Tafel Schaugericht . Das süße Feuer , das ihren Busen höher wallen und ihre schönen Augen in noch zärtlicherem Lichte strahlen machte , bedurfte zu seiner Nahrung nicht der Gaben der Ceres . Zum ersten Male an diesem Nachmittage gerieth das Gespräch in ' s Stocken . Von dem , was ihre Herzen zum Zerspringen füllte , wagte Keiner zu sprechen ; und Alles sonst erschien so gleichgültig , so nüchtern ! Eine Verlegenheit , die sie vergebens hinter dem Anschein der Unbefangenheit zu verbergen sich bemühten , überkam sie . Beide fühlten , wie eine starke , unsichtbare Hand ihnen die Masken , mit denen wir auf dem Carneval des Lebens unsere wahren Gesichter vor einander verhüllen , langsam , langsam abstreifte . Aus dieser wunderlichen Lage erlöste sie der alte Baumann , der jetzt das närrische Kind der Champagne in seiner silbernen , mit Eis gefüllten Wiege herbeibrachte , und vor Oswald auf den Tisch stellte . Wie er es in den wenigen Minuten bewerkstelligen konnte , aus dem tiefen Keller und der nietennagelfesten Kiste das Gewünschte herbeizuschaffen , war eines der Räthsel , in die sich der gute alte Mann zu hüllen liebte , und die er für jedes sterbliche Auge undurchdringlich hielt . Mit kunstgerechter Hand die Flasche entkorkend , füllte er den perlenden Wein in die langen zierlichen Kelche , die er vom Büffet genommen , und schaute , wohlgefällig lächelnd , zu , wie seine Herrin fast gierig den süßen Trank schlürfte und ihm das geleerte Glas hinhaltend rief : Encore , Baumann ! und schenke Er sich auch ein Glas ein und trinke Er es auf das Wohl unseres Gastes ! Der alte Diener that , wie ihm geheißen ; füllte sich am Büffet ein Glas , und dann , auf zwei Schritt an den Tisch herantretend , rief er : Zuerst auf Ihr Wohl , gnädige Frau ! denn das geht mir doch über Alles . Und möge der liebe Gott Ihre Augen allezeit so fröhlich blicken lassen , wie zu dieser Stunde ! Und sodann auf Ihr Wohl , junger Herr ! und möge der Himmel Ihren Eingang in dies Haus gesegnen , daß nichts als Frieden und Freude daraus komme . Und das wünscht Ihnen der alte Baumann ! So sprach er und leerte langsam das Glas , den Kopf zurückbiegend , bis sein Auge auf den bausbackigen Engelskopf in der Stuckatur der Decke gerade über seinem Scheitel traf ; und das geleerte Glas dann wieder auf das Büffet setzend , trat er an ' s Fenster , dem Paar am Tisch den Rücken zuwendend , wie um die Unterhaltung nicht weiter zu stören . Die Gegenwart des alten Dieners und der belebende Wein hatten ihre Zungen wieder gelöst und ihre Blicke kühner gemacht . Sie schwatzten , scheinbar unbefangen , über allerlei gleichgültige Dinge , bis Oswald Melitta an ihr Versprechen , ihn noch heute nach dem Häuschen im Walde zu führen , erinnerte . Habe ich Ihnen das versprochen ? sagte Melitta . Nun so muß ich es auch wohl thun , obgleich es mir beinahe jetzt leid ist , denn Sie glauben nicht an meine Heilige und sind deshalb nicht würdig , ihre Kapelle zu betreten . Ihre Heilige ? Die hohe Frau von Milo . Ich muß Ihnen jetzt auch nur erzählen , wie weit meine Schwärmerei für die Göttliche ging . Nach meiner Rückkehr verfolgte mich die Erinnerung an das schöne Bild im Louvre so , daß ich nicht ruhte , bis ich mir von Paris mit nicht geringen Kosten eine ausgezeichnete Copie verschafft hatte . Weil ich aber nicht wagte , meine Heilige hier im Hause aufzustellen , brachte ich sie nach dem Häuschen im Walde , das so meine Waldkapelle wurde , zu der ich jedes Mal , wenn Besuch in Berkow ist , den Schlüssel verloren habe ; und wo ich oft ganze Tage und Nächte zubringe , wenn die dummen Menschen mich einmal mehr als gewöhnlich geärgert haben , und ich , da ich keine Gesellschaft haben kann , wie ich sie wünsche , wenigstens ganz einsam sein will . Und da machen Sie dann mit dem Harfner im Wilhelm Meister die traurige Erfahrung , daß , wer sich der Einsamkeit ergiebt , bald allein ist ; aber Ihnen hätte ich solche hypochondrische Grillen am wenigsten zugetraut . Warum nicht mir ? Weil Sie so gut und so heiter blicken - blicken können . Und wissen Sie nicht , daß gerade die heitern Augen am leichtesten weinen ? Ich möchte Sie um Alles in der Welt nicht weinen sehen ; ich glaube , das könnte mir das Leben auf immerdar verleiden . Und wieder ruhten ihre Blicke in einander , und ihre Seelen küßten sich . Nun denn , so kommen Sie ! sagte Melitta . Es zieht ein Gewitter herauf , bemerkte der alte Baumann vom Fenster her , ohne sich umzuwenden . Bis es herauf ist , sind wir längst drüben , sagte Melitta , die sich schon erhoben hatte . Und wenn Sie sich vor einem Gewitter nicht mehr fürchten , als ich - oder fürchten Sie sich vor einem Gewitter ? - Oswald lächelte . So soll uns das wahrlich nicht abhalten . Uebrigens sehe ich vom Gewitter keine Spur ; sagte sie schon an der Thür des Gartensaales . In diesem Augenblick zog ein blauer Schatten über den Garten , und eine Schaar Schwalben schoß zirpend und schreiend dicht über die Erde streifend , an der Thür vorbei . Wollen wir doch lieber bleiben ? sagte