Preis nicht , den Sie mir gezeigt haben . « Sie warf sich schluchzend am Divan nieder ; er setzte sich zu ihr und nahm ihre Hand in die seine . » Warum trauern , Iwanowna , « sagte er freundlich , » nachdem Sie mich so unaussprechlich glücklich gemacht ? Warum trauern , daß uns ein persönliches Mißgeschick trennt , wo uns das Geschick der Völker in jedem Augenblick unwiderruflich zu trennen drohte . - - Denken Sie , wie unendlich leichter es mir sein wird , jetzt der Kugel Ihres erbitterten Bruders die Brust zu bieten für Sie , als wenn das eherne Geschick der Schlachten uns gegenüber gestellt und die kalte Berechnung der Politik Ihres Kaisers und seiner Nesselrode ' s und Kisseleff ' s den Freund dem Freunde , den Bruder dem Bruder den Stahl in ' s Herz stoßen hieße ! « Die Worte , die Namen , schienen die Fürstin berührt zu haben , - einen Augenblick schwieg sie wie nachdenkend , dann raffte sie sich rasch empor . Sie schien ihre volle , eine kurze Zeit von der doppelten Aufregung gestörte Energie wiederzugewinnen . » Wann soll das unglückliche Duell vor sich gehen ? « » So viel ich weiß , gegen Abend , - um sechs Uhr . « » Eugen , wollen Sie mir eine Bitte erfüllen ? « sie hob die Hände gegen ihn . » Jede , die sich mit meiner Ehre verträgt . « » Sie ist auch die meine und wird unverletzt aus Allem hervorgehen . « Sie drängte ihn freundlich zum Seitentisch , auf dem das Schreib-Necessaire stand . » Schreiben Sie an Herrn de Sazé , nur einige Zeilen , daß das Duell erst morgen früh um dieselbe Stunde stattfinden könne , - nehmen Sie irgend einen Vorwand - die Ordnung Ihrer Angelegenheiten - « » Aber ich darf nicht - ich kann nicht - Sie sinnen eine List ... « » Bei dem Grabe meiner Mutter , ich sinne Nichts gegen Ihre Ehre ! Ist das Leben zweier Menschen nicht einen kurzen Aufschub von zwölf Stunden werth ? - Galt Ihnen das Geständniß meiner Liebe so wenig ? « Er reichte ihr die Hand . » Es ist unnöthig , daß ich schreibe , - der Marquis hat versprochen , in einer halben Stunde hier zu sein und ich gebe Ihnen mein Wort , daß Ihr Wille erfüllt werden soll , daß Arrangement wird sich leicht treffen oder ändern lassen , ohne aufzufallen . - Fürstin , ich ahne Ihren Grund - Sie wollen Ihren Bruder bewegen - möge Gott seinem Engel zu dem Werke des Friedens helfen . Ich werde glücklich sein , diese Lösung von Ihrer Hand annehmen zu können . « Sie sah ihm trübe lächelnd in die heiterer gewordenen Augen . » Meinen Dank , mein Freund , meinen innigen ewigen Dank ! - und jetzt - mein Lebewohl ! « Sie wandte sich rasch nach der Thür , er eilte ihr nach , aber sie selbst kehrte sich an dieser noch einmal zu ihm . Ihre Hände faßten die seinen - ihre Augen hafteten auf den seinen , Minuten lang , innig und zärtlich , und doch wie unter dem Flor einer tiefen Traurigkeit . Er zog sie näher , - unwillkürlich - im stummen Glück - ruhten ihre Lippen einen Moment auf den seinen voll und heiß - dann rauschte die Portiere hinter ihr zusammen - sie war verschwunden ! Der Vicomte trat in ' s Seitenzimmer , die theure Gestalt noch ein Mal zu sehen ; eben eilte sie mit Annuschka , von dem Araber begleitet , durch die Pforte - im nächsten Augenblick rollte der Wagen davon . - Als der Fiaker in die Rue de Grenelle gebogen war , befahl Annuschka dem Kutscher : » Nach der Faubourg St. Honoré 33 , Hotel der russischen Gesandten . « - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Fürst Iwan , - durch ein Billet des Grafen Wassilkowitsch von der veränderten Bestimmung des Rendezvous in Kenntniß gesetzt , - hatte eben seinen gewöhnlichen Besuch im Palais und Büreau der Gesandtschaft gemacht und wollte sich entfernen , als Herr von Kisseleff , der damalige Vertreter Rußlands in Paris , ihn in sein Kabinet rufen ließ . Etwas beunruhigt folgte er dem Boten , sah sich aber in seiner Besorgniß getäuscht , da der Gesandte ihn auf ' s Freundlichste empfing , mit keiner Sylbe ein Kenntniß des vorgefallenen Zwistes an den Tag legte und ihn einlud , mit ihm en deux zu speisen , da mehrere geheime Depeschen zu erledigen wären , wegen deren er für die nächsten Stunden seiner Hülfe in Anspruch nehmen müsse . Im Ganzen war es dem jungen Mann nicht unlieb , einen Vorwand zu finden , der ihm erlaubte , nicht in sein Hotel zurückzukehren und so den Fragen der Schwester auszuweichen . Vor Abend hatte er ohnehin keine Bestimmung über seine Zeit getroffen , und die Stunden vor einem Duell allein zu verbringen , ist eben für Keinen angenehm . So fügte er sich also gern und die Arbeit zerstreute ihn . Aber Stunde auf Stunde verrann , der Gesandte , der von Zeit zu Zeit das Kabinet verließ und ihn bei der Arbeit einschloß , häufte immer neue Manuscripte vor ihm , und die Zeit nahete , zu der er versprochen hatte , an einer anderen Stelle zu sein . Abgespannt und ärgerlich warf er endlich die Papiere zur Seite . Die Depeschen waren vollendet und er nahm seinen Hut , um sich zu entfernen . Die Uhr im Kabinet zeigte eben halb Zehn , als Herr von Kisseleff wieder eintrat und die letzten Unterschriften vollzog . » Ich muß Sie noch einen Augenblick bemühen , Fürst , « sagte er artig ; » die Secretaire haben bereits das Hotel verlassen