Hand gegeben - sie hatte ihn nicht hinter sich gehen lassen , wie einen Diener , wie er bescheiden gewollt - sie hatte ihm die Hand gegeben , und war neben ihm gegangen , wie neben einem Freund - und dann hatte sie ihm gedankt . Aber gewiß hätte sie ihn dafür gern mit irgend einer Gabe gelohnt - aber das sollte sie nicht , nein , dies Mal gewiß nicht , sie sollte ihn nicht bezahlen , wie die reichen Leute die armen für jeden Liebesdienst , womit sie oft so weh thun - sie sollte ihn nicht bezahlen , weil er ein paar Minuten so glücklich gewesen war . Und so dachte und grübelte er noch lange fort , bis endlich der Schlaf kam , und mit ihm der Traum , und mit diesem Paulinens Bild . X. Der Rittmeister » Wie drunten die Puppen rennen , So winzig , so käferklein , Die selbst nicht vor Stolz sich kennen , Will jede was Mehres sein . « C. Schreiber . Monate waren verstrichen - der Frühling war gekommen . Der Frühling ist gekommen ! Das war wie ein Jubelruf über die ganze , vom langen schweren Wintertraume erwachende Erde gezogen . Alle Fluren waren wieder grün geworden , alle Märzblümchen und Veilchen blühten wieder , alle Schwalben waren gekommen und suchten die verlassenen Nester wieder , und alle Lerchen sangen wieder - und dieser ganze lebende , lachende Frühling klang und blühte auch in manchem Herzen wieder . Elisabeth und Pauline waren glücklich , als sie Beide , dem verschwiegensten Leben und Weben der Natur so nahe , den Frühling kommen sahen . Beide sahen sich jetzt öfter , und genossen die schönen Tage zusammen . Zwar sahen Elisabeths Eltern diese Freundschaft so ungern , als Paulinens Vater sie gern sah , weil es ihm immer Freude machte , wo er die Aristokratie der Geburt sich vor der seinen , vor der des Geldes , demüthigen sah . Aber wie oft auch Anfangs die Gräfin sanfte Vorstellungen an Elisabeth versuchte , in welchen sie Pauline als einen unpassenden Umgang schilderte - Elisabeth erklärte fest und bestimmt , daß sie dieser Freundin nie entsagen werde - und so war Pauline auf Schloß Hohenthal vorgestellt und hatte immer freien Zutritt . Die Gräfin war zu hoch und fein gebildet , um je dem bürgerlichen Mädchen merken zu lassen , daß seine Gegenwart ihr unangenehm sei - sie behandelte es immer mit zuvorkommender Herablassung , aber zugleich mit kalter Förmlichkeit . Von dem Grafen galt dasselbe . Uebrigens hatte man im Schloß den Winter ganz einsam verlebt . Nur Rittmeister von Waldow war mit seiner Gattin öfter gekommen - ein langweiliges , unbedeutendes , langsam alterndes Ehepaar - und einige andere alte aristokratische Herren , welche in der Nähe lebten , und an einem bestimmten Abend zum Spiel mit dem Grafen kamen . Unter diesen langweiligen Verhältnissen , fühlte die Gräfin selbst , wäre es Grausamkeit gewesen , Elisabeth Paulinens Umgang zu entziehen - allein das Frühjahr brachte die ebenbürtigen Nachbarn zurück , welche im Winter die Einsamkeit ihrer Landgüter mit dem Leben in der Residenz vertauscht hatten . Es war also auch an einem schönen Frühlingsmorgen , als die beiden Freundinnen Arm in Arm durch die saftgrünen Wiesen gingen . Sie hatten sich Veilchen und Maasliebchen gepflückt , und um daraus kleine Kränze zu winden , setzten sie sich nebeneinander auf eine Bank . Es war ein liebliches Bild . Pauline trug einen runden Strohhut mit flatternden Enden ; ihr blondes Haar war darunter glatt gescheitelt , ihre kleine , zarte Gestalt umgab ein luftiges Kleid von rosaer Farbe mit einer Art von schwarzem , den Hals umschließenden Sammetmieder . Ihre ganze Erscheinung hatte etwas Idyllisches . Eine Art Gegensatz zu diesem Eindruck empfing man durch Elisabeths Bild . Um ihre langen blonden Locken hatte sie einen Tüllschleier geknüpft , ihre edle , schlanke Gestalt umschloß ein schwarzes Wollenkleid mit weiten Aermeln und einer langen Gürtelschnur um die zarte Taille , so glich sie halb einem Burgfräulein , halb einer Nonne vergangener Zeit . Als so die beiden Mädchen im kindlichen Naturgenuß mit den Veilchen auf ihrem Schoos spielten , und ihre Blicke darauf gesenkt hatten , ahnten sie nicht , daß sie plötzlich der Gegenstand einer lebhaften Unterredung geworden . Jaromir von Szariny und ein jüngerer Baron von Waldow , Neffe des Rittmeisters , waren in einem Seitenweg , und von ihnen ungesehen , vorübergegangen . » Da ist sie wieder ! « rief Jaromir , und blieb traumverloren stehen . Es befremdete ihn gar nicht , daß er die Unbekannte wieder sah , obwohl er sie am Wenigsten jetzt und hier erwartet hätte - aber daß er ihr einst wieder begegnen werde , hatte ihm Tausend Mal sein Herz gesagt , und er hatte diesem seltsamen prophetischen Herzen immer geglaubt . » Ah , Sie meinen die Damen dort , Schade , daß ich meine Lorgnette vergessen habe , « sagte Waldow nachlässig , indem er auch stehen blieb . » Ich bitte Sie , Waldow , Sie waren schon öfter hier , Sie müssen die Damen dieser Umgegend kennen - sagen Sie mir endlich , wer dieses Mädchen ist ! « » Was denn endlich ? « erwiderte Waldow , der die Dringlichkeit seines Freundes nicht begriff . » Ich habe sie noch niemals gesehen - doch ja , ich entsinne mich , gestern sah ich die Eine von ihnen mit dem alten Felchner , dem Fabrikanten , fahren , man sagte mir , es sei seine Tochter . « » Seine Tochter ? Aber welche meinen Sie ? « fragte Jaromir ziemlich befremdet . » Die Kleine . « » Die Kleine - aber die Schlanke , wer ist sie ? « » Nun jedenfalls auch so ein Fabrikantenmädchen , vielleicht eine Untergebene , eine Verwandte - was weiß ich . Etwas Nobles kann es keines Falls sein , « sagte Waldow leicht , und