bildeten einen kleinen duftigen Hain um mein Sopha . Benvenuta hatte sich auf dessen dunkelrothe Polster gesetzt , und sah aus wie ein Wachspüppchen inmitten einer Christbescheerung . Da ich Abends zuvor an Fidelis gesagt hatte , ich könne gar nicht recht meine Blumenliebhaberei hier befriedigen : so zweifelte ich keinen Augenblick daß er mir diese Ueberraschung bereitet habe . Ich schickte Benvenuta zu ihm hinauf ; sie sollte ihm vorläufig meinen Dank sagen . Er kam mit ihr zurück um sich eine Erklärung der ihm unverständlichen Botschaft auszubitten . Genug - die Blumen waren nicht von ihm . Die Dienstboten wurden befragt und es ergab sich , daß zwei Gärtnerburschen sie in einer Gondel hergebracht und sie meinem Kammerdiener überliefert hatten mit der Bemerkung : ich wisse schon wer sie sende . Die Sache kam mir wie ein Mißverständniß über Namen des Palastes oder der Bewohner vor , und ich erwartete jeden Augenblick daß die Gärtner wieder erscheinen und sich ihre Blumen ausbitten würden . Allein sie blieben ohne fernere Nachfrage bei mir . Ich scherzte mit Fidelis über diese kleine Begebenheit und malte ihm aus , daß möglicher Weise die Erkaltung zweier Liebenden aus dieser Blumensendung entspringen könne . Der Cicisbeo finde sie nicht im Zimmer seiner Dame - oder die Dame erwarte sie vergebens an ihrem Namenstage , etc. Schließlich sagte ich : » Die eigentliche Blume von Venedig ist aber doch die mystische auf dem Wasser schwimmende Lotosblume , dies Symbol der Vereinigung der Tiefe und des Lichts zur Liebe , d.h. zum Leben . « Am andern Morgen stand auf der Brüstung meines Balkons eine ganze Reihe der schönsten aller Wasserblumen : der Calla aethiopica . Die großen weißen mandelduftenden Kelche neigten sich alle wie zum Gruß von dem schlanken Stengel in die geöfnete Thür meines Cabinets hinein . Diesmal wird Fidelis doch nicht seine Hand verleugnen können ! rief ich entzückt . Aber er leugnete ganz bestimmt . » Es käme mir auch gar nicht zu , Ihnen Blumen zu schenken , sagte er endlich . Ein unbekannter Verehrer wird diese Boten gewählt haben um Ihnen seine stumme verschwiegene Huldigung darzubringen . « Ich fand diese Aufmerksamkeit befremdlich , da ich an kein zweites Mißverständniß glauben konnte ; und noch befremdlicher die Wahl der Blumen , welche in der That auf den Lotus Bezug zu haben schien . Gino hatte sie diesmal wiederum von zwei Gärtnerburschen in einer Barke in Empfang genommen . Ich fragte ihn etwas mißtrauisch ob er deutsch verstehe . » Bestia ch ' io sono .... no , ' Lustrissima ! « rief er , sich scherzhaft verwünschend nicht meine Sprache zu verstehen . Ich befahl ihm und den übrigen Dienstboten eine abermalige Blumensendung sofort abzuweisen , und war grenzenlos erstaunt als dennoch am andern Morgen drei riesenhafte Sträuße von purpurfarbenen Nelken auf meinem Schreibtisch lagen . Ich ließ meine Leute zusammen rufen , und erklärte ihnen , ich würde sie alle entlassen so wie Einer von ihnen - ich frage nicht welcher ! - gegen meinen ausdrücklichen Befehl handle . Mein Kammerdiener und meine Kammerfrau waren Deutsche ; Benvenuta ' s Wärterin war eine Engländerin ; alle drei lange und treu befunden in meinem Dienst . Aber ich hatte außer Gino und den drei Gondolieren noch einen französischen Koch bei meiner Einrichtung in Venedig genommen , und einen jungen Menschen , der dem Kammerdiener bei seinen Geschäften zur Hand ging und Sedlaczech insoweit bediente , als dessen einfache Gewohnheiten es nöthig machten . Ich wollte schon irgend einen Verdacht von Bestechung oder sonstigen Umtrieben auf ihn werfen , als Gino kam und mich tausendmal um Verzeihung bat für den » fanciull « - wie er den großen starken Nino zu nennen pflegte . Der poveretto habe natürlich keine Ahnung von meinem gestrigen Befehl gehabt , und daher heute früh ganz unschuldig die Nelken in Empfang genommen - und obenein die Verwegenheit gehabt eine derselben zurück zu behalten und über ' s Ohr zu stecken . Künftig sei nichts mehr von seiner Unwissenheit zu befürchten ; er habe ihm meinen Befehl deutlich gemacht . Es schien als habe auch der Unbekannte ihn verstanden , denn die Blumensendungen unterblieben - bis nach acht Tagen Gino mir erzählte , es habe sich abermals die Gärtnerbarke mit einer Blumenfracht gemeldet , sei jedoch von ihm zu allen tausend Teufeln geschickt worden . Seitdem kam das nicht mehr vor . Mich frappirte weit mehr eine gewisse Gondel , die seit einiger Zeit allnächtlich , wenn ich von meinen Wasserwanderungen heimkehrte , an der Einfahrt meines Hauses lag . Hier war kein Traghetto.1 - Man fuhr durch eine gewölbte Grotte , aus der eine Treppe in den kleinen innern sogenannten Hof führte , in mein Haus hinein . Für Fremde war da weder Landungsnoch Hafenplatz . Der Gondolier jener festverschlossenen Barke saß vermummt in seinem braunen Capot auf deren Boden und schien zu schlafen . » Was machst Du hier ? Weg da ! fuhr Gino ihn das erste Mal an . Hier ist kein Traghetto ! Pack Dich fort zu Deiner Madonna . « Statt in dem nämlichen rauhen und zänkischen Ton zu antworten , wie das die Weise der Gondoliere ist , die sich in fünf Secunden zum wüthendsten Wortstreit , der aber nie in Thätlichkeiten ausartet , steigert - entgegnete der fremde Gondolier gelassen : » Ich bin hier schon im Schutz meiner Madonna . « » Das mag eine rare Hündin sein .... Deine Madonna ! « kreischte Gino , der in Schimpfreden dieser Art all ' seine Genossen übertraf . Eine solche Herausfoderung zu Zank und Schmähung wird immer angenommen , und mit dem sanften lispelnden Dialect Venedigs der so klingt als sei er von Kinderlippen erfunden , schreien sich dann beide Helden die grausigsten Verwünschungen und Verspottungen zu . Als Jener nichts auf Ginos Apostrophe erwiderte , sondern sich stumm noch tiefer in seinen Capot wickelte , fuhr mir der Gedanke durch den Sinn , dies sei kein Gondolier